Frage ohne Antwort

Ich habe in der letzten Zeit auf unterschiedlichen Wegen immer und immer wieder eine Frage gelesen. Die schwerste Frage. Die Frage, auf die ich mit all der Erfahrung, die ich sammeln konnte, und mit all meiner Trauerarbeit noch immer keine Antwort weiß. Die, bei der mir die Worte fehlen. „Ich weiß, dass mein Kind sterben wird, ich weiß nur noch nicht wann. Wie kann ich mich darauf vorbereiten?“ Die Frage wird häufig von Eltern gestellt, deren Kinder schwer an Krebs erkrankt sind, und die von den Ärzten die Hiobsbotschaft erhalten haben, dass sie nichts mehr für das Kind tun können. Ich habe glaube ich schon einmal kurz darüber gesprochen, aber es beschäftigt mich so sehr, lässt mir keine Ruhe. Denn diese Frage trifft mich jedes Mal wie ein 40-Tonner mit Vollgas, sie wirft mich um und lässt mich zerschmettert am Boden liegen. Ich weiß keine Antwort auf sie, und sie reißt alle Wunden weit, weit auf. Was soll ich Eltern sagen, die diese Frage stellen? Wie soll man sich auf das Unvorstellbare vorbereiten, das Unmögliche, das, was verboten sein müsste? Wie soll man sich darauf vorbereiten, jemanden zu verlieren, der wichtiger ist als man selbst? Jemanden, bei dem jede einzelne Zelle des eigenen Körpers brennt mit dem Verlangen, diesen Jemand zu beschützen, koste es was es wolle? Jemanden, den man bis zur Selbstaufgabe liebt? Jemanden, ohne den man nicht leben kann und auch nicht will? Und all meine Worte verlassen mich in diesen Momenten, sie verflüchtigen sich wie Rauch im Wind, von einem Moment auf den anderen sind sie fort. Ich öffne meinen Mund und ihm entströmt ohrenbetäubende Stille. Ich möchte so viel sagen, es wirbelt in mir, aber alles passt nicht zur Frage. Sätze wollen sich bilden: Es tut mir so leid, so unendlich leid. Ich wünschte es wäre nicht so. Ich wünschte, ich könnte dir diesen Schmerz abnehmen. Ich will nicht, dass du diesen Weg gehen musst. Ich will nicht, dass dein Kind stirbt. Ich will dich beschützen vor dem, was kommt. Ich kenne dich nicht, aber ich will nicht, dass du so leiden musst. Ich sehe dein Kind und will nicht, dass es fort ist. Ich will, dass dieser Mensch lebt, dass er aufwachsen darf. Ich sehe das Lächeln deines Kindes und es treibt mir glühend heiße Tränen in die Augen. Ich kenne es nicht, aber ich liebe es, allein von diesem Bild, und ich will nicht, dass es geht. Ich will nicht, es geht nicht, es darf nicht. Es tut mir leid. Es tut mir leid. Es tut mir so leid.

Aber aus meinem Mund kommt nichts. Will ich die Worte fassen, sind sie fort, mein Kopf ist leer. Denn, ihr lieben, ihr tapferen, ihr starken und wunderbaren Eltern: ihr könnt euch nicht vorbereiten. Egal was ich euch sage, egal was ihr tut, egal wie viel ihr vorher kuschelt, unternehmt, wie viele Erinnerungen ihr schafft: Am Ende ist es nicht leichter. Es ist IMMER grauenvoll. Es reißt uns um, zertrümmert uns und lässt uns zerstört liegen. Irgendwann rappeln wir uns auf, setzen uns wieder zusammen, oft mit der Hilfe anderer Menschen. Aber nichts, absolut gar nichts in dieser Welt kann euch vorbereiten auf den Tod eures Kindes. Nichts kann euch helfen gegen den Schmerz, der da kommt. Deshalb ist alles, was ich sagen will, nur Schall und Rauch. Und alles was bleibt ist diese brüllend laute Stille. Und in meinem Kopf die Worte. Es tut mir leid. Es tut mir leid. Es tut mir so leid.

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Verzerrung

Wenn ich an dich denke, mein Schmetterling, und das tue ich oft, dann schieben sich oft die gleichen Bilder vor mein inneres Auge. Du, wie du im Krankenhaus in deinem viel zu großen Bett liegst. Du, wie du am Abend des letzen Tages in meinen Armen lagst, wie ich dich hielt und für dich sang, während deine Seele sich auf die Reise machte. Du, wie du dalagst, als das Leben aus dir gewichen war, wie nur deine Hülle übrig war. Und diese Bilder tun weh. Ich kann nicht verstehen, wieso es immer und immer diese sind. Du warst so viel mehr, du bist so viel mehr als das. Uns verbindet so viel mehr als das. Es gibt hunderte, tausende Erinnerungen, ebenso wichtig und viel schöner. Du, wie du nach deiner Geburt auf meinem Bauch lagst und deinen Kopf hobst, neugierig in die Welt schauend mit deinen wunderbar klaren, blauen Augen. Du, wie du neben der Wanne in deiner Wippe liegst während ich dusche, deine Fische bestaunst und deine leisen, weichen Geräusche von dir gibst. Du, wie du in meinem Arm schläfst, matt vom trinken, satt und zufrieden. Du, wie du geborgen im Tuch bist, ganz nah bei mir, verträumt meinem Herzschlag lauschend, wunderbar warm und geborgen. Du, wie du glucksend und spielend auf deiner Decke liegst und mit deinen kleinen Händen die Welt entdeckst. Und doch, was mein Kopf mir zeigt sind immer nur die Bilder, die schmerzen. Soll das alles sein, was von all den Momenten bleibt? Ich möchte das nicht. Alles sträubt sich dagegen. Daran muss ich wohl arbeiten, und den stechenden und schneidenden Bildern die schönen Bilder entgegensetzen. Aus den schönen Erinnerungen eine Mauer bauen und sie den entsetzlichen entgegenstellen. Meinem Kopf beibringen, dass das nicht alles ist, was zählt. Dass nicht die negativen Gefühle die wichtigen sind, sondern dass die positiven Gefühle ebenso wichtig sind, ebenso bedeutsam. Dass wir diese Momente ebenso erinnern müssen. Du bist ein wunderschönes Kind, mein Schmetterling, und es wird dir nicht gerecht, dich dahinsiechend zu erinnern, krank und sterbend. Du bist ein leuchtendes Bündel an Lebensfreude, du strahlst hell und klar. Du bist ein wundervoller, perfekter kleiner Junge, und das ist es, was mein trauriger Kopf mir zeigen sollte. Das ist es, was ich sehen möchte. Die Bilder sollen geprägt sein vom Leben. Der Tod kam früh genug.

Die schwerste Nacht

Nun ist sie wieder da, mein Schmetterling. Die Nacht der Nächte, die Schwerste. Die Sternschnuppennacht. Die Nacht, in der deine Reise begann. Die Nacht, in der dein Leben zwischen unseren Fingern zerrann, so sehr wir uns auch wünschten, es halten zu können. Die Erinnerungen kommen hoch, lebendig wie am ersten Tag. Wie du in meinen Armen lagst, so klein und doch so schwer. Wie dein Atmen klang, als es langsamer und langsamer wurde, als es schwerer wurde. Wie dein Herzschlag klang,immer leiser und leiser. Immer schwächer. Wie du ausgesehen hast, wie perfekt dein kleines Gesicht war. Wie wunderschön. Wie du gerochen hast, nach Pflastern und Medizin. Wie deine Haut auf meinen Lippen geschmeckt hat. Wie weich du warst, wenn ich dich gestreichelt habe. Ich weiß was ich anhatte, ich weiß noch so viele Details aus dem Zimmer. Alles Erinnerungen, die unauslöschlich sind. Aber eins bleibt zurück, was mehr ist als nur eine Erinnerung. Eine Sache bleibt real. Und das ist die Liebe zu dir. Keine Zeit der Welt und keine Macht kann sie zu einer bloßen Erinnerung machen. Sie ist ewig und sie fühlt sich genauso an wie immer. Ich liebe dich mein Schmetterling. Mein Herz sehnt sich nach dir. Vielleicht treffen wir uns heute Nacht im Traum. Danke, dass du bei mir warst. Wenn auch nur für so kurze Zeit.

Gesellschaft im Himmel

Vorgestern ist ein neuer Engel zu dir geflogen, mein Schmetterling. Aber was erzähle ich dir, ich bin sicher du hast sie ohnehin abgeholt. Deine Uroma ist jetzt bei dir. Sie hatte das gleiche Monster wie du im Körper, nur eine andere Sorte. Und auch wenn es bei ihr nicht direkt dieses Monster war, dass ihr am Ende die Kraft geraubt hat, so war es doch verantwortlich dafür, denn sie musste operiert werden und seitdem ging es ihr nicht mehr richtig gut. Du hast sie bestimmt zwischendurch besucht, wenn es ihr schlecht ging. Sie hat so viel um dich geweint, mein Schmetterling, sie hat dich so vermisst und mit deinem Schicksal gehadert. Und auch wenn sie immernoch die rüstige, pragmatische und liebenswerte alte Dame war, so war sie auch müde geworden, nachdem du fortgeflogen bist. Ich glaube vielleicht ist das so, wenn man selbst ein sehr schönes Alter erreichen darf und dann erleben muss, wie ein Kind geht. Sie war keine Frau der großen Worte, aber sie hat dich sehr lieb gehabt und viel, viel an dich gedacht. Bis zum Schluss. Sie war eine Kämpferin, so wie du. Hat sich nach dem schweren Eingriff gut wieder hoch gekämpft. Wir haben ihr noch von deiner Schwester erzählt und ich glaube sie hätte sie bestimmt gern noch kennengelernt. Aber am Ende war die Müdigkeit größer. Ich bin sicher ihr seid jetzt zusammen, vielleicht hat sie dich im Arm. Ich bin sicher, du hast sie gebührend empfangen und sie ist im Himmel von Liebe umgeben, so wie sie hier auch geliebt wurde. Jetzt muss sie niemanden mehr vermissen. Ich wette ihr Mann ist auch da und sie sehen sich endlich wieder. Die einzigen, die sie noch eine Weile vermissen müssen sind wir, die noch hier sind. Ich bin sehr traurig, aber ich bin auch froh. Froh, dass ich sicher sein kann, dass sie bei dir ist, mein Schmetterling. Froh, dass sie nicht länger krank und erschöpft sein muss, dass sie frei ist. Wirklich tot ist nur, wer vergessen wurde. Und so werden wir sie, wie dich und all die anderen, die vor dir schon gehen mussten, im Herzen tragen. Drück sie mal fest von mir, mein Schmetterling, und sag ihr, dass ich sie sehr lieb habe. Vielleicht kommt ihr ja zusammen mal vorbei, wenn deine kleine Schwester auf die Welt kommt.

Liebeserklärung

Ihr wunderbaren, zerbrochenen Eltern, Eltern von Sternen- und Himmelskindern.

Ihr Kämpferinnen und Kämpfer, ihr Tapfersten.

Ihr seid nicht mehr ganz, nicht mehr unversehrt, ihr habt Kratzer. Ihr habt Narben. Sie schmerzen, wenn es kalt ist. Vielleicht seid ihr müde, erschöpft. Aber ihr seid schön. Eure Liebe macht euch wunderschön. Eure Narben machen euch schön. Ihr habt so viel gesehen, so viel erlebt – mehr, als ein Mensch erleben sollte. Es macht euch besonders.

Der Tod eures Kindes hat euch verändert, hat eure Seelen freigelegt, offen und nackt fühlt es sich manchmal an. Aber sie strahlen, eure Seelen. Sie strahlen gleißend hell. Wer den Tod kennt, fürchtet sich nicht mehr, und strahlt umso heller. Ihr kennt ihn, habt ihn erlebt, habt ihn gefühlt, habt ihn gesehen. Ein Stück von euch hat er mitgenommen. Ihr habt ihm euer Liebstes anvertrauen müssen. Er behält es für immer. Aber das Band zwischen euch und euren Kindern bleibt ganz, zart silbern schimmert es in die Weite, und die Liebe lässt euch leuchten. Ihr seid schön.

Nehmt eure Masken ab. Legt eure Kostüme ab. Ihr seid schön.

Ihr habt Sterne, die nur euch gehören. Ihr habt Schmetterlinge nur für euch. Ihr könnt sehen, was andere nicht sehen. Euer Lachen ist hell und klar und echt, denn es kommt von jemandem, der lange Zeit nicht lachen konnte. Auch eure Tränen sind schön, denn sie sind Zeugnisse eurer unendlichen Liebe. Jede einzelne davon. Ihr legt sie euren Kindern zu Füßen. Egal wie klein oder groß das Leben war, das ihr hergeben musstet.

Versteckt euch nicht in der Dunkelheit. Ihr seid schön. Zeigt euch wie ihr seid.
Zeigt euren Schmerz, zeigt eure Freude, zeigt eure Liebe und euer Leuchten. Wir müssen Leuchtfeuer sein in der Nacht der Welt. Denn ihr wisst, eines Tages, da sind wir alle wieder vereint. Und dann haben wir die Ewigkeit. Bis dahin bleibt stark. Bleibt tapfer. Leuchtet.

Letzte Ruhe für ein Kind

Wie und wo kann ich ein Kind bestatten lassen? Die Frage, die bei jedem Todesfall eine Rolle spielt, bekommt bei einem Kind noch mehr Gewicht. Verstirbt ein älterer Verwandter, ist das „Schema“ oft klar oder die Verstorbenen haben Wünsche geäußert. Solche Wünsche gibt es bei einem Kind oft nicht und die Gefühle der Angehörigen sind oft auch ganz anders. Der Gedanke, Mika auf dem Friedhof zu sehen, war für uns unerträglich. Wir sind einen anderen Weg gegangen. Hier möchte ich einen Überblick geben über das, was in Deutschland geht und was man im Ausland realisieren kann.

Zunächst gibt es eine ganz wichtige Unterscheidung. Feuer- oder Erdbestattung. Soll das Kind auf dem Friedhof beigesetzt werden, kann man eine Erdbestattung wählen. Dabei bleibt der Körper intakt. Auch hier sind die Befindlichkeiten ganz unterschiedlich. Ich konnte durch Mikas Krankheit den Gedanken eines langsamen Verfalls nicht ertragen. Andere Menschen finden Feuerbestattungen schlimm und wünschen das nicht. Auf dem Friedhof gibt beide Möglichkeiten, je nach gewählter Grabart. Über die angebotenen Grabarten sollte man sich bei dem Friedhof der Wahl informieren, denn nicht jeder Friedhof bietet alles an. Oft gibt es auch Bäume unter denen man liegen kann oder freie Wiesen, Sternenkinderfelder etc. Nicht alles ist mit einer Erdbestattung vereinbar, vieles erfordert auch hier eine Feuerbestattung. Zusammenfassend kann man sagen:

Wünscht man eine Erdbestattung, geht das nur auf dem Friedhof.

Wählt man eine Feuerbestattung (die übrigens mit ca. 90 Minuten sehr viel schneller geht, als die meisten Menschen glauben), sind die Möglichkeiten vielfältiger. In Deutschland kann man Urnen an den folgenden Plätzen beisetzen lassen bzw. die Asche verstreuen:

1. Regulär auf dem Friedhof.

Bei einer Urnenbeisetzung sind oft auch andere Grabarten möglich als das „Standardgrab“, also beispielsweise unter einem Baum. Auch anonyme Beisetzungen sind so möglich, allerdings wird das von den wenigsten Eltern gewünscht, da sie in den meisten Fällen einen Platz zum Trauern wünschen. Je nach Grabart gibt es unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten, man darf manche Gräber dekorieren, andere nicht. Bei manchen Formen sind nur bestimmte Dekorationen erlaubt. Dies ist beim jeweiligen Friedhof zu erfragen. Auch die Nutzungsdauer kann variieren.

2. Wald-/Baumbestattung

In Deutschland gibt es inzwischen die Möglichkeit, im Wald bzw. an einem Baum bestattet zu werden. Die Anbieter, die mir momentan bekannt sind, sind RuheForst und FriedWald, dort sind vom Anbieter abhängige, kompostierbare Urnen zugelassen. Mika liegt in einem Friedwald. Man hat dort meist die Möglichkeit, einzelne Bäume, aber auch Familien-, Freundschafts- und Gemeinschaftsbäume mit mehreren Plätzen zu erwerben. Mikas Baum ist ein Familienbaum mit 10 Plätzen. Die Nutzungsdauer beträgt in der Regel 99 Jahre. Die Preise der Bäume sind in Abhängigkeit von Typ und Größe ganz unterschiedlich. Zudem gibt es in den meisten Wäldern die Möglichkeit, sein Kind (bis 3 Jahre im FriedWald) an einem Sternenkinderbaum beisetzen zu lassen, dieser hat 10 Plätze und dort liegen nur kleine Kinder. An den Bäumen sind jeweis kleine Tafeln angebracht, auf denen die Namen der Verstorbenen stehen, nach Wunsch mit den Daten, einem Spruch oder einem Bild. Dekorationen der Grabstellen sind nicht möglich, der Wald pflegt sich selbst. Man kann aber oft einen kleinen Stein auf die genaue Stelle der Urne legen lassen, sodass man sicher weiß, wo der Verstorbene liegt. Auch bei Waldblumen etc. wird üblicherweise nichts gesagt.

3. Seebestattung

In Deutschland sind Seebestattungen in der Nord- und Ostsee möglich, aber auch eine Bestattung im Atlantik oder im Mittelmeer ist erlaubt. Hierbei fährt man auf die See hinaus zu einer Stelle, die nicht befischt oder befahren wird, und die wasserlösliche und beschwerte Urne wird dem Meer übergeben. Natürliche Materialien wie Steine und Blütenblätter dürfen auch ins Wasser gegeben werden. Wichtig ist zu bedenken, dass es auch hier keine feste Grabstätte gibt, an der man trauern kann.

4. Streubestattung

In einigen Bundesländern und auf einigen Friedhöfen, kann man die Asche auf eigens dafür vorgesehenen Wiesen verstreuen. Ein freies Verstreuen der Asche ist in Deutschland nicht legal. Es gibt die Möglichkeit, eine Grabstelle bei einer Firma im Ausland, z.B. in der Schweiz zu kaufen und die Asche so freizugeben, allerdings verstößt das freie verstreuen oder zu Hause behalten gegen geltendes Recht. In der Schweit sind außerdem Almwiesenbestattungen möglich, bei der die Asche entsprechend des Namens auf einer Almwiese verstreut wird. Es kann bei dieser Bestattungsart jedoch kein Kreuz oder Stein aufgestellt werden. Auch Dekorationen der Grabstelle sind nicht möglich. Streubestattungen werden unter anderem auch Windbestattungen genannt.

Zusätzlich gibt es noch Bestattungsarten, die in Deutschland meines Wissens nicht möglich bzw. erlaubt sind, aber die man über Umwege z.B. über das Ausland trotzdem realisieren kann. Hier eine Übersicht.

1. Felsbestattung

Hier wird die Asche an der Grasnarbe eines Felsens verstreut, unter der Grasnarbe beigesetzt oder auf einem Felsengebiet verstreut. Hier gibt es, wie im FriedWald, unterschiedliche Felsenarten, Gemeinschaftsfelsen und Familienfelsen, aber auch eine anonyme Beisetzung. Die meisten dieser Angebote laufen über die Schweiz. Wie im Wald sind auch hier keine weiteren Dekorationen der Grabstätte möglich.

2. Luftbestattung

In Frankreich, Österreich, Tschechien und in der Schweiz ist es möglich, die Asche aus der Luft verstreuen zu lassen oder im Ballon steigen zu lassen. Organisieren kann dies auch ein deutsches Bestattungsunternehmen. Beim Verstreuen lassen gibt es die Möglichkeit, dies aus dem Helikopter, einem Heißluftballon oder einem Flugzeug geschehen zu lassen. Je nach Fluggerät können unterschiedlich viele Menschen mitfliegen und die Durchführbarkeit hängt vom Wetter ab. Auch bei dieser Bestattungsart gibt es keine feste Stätte zum Trauern.

3. Flussbestattung

Ähnlich wie eine Seebestattung wird bei einer Flussbestattung die Asche auch im Wasser beigesetzt, allerdings ist dies in Deutschland nicht gestattet. In der Schweiz ist dies jedoch unter anderem auch in Bergbächen möglich. Hier wird die Asche im Rahmen einer Zeremonie dem fließenden Wasser übergeben. Auch hier gibt es keine feste Grabstätte.

4. Wasserfallbestattung

Wasserfallbestattungen sind wie Flussbestattungen nur im Ausland möglich, der Ablauf ist jedoch ganz ähnlich. Die Asche kann entweder direkt in den Wasserfall übergeben werden oder am Beginn des Wasserfalls in den Fluss gestreut werden. Eine Grabstätte gibt es bei dieser Beisetzungsart nicht.

5. Weltallbestattung

Einige ausländische Dienstleister bieten es an, einen Teil der Asche Verstorbener in das Weltall zu schießen. Wichtig ist hier, dass lange Wartezeiten in Kauf genommen werden müssen. Es werden nur wenige Gramm Asche ins Weltall geschossen, der Rest kann beigesetzt werden.

6. Gletscherbestattung

Gletscherbestattungen werden meines Wissens auch in der Schweiz angeboten. Hierbei fliegt ein Team zusammen mit einigen weniger Trauergästen mittels eines Hubschraubers ins Gebirge, wo die Asche des Verstorbenen entweder auf dem Gletscher verstreut oder im Gletscher beigesetzt wird. Auch diese Bestattungsart ist durch die Notwendigkeit eines Fluges vom Wetter abhängig. Ob hier ein Kreuz oder Ähnliches aufgestellt werden kann, ist mir leider nicht bekannt.

7. Edelstein- / Diamantbestattung

Einige Firmen, unter anderem auch in der Schweiz, bieten es an, die Asche eines Verstorbenen zu einem Diamanten zu pressen bzw. zu einem Edelstein wie einem Saphir oder einem Rubin verarbeiten zu lassen. Bei sehr kleinen Kindern kann dies problematisch sein, da eine bestimmte Menge Asche notwendig ist (bei einem Diamanten beispielsweise rund 500g), um die Verarbeitung zu ermöglichen. Dies sollte jedoch beim jeweiligen Anbieter angefragt werden. Bleibt Asche übrig kann diese regulär beigesetzt werden, es kann jedoch bei einigen Anbietern auch die gesamte Asche verarbeitet werden. Der gewonnene Diamant oder Edelstein kann zu einem Schmuckstück weiterverarbeitet werden. Wichtig ist zu beachten, dass die Gewinnung des Diamants oder Edelsteins einige Zeit in Anspruch nehmen kann.

Wenn einem von euch noch weitere Bestattungsarten bekannt sind, schreibt mir gern einen Kommentar. Ich übernehme dann die entsprechenden Informationen. Danke ❤

Ein Kind ist tot – was soll ich nur tun?

Heute möchte ich eine neue Kategorie im Blog anfangen. Es soll dabei um den ganz praktischen Umgang mit der Trauer gehen und ich möchte berichten, was ich bzw. wir hilfreich fanden und was vielleicht auch gar nicht hilfreich ist. Anfangen möchte ich mit der ersten Zeit nach dem Tod. Und auch wenn es zu dem Thema schon Ratgeber gibt, schadet es nie, mehr zu wissen.

Ein Kind ist gestorben. Eine grauenvolle Situation, die mit Worten nicht zu beschreiben ist. Die Familie ist in einer absoluten Ausnahmesituation. Was also sind die Dinge, die jetzt wichtig sind, die man machen sollte und die man auf jeden Fall vermeiden sollte?

Was sollte ich tun?

1. Konkrete Hilfen anbieten

Je nachdem wie weit die Familie weg ist und wie eng ihr mit ihr befreundet und/ oder verwandt seid gibt es unterschiedliche Hilfen, die man anbieten kann. Oft ist die Familie in den ersten Tagen völlig paralysiert. Und selbst wenn nicht wird die Trauer oft übermächtig sein.Wenn ihr nahe dran seid bringt Essen vorbei, wenn die Familie das möchte. Achtet darauf, dass die Eltern und Geschwister essen und trinken, oft sind diese Bedürfnisse in den ersten Tagen nach dem Tod des Kindes völlig verschwunden. Bietet Hilfe bei den Behördengängen an, beim Gang zum Bestatter, bei der Auswahl des Sarges etc. Manchmal hilft es schon, wenn ihr nur dabei steht. Schmeißt den Haushalt, wascht die Wäsche, wenn die Familie es erstmal nicht schafft. Wenn es der Familie ein Anliegen ist helft ihr, die Besitztümer des Kindes wegzuräumen. Einige Eltern ertragen es nicht, die Dinge unberührt zu belassen, anderen ist es sehr wichtig. Wenn es Gewschwisterkinder gibt bietet an, mit ihnen etwas schönes zu unternehmen, fahrt in den Zoo etc. Die Eltern versuchen oft, für ihre verbliebenen Kinder besonders stark zu sein und haben keine Zeit für ihre Trauer. So können sie einfach für sich weinen. Seid da, wenn sie reden möchten. Bitte nicht einfach sagen: „Wenn ich was tun kann meldet euch.“ Das wird die Familie sehr warhscheinlich nicht tun. Ganz konkret fragen: „Ich koche gleich was, möchtet ihr was davon haben?“. Und bitte immer fragen. Manche Menschen möchten für sich sein oder ihnen ist es wichtig, alles allein zu machen. Damit kommen wir auch schon zu Nummer 2.

2. Verständnis für individuelle Trauer haben

Familien reagieren auf den Tod ihres Kindes ganz unterschiedlich. Ich war wie gelähmt. Ich habe nicht gegessen, nicht getrunken, wollte nicht aufstehen – konnte auch nicht. So Mancher stürzt sich aber in Aktivität. Manche Menschen wollen viel reden, andere wenig. Manche wollen Bilder ansehen und zeigen, andere möchten das alles erstmal von sich schieben. Wenn ihr anbietet, vorbeizukommen und zu reden, dann seid nicht böse, wenn die Familie das nicht möchte. Wichtig ist, das nicht persönlich zu nehmen und zu denken „Gut, dann helfe ich eben nicht mehr“. Vielleicht möchte die Familie an einem anderen Tag sprechen. Versucht so gut es geht abzuklopfen, was die Familie möchte und was nicht und orientiert euch daran. Und nehmt Ablehnungen nicht persönlich. Es ist eine Ausnahmesituation.

3. Selbsthilfe etc.

Sucht Informationen für konkrete Selbsthilfen zusammen. Das kann eine Selbsthilfegruppe sein, eine Therapeutin oder ein Therapeut, der auf Trauer und Trauma spezialisiert ist, ein Hospizkreis, ein Buch (zum Thema Selbsthilfegruppen und gute Bücher werde ich in einem anderen Artikel noch kommen) oder Kontaktdaten einer Trauerbegleiterin oder eines Trauerbegleiters. Auch ein Seelsorger kann hier gut helfen. Sucht die Adressen und Telefonnummern heraus und gebt sie der Familie bzw. werft sie in den Briefkasten mit dem Hinweis, dass sie dort anrufen können, wenn sie den Wunsch haben, zu sprechen. Wenn ihr gute Bücher kennt bringt sie vorbei. Oft haben die Familien gerade am Anfang keine Kapazitäten frei, sich zu informieren. Wenn dann irgendwann mehr Ruhe eingekehrt ist können sie einen Blick darauf werfen.

4. Erinnerungen „machen“

Es gibt sehr sehr viele Möglichkeiten, dauerhafte Erinnerungen zu schaffen. Darüber werde ich in einem anderen Artikel noch ausführlicher berichten. So gibt es beispielsweise Erinnerungsschmuck mit Fingerabdrücken, die Möglichkeit eine Haarlocke verewigen zu lassen, Asche bei sich zu tragen oder in einen Kristall einarbeiten zu lassen. Es gibt Tattoos, Hand- und Fußabdrücke. Es gibt die Möglichkeit, die Hand im Ganzen aus Gips nachgießen zu lassen und so weiter und so weiter – der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Leider sind viele dieser Möglichkeiten sehr zeitkritisch und können nur umgesetzt werden, bevor die Beisetzung stattfindet. Informiert euch für die Familie und schlagt entsprechende Dinge vor. Oft sind das die Wichtigsten Erinnerungsstücke neben Fotos, Videos und lieb gewonnenen Spielzeugen. Auch im Hinblick auf die Beisetzung gibt es vieles, was man tun kann, worüber aber oft  nicht nachgedacht wird. So kann man zum Beispiel Nachrichten an das Kind mit in den Sarg geben lassen oder gemeinsam verbrennen, Seifenblasen machen, Luftballons steigen lassen… auch hier ist eine Liste für die Familie mit schönen Ideen bestimmt gut, wenn sie selbst in ihrere Trauer überfordert ist. Die kann sie sich dann in Ruhe durchlesen und entscheiden, ob sie etwas davon umsetzen möchte oder nicht.

5. Finanzen

Beerdigungen sind teuer. Und je nachdem, wie die Familie finanziell gestellt ist, kann es sein, dass sie damit in Not gerät. Mit dem Tod eines Kindes rechnet niemand, daher ist eigentlich nie vorgesorgt. Wenn die Familie finanziell nicht so gut gestellt ist fragt vielleicht im Freundeskreis, in der Nachbarschaft, im Sportverein, wo auch immer es passend sein könnte, und sammelt ein bisschen Geld. Geld ist besser als Blumenschmuck für das Grab, der nach kurzer Zeit verwelkt und der der Familie vielleicht gar nicht gefällt. Ihr könnt auch soziale Netzwerke nutzen. Oft sind die Menschen sehr berührt, wenn ein Kind stirbt, und möchten gern helfen. Mikas Beisetzung und auch der Schmuck sind zu 100% von Spenden finanziert worden, und das hat uns sehr viel abgenommen. Denn es macht viel aus, frei entscheiden zu können, wie das eigene Kind beigesetzt werden soll, ohne Dinge nicht tun zu können, weil man dafür kein Geld hat.

Was sollte ich auf gar keinen Fall tun?

1. Leere Phrasen benutzen

Jeder kennt diese Sätze. Aber sie helfen der Familie nicht in ihrer Trauer. Ich weiß, dass derjenige, der so einen Satz sagt, nur helfen möchte. Aber es hilft nicht, der Familie auf dem Höhepunkt ihrer Trauer zu sagen, dass ihr Kind „an einem besseren Ort“ ist. Es gibt keinen besseren Ort für ein Kind als die Arme seiner Eltern. Und wenn es so ist, dass die Familie irgendwann zu dem Schluss kommt, dass es für das Kind besser war zu sterben als weiter zu leiden, so muss die Erkenntnis aus ihnen selbst kommen. Brüskiert die Familien nicht mit solchen Sätzen. Oder damit ihnen zu sagen, dass es für etwas „gut war“. Wenn diese Erkenntnis irgendwann kommen sollte, muss sie aus der Familie selbst kommen. Im besten Fall wird die Familie nur trauriger sein, wenn man ihr so etwas sagt, im schlimmsten Fall wird sie wütend sein.

2. Ignorieren

Noch schlimmer als leere Phrasen ist es, das, was geschehen ist zu ignorieren. Ja, es ist schwierig, mit dem Tod eines Kindes umzugehen. Und es ist schwierig, auf den Menschen zuzugehen. Aber bitte ignoriert die Familie nicht. Damit signalisiert ihr, dass es euch egal ist, was geschehen ist. Wenn ihr nicht wisst, was zu sagen ist, dann sagt dass ihr es nicht wisst. Es gibt oft nichts Richtiges zu sagen, weil die Situation an sich so falsch ist. Aber gar nichts zu sagen ist das Schlimmste, was man tun kann. Und irgendwann ist der richtige Zeitpunkt verpasst.

3. Zu viel erwarten/ nicht mehr da sein

Nach dem Tod eines Kindes kommt oft irgendwann ( das kann nach ein paar Wochen oder auch Monaten der Fall sein) die Erwartung auf, die Familie müsse „weitermachen“ oder „drüber hinwegkommen“. „Nach vorne schaun“. Bitte erwartet so etwas nicht. Das Kind ist tot und wird für immer tot sein. Die Familie wird niemals darüber hinwegkommen. Sie wird weiterleben, aber sie wird FÜR IMMER um das Kind trauern. Diese Bürde trägt die Familie ihr ganzes Leben lang. Es ist wichtig, das zu verstehen. Es wird immer wieder schwierige Zeiten geben, am Anfang öfter, später seltener, aber sie werden nie aufhören. Seid dann immernoch da. Seid auch nach Monaten und Jahren noch da. Denkt an die Jahrestage und an die wichtigen Daten. Sagt der Familie, wenn ihr an ihr Kind gedacht habt. Für die meisten Familien ist es unglaublich wichtig zu hören, dass ihre Kinder geliebt und unvergessen sind, und das auch bei anderen Menschen.

Wenn euch noch andere Dinge einfallen, die ihr sehr hilfreich fandet oder die euch gar nicht geholfen haben hinterlasst mir gern einen Kommentar, dann werde ich einen ergänzenden Artikel nachreichen.