Sarggestaltung bzw. Urnengestaltung

Heute möchte ich ein bisschen zum Thema Sarggestaltung schreiben. Es ist in ein paar Artikeln schon angeklungen, aber es ist wichtig genug um einen ganz eigenen Artikel daraus zu machen und alle Informationen nochmal zusammenzufassen.

Es gibt sehr viele Möglichkeiten, die letzte Ruhestätte seines Kindes zu individualisieren. Man kann damit beginnen, den Sarg selbst zu bauen, wenn man dies möchte und handwerklick begabt ist. Dazu gibt es einerseits hilfreiche Videos auf youtube, es gibt aber auch Bestatter die Workshops anbieten, in denen man einen Sarg bauen kann. Und ich kann mir auch gut vorstellen, dass der Tischler vor Ort einem sicher behilflich ist, wenn man die Situation schildert und um Hilfe bittet. Bei Urnen ist das nicht ganz so einfach, weil sie schlicht schwieriger zu bauen sind, aber auch da kann man sich bei dem Tischler seines Vertrauens informieren. Es ist hier zu beachten, dass beispielsweise für Friedwald und Ruheforst klare Richtlinien gelten, was in die Erde gebracht werden darf und was nicht, entsprechend muss man sich hier genau informieren und idealerweise anrufen und nachfragen, ob eine eigene Urne gestattet ist, oder ob man auf die angebotenen Urnen beschränkt bleiben muss.

Der nächste Schritt kann die äußere Gestaltung der letzten Ruhestätte sein. Wenn man einen Sarg bzw. eine Urne aus hellem Holz gewählt hat, lässt sich das sehr gut selbst bemalen. Bei anderen Oberflächen sind natürlich auch Lackfarben möglich. Auch hier muss man darauf achten, was jeweils in die Erde gebracht werden darf. Im Friedwald beispielsweise sind wasserlösliche und umweltunschädliche Farben notwendig. Fingerfarben für Kinder erfüllen die Kriterien in jedem Fall, halten aber natürlich nicht auf jeder Oberfläche.

Weiterhin kann man auch die innere Gestaltung des Sargs bzw. der Urne mit übernehmen. Bei einer Urne ist das mangels Platz gar nicht so einfach, aber auch hier kann man vielleicht Bilder einkleben oder etwas in den Deckel malen oder Zeichnen. Bei einem Sarg gibt es mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Man kann hier den Innenraum bemalen oder bekleben, und es gibt die Möglichkeit, ihn selbst mit Stoff auszukleiden. Vielleicht nutzt man Lieblingskleidung des Kindes, um daraus ein Set zu nähen. Wenn man nicht gut nähen kann, dann reicht es vielleicht auch einfach schon, dem Kind seine eigene Decke in den Sarg zu legen oder es darin einzukuscheln. Weiterhin gibt es viele Näher und Näherinnen, die auf Wunsch solche Dinge anfertigen. Hier ein kurzer Hinweis: sofern jemand Hilfe beim Nähen eines solchen Sets benötigt kann er sich an mich bzw. unseren Verein SchMIKAling wenden, denn wir haben eine sehr liebe Mama an Bord, die gern anderen Eltern helfen möchte und deshalb solche Sets mit viel Liebe und nur gegen den Ausgleich der Versandkosten aus der Kleidung oder anderem Stoff des Kindes näht.

Als letzten Punkt der Gestaltung des Sargs bzw. der Urne sind Beigaben zu nennen. In einer Urne lässt sich nicht so viel unterbringen, aber auch hier kann man Fotos und Briefe mit hineingeben. Für eine Bestattung im Friedwald ist es wichtig, dass alles was hineingegeben wird biologisch abbaubar ist, es darf also beispielsweise nichts aus Plastik dabei sein. Im Sarg sind da kaum Grenzen gesetzt. Ich habe erst gestern einen Artikel zur Bestattung eines stillgeborenen Kindes gelesen und möchte die Inspiration an euch weitergeben. Die Mutter hat ihre Hände aus Gips oder einem ähnlichen Material abgeformt und ihr Kind dort hinein gebettet, sodass es für immer von ihr geborgen gehalten wird. Ich finde das eine wundervolle Idee. Abformungssets findet man in vielen Bastelläden und es gibt auch im Internet Anleitungen, wie man so etwas selbst herstellen kann. Bei größeren Kindern könnte man darüber nachdenken, den gesamten Arm abzuformen und die Kinder geborgen hineinzubetten. Auch ansonsten gibt es viele Möglichkeiten, dem Kind etwas mit auf den Weg zu geben: lieb gewonnene Spielzeuge, Kuscheltiere, Schutzengel, eine Haarlocke der Eltern… erlaubt ist, was hilft und tröstet. Ich habe bei Mikas Bestattung Muttermilch mit ins Grab gegeben, weil es mir geholfen hat, mich so von ihm zu verabschieden. An den Beigaben kann sich natürlich die ganze Familie, Freunde und auch andere Personen beteiligen, wenn die Eltern es erlauben. Vielleicht möchten die Oma oder der Opa auch noch einen Brief mit in den Sarg oder die Urne geben.

Der Tod eines Kindes ist furchtbar. Nutzt deshalb alle Möglichkeiten, alles so „schön“ und für euch stimmig wie möglich zu gestalten. Ich fand es sehr tröstend das Gefühl zu haben, Mika sicher gebettet und kuschelig geborgen, umgeben von seinen liebsten Dingen zu verabschieden. Und selbst wenn es eine Urnenbestattung wird die eine Feuerbestattung notwendig macht, so wie bei uns, kann man den Sarg, der vorher benötigt wird, entsprechend gestalten und ausstatten. Ich wünsche euch allen, die ihr den Artikel lest, weil ihr gezwungen seid einen Abschied zu planen, alle Kraft der Welt. Ihr seid Krieger. Ihr werdet das schaffen, auch wenn es jetzt unschaffbar scheint. Und euer Kind oder eure Kinder werden euch zeigen, dass sie ganz nah bei euch sind.

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Letzte Ruhe für ein Kind

Wie und wo kann ich ein Kind bestatten lassen? Die Frage, die bei jedem Todesfall eine Rolle spielt, bekommt bei einem Kind noch mehr Gewicht. Verstirbt ein älterer Verwandter, ist das „Schema“ oft klar oder die Verstorbenen haben Wünsche geäußert. Solche Wünsche gibt es bei einem Kind oft nicht und die Gefühle der Angehörigen sind oft auch ganz anders. Der Gedanke, Mika auf dem Friedhof zu sehen, war für uns unerträglich. Wir sind einen anderen Weg gegangen. Hier möchte ich einen Überblick geben über das, was in Deutschland geht und was man im Ausland realisieren kann.

Zunächst gibt es eine ganz wichtige Unterscheidung. Feuer- oder Erdbestattung. Soll das Kind auf dem Friedhof beigesetzt werden, kann man eine Erdbestattung wählen. Dabei bleibt der Körper intakt. Auch hier sind die Befindlichkeiten ganz unterschiedlich. Ich konnte durch Mikas Krankheit den Gedanken eines langsamen Verfalls nicht ertragen. Andere Menschen finden Feuerbestattungen schlimm und wünschen das nicht. Auf dem Friedhof gibt beide Möglichkeiten, je nach gewählter Grabart. Über die angebotenen Grabarten sollte man sich bei dem Friedhof der Wahl informieren, denn nicht jeder Friedhof bietet alles an. Oft gibt es auch Bäume unter denen man liegen kann oder freie Wiesen, Sternenkinderfelder etc. Nicht alles ist mit einer Erdbestattung vereinbar, vieles erfordert auch hier eine Feuerbestattung. Zusammenfassend kann man sagen:

Wünscht man eine Erdbestattung, geht das nur auf dem Friedhof.

Wählt man eine Feuerbestattung (die übrigens mit ca. 90 Minuten sehr viel schneller geht, als die meisten Menschen glauben), sind die Möglichkeiten vielfältiger. In Deutschland kann man Urnen an den folgenden Plätzen beisetzen lassen bzw. die Asche verstreuen:

1. Regulär auf dem Friedhof.

Bei einer Urnenbeisetzung sind oft auch andere Grabarten möglich als das „Standardgrab“, also beispielsweise unter einem Baum. Auch anonyme Beisetzungen sind so möglich, allerdings wird das von den wenigsten Eltern gewünscht, da sie in den meisten Fällen einen Platz zum Trauern wünschen. Je nach Grabart gibt es unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten, man darf manche Gräber dekorieren, andere nicht. Bei manchen Formen sind nur bestimmte Dekorationen erlaubt. Dies ist beim jeweiligen Friedhof zu erfragen. Auch die Nutzungsdauer kann variieren.

2. Wald-/Baumbestattung

In Deutschland gibt es inzwischen die Möglichkeit, im Wald bzw. an einem Baum bestattet zu werden. Die Anbieter, die mir momentan bekannt sind, sind RuheForst und FriedWald, dort sind vom Anbieter abhängige, kompostierbare Urnen zugelassen. Mika liegt in einem Friedwald. Man hat dort meist die Möglichkeit, einzelne Bäume, aber auch Familien-, Freundschafts- und Gemeinschaftsbäume mit mehreren Plätzen zu erwerben. Mikas Baum ist ein Familienbaum mit 10 Plätzen. Die Nutzungsdauer beträgt in der Regel 99 Jahre. Die Preise der Bäume sind in Abhängigkeit von Typ und Größe ganz unterschiedlich. Zudem gibt es in den meisten Wäldern die Möglichkeit, sein Kind (bis 3 Jahre im FriedWald) an einem Sternenkinderbaum beisetzen zu lassen, dieser hat 10 Plätze und dort liegen nur kleine Kinder. An den Bäumen sind jeweis kleine Tafeln angebracht, auf denen die Namen der Verstorbenen stehen, nach Wunsch mit den Daten, einem Spruch oder einem Bild. Dekorationen der Grabstellen sind nicht möglich, der Wald pflegt sich selbst. Man kann aber oft einen kleinen Stein auf die genaue Stelle der Urne legen lassen, sodass man sicher weiß, wo der Verstorbene liegt. Auch bei Waldblumen etc. wird üblicherweise nichts gesagt.

3. Seebestattung

In Deutschland sind Seebestattungen in der Nord- und Ostsee möglich, aber auch eine Bestattung im Atlantik oder im Mittelmeer ist erlaubt. Hierbei fährt man auf die See hinaus zu einer Stelle, die nicht befischt oder befahren wird, und die wasserlösliche und beschwerte Urne wird dem Meer übergeben. Natürliche Materialien wie Steine und Blütenblätter dürfen auch ins Wasser gegeben werden. Wichtig ist zu bedenken, dass es auch hier keine feste Grabstätte gibt, an der man trauern kann.

4. Streubestattung

In einigen Bundesländern und auf einigen Friedhöfen, kann man die Asche auf eigens dafür vorgesehenen Wiesen verstreuen. Ein freies Verstreuen der Asche ist in Deutschland nicht legal. Es gibt die Möglichkeit, eine Grabstelle bei einer Firma im Ausland, z.B. in der Schweiz zu kaufen und die Asche so freizugeben, allerdings verstößt das freie verstreuen oder zu Hause behalten gegen geltendes Recht. In der Schweit sind außerdem Almwiesenbestattungen möglich, bei der die Asche entsprechend des Namens auf einer Almwiese verstreut wird. Es kann bei dieser Bestattungsart jedoch kein Kreuz oder Stein aufgestellt werden. Auch Dekorationen der Grabstelle sind nicht möglich. Streubestattungen werden unter anderem auch Windbestattungen genannt.

Zusätzlich gibt es noch Bestattungsarten, die in Deutschland meines Wissens nicht möglich bzw. erlaubt sind, aber die man über Umwege z.B. über das Ausland trotzdem realisieren kann. Hier eine Übersicht.

1. Felsbestattung

Hier wird die Asche an der Grasnarbe eines Felsens verstreut, unter der Grasnarbe beigesetzt oder auf einem Felsengebiet verstreut. Hier gibt es, wie im FriedWald, unterschiedliche Felsenarten, Gemeinschaftsfelsen und Familienfelsen, aber auch eine anonyme Beisetzung. Die meisten dieser Angebote laufen über die Schweiz. Wie im Wald sind auch hier keine weiteren Dekorationen der Grabstätte möglich.

2. Luftbestattung

In Frankreich, Österreich, Tschechien und in der Schweiz ist es möglich, die Asche aus der Luft verstreuen zu lassen oder im Ballon steigen zu lassen. Organisieren kann dies auch ein deutsches Bestattungsunternehmen. Beim Verstreuen lassen gibt es die Möglichkeit, dies aus dem Helikopter, einem Heißluftballon oder einem Flugzeug geschehen zu lassen. Je nach Fluggerät können unterschiedlich viele Menschen mitfliegen und die Durchführbarkeit hängt vom Wetter ab. Auch bei dieser Bestattungsart gibt es keine feste Stätte zum Trauern.

3. Flussbestattung

Ähnlich wie eine Seebestattung wird bei einer Flussbestattung die Asche auch im Wasser beigesetzt, allerdings ist dies in Deutschland nicht gestattet. In der Schweiz ist dies jedoch unter anderem auch in Bergbächen möglich. Hier wird die Asche im Rahmen einer Zeremonie dem fließenden Wasser übergeben. Auch hier gibt es keine feste Grabstätte.

4. Wasserfallbestattung

Wasserfallbestattungen sind wie Flussbestattungen nur im Ausland möglich, der Ablauf ist jedoch ganz ähnlich. Die Asche kann entweder direkt in den Wasserfall übergeben werden oder am Beginn des Wasserfalls in den Fluss gestreut werden. Eine Grabstätte gibt es bei dieser Beisetzungsart nicht.

5. Weltallbestattung

Einige ausländische Dienstleister bieten es an, einen Teil der Asche Verstorbener in das Weltall zu schießen. Wichtig ist hier, dass lange Wartezeiten in Kauf genommen werden müssen. Es werden nur wenige Gramm Asche ins Weltall geschossen, der Rest kann beigesetzt werden.

6. Gletscherbestattung

Gletscherbestattungen werden meines Wissens auch in der Schweiz angeboten. Hierbei fliegt ein Team zusammen mit einigen weniger Trauergästen mittels eines Hubschraubers ins Gebirge, wo die Asche des Verstorbenen entweder auf dem Gletscher verstreut oder im Gletscher beigesetzt wird. Auch diese Bestattungsart ist durch die Notwendigkeit eines Fluges vom Wetter abhängig. Ob hier ein Kreuz oder Ähnliches aufgestellt werden kann, ist mir leider nicht bekannt.

7. Edelstein- / Diamantbestattung

Einige Firmen, unter anderem auch in der Schweiz, bieten es an, die Asche eines Verstorbenen zu einem Diamanten zu pressen bzw. zu einem Edelstein wie einem Saphir oder einem Rubin verarbeiten zu lassen. Bei sehr kleinen Kindern kann dies problematisch sein, da eine bestimmte Menge Asche notwendig ist (bei einem Diamanten beispielsweise rund 500g), um die Verarbeitung zu ermöglichen. Dies sollte jedoch beim jeweiligen Anbieter angefragt werden. Bleibt Asche übrig kann diese regulär beigesetzt werden, es kann jedoch bei einigen Anbietern auch die gesamte Asche verarbeitet werden. Der gewonnene Diamant oder Edelstein kann zu einem Schmuckstück weiterverarbeitet werden. Wichtig ist zu beachten, dass die Gewinnung des Diamants oder Edelsteins einige Zeit in Anspruch nehmen kann.

Wenn einem von euch noch weitere Bestattungsarten bekannt sind, schreibt mir gern einen Kommentar. Ich übernehme dann die entsprechenden Informationen. Danke ❤

Getragen für immer

Die erste Hürde hatten wir genommen, dein Sarg war ausgesucht. Die zweite folgte, denn mit einem Sarg war es ja nicht getan. Wenn jemand eingeäschert wird, dann muss es auch eine Urne geben. Und wenn man sich für einen Friedwald entscheidet, dann gibt es nur sehr wenig Auswahl. Es gibt sehr schöne Urnen für Kinder. Unser Bestatter zeigte uns sogar eiförmige kleine Urnen für frühgeborene Kinder, die direkt wieder gehen müssen. Aber all das war nicht erlaubt. Für eine Stelle im Friedwald müssen es besondere, extra für den Friedwald zertifizierte Urnen sein. Die Standard-Friedwaldurne ist eine weiße Urne mit einem Ginkoblatt darauf. Sie gefiel uns für dich gar nicht. Kinderurnen müssen bunt sein. Fröhlich. Irgendwie besonders eben. Sie müssen das Wesen der Kinder widerspiegeln. Wir entschieden uns für eine helle Urne aus gewachstem, massivem Holz. Ahorn war es glaube ich. Denn: sie bot eine gute Leinwand. Wir entschieden uns, deine Urne zu bemalen – mit Fingerfarben, denn etwas anderes ist nicht erlaubt, aber auch damit kann man einen Gegenstand sehr persönlich gestalten. Natürlich kann man damit keine Meisterwerke zu Wege bringen, aber man kann ausdrücken, was man sagen will. Wir haben unsere Liebe zu dir ausgedrückt. Und so wie du dein ganzes Leben und bis zur Sekunde deines Todes von uns getragen warst, so wirst du auf ewig von unseren Händen getragen sein. Es war schwer und traurig, aber nicht nur. Wir haben währen des Malens sogar gelacht. Ich glaube, das hätte dir gut gefallen, kleiner Schmetterling.

Mikas Urne Mikas Urne Mikas Urne Mikas Urne