Gesellschaft im Himmel

Vorgestern ist ein neuer Engel zu dir geflogen, mein Schmetterling. Aber was erzähle ich dir, ich bin sicher du hast sie ohnehin abgeholt. Deine Uroma ist jetzt bei dir. Sie hatte das gleiche Monster wie du im Körper, nur eine andere Sorte. Und auch wenn es bei ihr nicht direkt dieses Monster war, dass ihr am Ende die Kraft geraubt hat, so war es doch verantwortlich dafür, denn sie musste operiert werden und seitdem ging es ihr nicht mehr richtig gut. Du hast sie bestimmt zwischendurch besucht, wenn es ihr schlecht ging. Sie hat so viel um dich geweint, mein Schmetterling, sie hat dich so vermisst und mit deinem Schicksal gehadert. Und auch wenn sie immernoch die rüstige, pragmatische und liebenswerte alte Dame war, so war sie auch müde geworden, nachdem du fortgeflogen bist. Ich glaube vielleicht ist das so, wenn man selbst ein sehr schönes Alter erreichen darf und dann erleben muss, wie ein Kind geht. Sie war keine Frau der großen Worte, aber sie hat dich sehr lieb gehabt und viel, viel an dich gedacht. Bis zum Schluss. Sie war eine Kämpferin, so wie du. Hat sich nach dem schweren Eingriff gut wieder hoch gekämpft. Wir haben ihr noch von deiner Schwester erzählt und ich glaube sie hätte sie bestimmt gern noch kennengelernt. Aber am Ende war die Müdigkeit größer. Ich bin sicher ihr seid jetzt zusammen, vielleicht hat sie dich im Arm. Ich bin sicher, du hast sie gebührend empfangen und sie ist im Himmel von Liebe umgeben, so wie sie hier auch geliebt wurde. Jetzt muss sie niemanden mehr vermissen. Ich wette ihr Mann ist auch da und sie sehen sich endlich wieder. Die einzigen, die sie noch eine Weile vermissen müssen sind wir, die noch hier sind. Ich bin sehr traurig, aber ich bin auch froh. Froh, dass ich sicher sein kann, dass sie bei dir ist, mein Schmetterling. Froh, dass sie nicht länger krank und erschöpft sein muss, dass sie frei ist. Wirklich tot ist nur, wer vergessen wurde. Und so werden wir sie, wie dich und all die anderen, die vor dir schon gehen mussten, im Herzen tragen. Drück sie mal fest von mir, mein Schmetterling, und sag ihr, dass ich sie sehr lieb habe. Vielleicht kommt ihr ja zusammen mal vorbei, wenn deine kleine Schwester auf die Welt kommt.

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Jeden Tag neu

An manchen Tagen trifft es mich immer wieder neu, dass du weg bist, mein Schmetterling. Es trifft mich morgens beim Aufstehen, dass du nicht neben mir liegst. Es trifft mich danach, wenn ich dich nicht aus dem Bett nehmen kann und dein wunderbares Lächeln sehe. Du hast dich jeden morgen neu so gefreut mich zu sehen. Es tut jeden Morgen schrecklich weh. Es trifft mich im Bad, weil du nicht dort in deiner Wippe liegst und dich irgendwann beschwerst dass ich zu lange dusche und du dich langweilst. Es trifft mich in der Küche, wo ich mir in Ruhe meine Brote schmieren kann, und ich doch nichts weniger will als das. Es trifft mich auf dem Weg nach draußen, weil ich dich nicht in deine Jacke und deinen Maxicosi stecken muss, worauf du natürlich nie Lust hattest. Es trifft mich im Auto, wenn ich in den Rückspiegel schaue. Jetzt starrt die leere Rückbank zurück. Sie hat nie so leer ausgesehen wie seitdem du weg bist. Auf der Arbeit habe ich oft viel zu tun und komme nicht zum Nachdenken. Manchmal habe ich es fast vergessen – für einen Moment. Dann sehe ich ein Bild von dir, und es trifft mich so hart, es trifft mich mitten in mein notdürftig geflicktes Herz. Eigentlich weiß ich es, mit meinem Kopf, dass du nicht da bist. Aber mein Herz weiß es nicht, will es nicht wissen. Schiebt es weg. Und so trifft es mich immer wieder neu. Weil mein Herz es immer wieder vergessen will. Ich sehe in deine Augen, auf den Bildern, blau und klar und wunderschön, und mein Herz brennt. Wie ich mich sehne nach diesen blauen Augen. Nach deinem Blick. Nach deinem ganzen Wesen. Abends auf dem Sofa trifft es mich besonders, wo du bei mir warst, auf und neben mir, und wir gespielt haben und ich über deinen Kopf essen musste. Jetzt kann ich in Ruhe essen. Früher habe ich mir nichts mehr gewünscht, als wieder in Ruhe essen zu können, wenigstens ab und zu. Jetzt hasse ich nichts mehr als das. Ich würde nie wieder in Ruhe duschen wollen, oder kochen, oder essen, wenn ich dich nur haben könnte. Ich würde alles geben und alles aufgeben, wenn ich dich nur haben dürfte. Irgendwann werde ich dich wiederhaben, und dann für immer. Bis dahin muss ich dich vermissen. Es immer wieder vergessen. Und immer wieder neu erinnert werden. Jeden Tag neu.