Weihnachten mit ohne Mika

Dieses Jahr ist das erste Weihnachten seitdem du fort bist an dem wir es uns wieder weihnachtlich machen, mein Schmetterling. Gestern haben wir das Haus dekoriert, dein Papa hat Lichterketten angebracht und wir haben einen Adventskranz aufgestellt. Und diesmal fühlt es sich richtig an. Denn deine Schwester ist hier. Durch sie darf Weihnachten wieder ein richtiges Weihnachten werden, mit festlich geschmücktem Baum, mit Geschenke auspacken, mit Weihnachtsplätzchen und mit allem, was dazu gehört. Aber trotzdem wird uns so auch wieder sehr schmerzlich bewusst, dass du nicht hier sein darfst, dass du das alles nicht mit uns zusammen erleben darfst. Heute waren wir zum ersten Mal mit deiner Schwester im Schwimmbad, und auch dort hast du sehr gefehlt. Wir hatten nie die Gelegenheit, mit dir schwimmen zu gehen. Wie schön wäre es gewesen, heute zu viert zu planschen, viel zu viele Pommes zu essen und durchs Wasser zu toben. Morgen hat deine Schwester Geburtstag und ich habe ihr einen kunterbunten Kuchen gebacken. Dir habe ich auch einen zum ersten Geburtstag gebacken, aber da warst du schon nicht mehr da, mein Schmetterling. Ich habe ihn mit deinem Papa und meinen Arbeitskollegen gegessen, für dich. In all diesen Momenten fällt die Lücke, die deine Form hat, so sehr auf. Das Schweigen, wo deine Stimme sein müsste, ist so schrecklich laut. Aber wir müssen geduldig miteinander sein, einen Schritt nach dem anderen gehen. Dieses Jahr zum ersten Mal wieder richtig Weihnachten, so richtig es eben ohne dich sein kann. Ein bisschen Weihnachtsstimmung kommt sogar auf, auch wenn sie oft unterbrochen wird vom Innehalten und dem Stechen im Herz. Und wer weiß, vielleicht wird es sogar schön. Vielleicht wird es schön, weil es nicht okay ist, dass du nicht hier bist, aber weil du im Herzen so fest mit dabei bist als wärst du mit unter dem Baum, als leuchten deine Augen mit denen deiner Schwester um die Wette, als würdet ihr beide gemeinsam Geschenkpapier zerreißen. Vielleicht wird es schön, weil du immer dabei bist. Vielleicht.

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Weihnachtswunder

Das zweite Weihnachten ohne dich, mein Schmetterling. Es ist kaum zu fassen und noch schwerer zu ertragen, dass du so lange schon fort bist. Viel zu lange. Aber dieses Jahr waren Dinge anders. Wir hatten wieder keinen Baum und haben auch nichts geschmückt, aber nicht mehr weil es uns so sehr widerstrebte wie im letzten Jahr, weil der Schmerz zu unerträglich war, um auch nur ansatzweise Festtagsstimmung aufkommen zu lassen. In diesem Jahr gab es keinen Baum, weil es sich nicht gelohnt hat, weil er hier wegen unserem Umzug nicht lange hätte stehen können. Weil es nicht mehr so richtig gemütlich ist  bei uns zwischen den Kisten. Dieses Jahr war es aber vor allem anders, weil wir nicht mehr allein sind. Wir sind wieder zu dritt. Und auch wenn deine Schwester noch viel zu klein ist, um um den Baum zu laufen, Geschenke auszupacken oder Schokolade mit uns zu essen, so waren wir nicht mehr allein. Und das macht einen riesigen Unterschied. Wir waren trotzdem um dich sehr traurig, wir haben geweint um dich und darüber gesprochen, wie es gewesen wäre, wenn du dieses Jahr bei uns gewesen wärst. Wie schön es gewesen wäre, zu viert zu sein. Wir hätten vielleicht trotzdem einen Baum aufgestellt, im Chaos. Einfach nur für dich. Wir waren hin- und hergerissen zwischen Freude über deine Schwester, die unser kleines großes Weihnachtswunder ist, und Trauer um dich, weil wir dich so sehr vermissen. Vielleicht wird es irgendwann wieder ein Weihnachten ohne Tränen geben, an dem die Trauer mild ist. Aber so lange es so ist wie in diesem Jahr kann ich sagen: ich kann das aushalten. Ich habe nicht mehr das Gefühl, dass es mich zerreißen muss und wird. Ich habe nicht das Gefühl gehabt, dass es besser wäre, keinen weiteren Tag erleben zu müssen, weil er ohne dich sein wird. Unser Weihnachtswunder bringt Heilung. Keine völlige, das kann sie nicht, das kann niemand. Das soll sie auch nicht. Aber sie bringt Linderung für unsere zerbrochenen Herzen, sie bringt Freude. Sie bringt das Gefühl, wieder eine Familie zu sein. Wenn sie auch nie wieder komplett sein wird. Ich hoffe du hast da oben ein schönes Weihnachtsfest, mit deinem Großonkel, deinem Uropi und Heinz, deinem Uropa, deiner Uroma und vielen vielen kleinen Engeln, die von ihren Familien schmerzlich vermisst werden, genauso wie du. Wenn es nicht mehr ganz so kalt ist und deine Schwester noch ein kleines bisschen gewachsen ist, dann fahren wir zu deinem Baum. Und ich bringe dir einen Tannenzweig, wenn ich einen finden kann. Dann hast du auch dort ein bisschen verspätetes Weihnachten. Ich schicke dir tausend Küsse und Umarmungen und ich schicke dir Liebe und Licht. Frohe Weihnachten, mein Schmetterling.

Weihachten mit Schmetterling

Heut ist Weihnachten. Das erste ohne dich. Es wäre auch das erste mit dir gewesen. Ich hatte mir alles so anders vorgestellt. Ich habe leuchtende Augen in meiner Vorstellung gesehen, wenn wir die Lichter am Christbaum anmachen. Ich habe mir vorgestellt, wie du den Christbaumschmuck anleckst, während wir den Baum schmücken, und ich dir immer wieder Sachen wegnehmen muss, weil du zwischen uns herumkrabbelst und an allem teilhaben willst. Ich hatte mir vorgestellt, wie ich ein Geschenk für dich verpacke und du es dann aufreißt. Das Geschenk wäre dir egal gewesen, ganz bestimmt, aber das Papier – das hättest du sicher toll gefunden. Ich habe mir unser erstes Weihnachten als Familie großartig und wunderbar vorgestellt. Jetzt ist es das schlimmste Weihnachten meines Lebens. Wir haben keinen Baum, was soll ein Baum ohne dass du da bist um ihn zu sehen? Wir haben auch keine Geschenke. Für wen denn? Wir haben kein besonderes Essen, denn das tollste Essen der Welt schmeckt heute nicht, so ohne dich. Andere Familien sitzen zusammen und feiern Weihnachten, sie lachen und sie streiten sich IMG_0210vielleicht. Wir sind heut zu einem kleinen Baum gefahren. Haben dir einen Tannenzweig auf dein Grab gelegt. Tannenzweige auf einem Kindergrab sind wohl das Gegenteil von Geschenken unter dem Weihnachtsbaum. Ich verstehe nicht, wie das alles passieren konnte. Und warum. Mein Herz tut so weh heute. So unendlich weh. Ich vermisse dich unendlich. Aber auch heute haben wir ein Zeichen von dir bekommen. Als wir von deinem kleinen Baum zurück fuhren haben wir ein Foto geschickt bekommen. Wir haben noch gestern eine Freundin besucht, die dich sehr fest in ihr Herz geschlossen hat. Sie hat Besuch bekommen. Am 24. Dezember. Wunderbaren Besuch, direkt vor dem Fenster. Denn ein kleiner Schmetterling kam zu ihr, und das Bild von ihr zu uns. Danke, mein Schmetterling, dass du uns nicht allein lässt an diesem Tag. Und auch wenn wir heute Abend keinen Baum haben und keine Geschenke, haben wir eine helle Kerze, die vor deinem Bild brennt. Und eine zweite helle Kerze, die deine geliebte kleine Seele in unseren Herzen angezündet hat.IMG_0211