Eine Chance

Du hast mir eine Chance geschenkt, mein Schmetterling. Eine wundervolle Chance. Eigentlich wollte ich noch nichts darüber sagen, weil ich auch gar nicht weiß, ob am Ende alles klappen wird, aber es beschäftigt mich so viel, dass ich es nun doch loswerden muss. Ich wollte immer gern Bücher schreiben, schon seit ich jung war. Ich habe viele unfertige Geschichten, in alten Heften, vergraben auf meiner Festplatte, so viele Ideen und Erzählungen, die irgendwo liegen und darauf warten, noch einmal in die Hand genommen zu werden. Ich hatte diesen Traum irgendwann zu den Akten gelegt. Habe mich mit anderen Dingen beschäftigt. Und dann kamst du. Und ich hatte sowieso nur noch Zeit und Augen für dich, habe keine Gedanken mehr daran verschwendet. Und dann bist du gegangen, und dieser Drang Dinge zu erzählen ist wieder in mir aufgestiegen, stärker geworden, bis ich begonnen habe zu schreiben. Deine Geschichte diesmal. Die Worte flossen wie Wasser aus mir heraus, und wie Wasser waren sie nicht aufzuhalten, als der Damm gebrochen war. Ich habe eine zeitlang fast jeden Tag geschrieben, dann irgendwann wieder etwas weniger, aber der Wunsch, Geschichten zu erzählen, war wieder in mir erwacht. Und dann hast du mir ein Geschenk gemacht, mein Schmetterling, ein wundervolles Geschenk. Du hast mir eine Chance geschenkt. Dadurch, dass ich deine Geschichte erzählt habe, in Worte fassen durfte, wie sehr ich dich liebe und was für ein perfekter kleiner Mensch du warst, ist wie ein Stein in einen See die Geschichte deines Lebens in das Netz geraten. Und sie hat Kreise gezogen, immer größere Kreise, immer weiter, bis sie jemanden erreicht hat, den sie ganz in seinen Bann gezogen hat. Und nun darf ich ein Buch schreiben. Weil du da warst. Weil ich von dir erzählt habe. Nur durch dich habe ich diese Chance bekommen, nur durch dich hat sich diese Tür geöffnet, und nur durch dich habe ich die Möglichkeit, vielleicht, mit etwas Glück, einen Lebenstraum wahr werden zu lassen. Noch weiß ich nicht ob das, was ich erzählen möchte, am Ende wirklich spannend genug ist, ob es interessant genug ist, ob es zum Schluss wirklich klappen kann. Aber es ist eine Chance die man sonst nicht bekommt. Deshalb werde ich es versuchen. Wenn es nicht klappt, war es eine schöne und aufregende Erfahrung. Aber wenn es klappt, ist es die Erfüllung eines fernen Traumes, mehr als ich jemals zu hoffen gewagt habe. Ich hoffe du wirst mich auf dem Weg an die Hand nehmen und mir die richtige Richtung zeigen. Danke, mein Schmetterling.

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Ein kleiner Gruß

Gestern ist etwas sehr schönes passiert. Ich bin mir sehr sicher, dass du bei mir warst, mein Schmetterling. Und ich habe mich riesig darüber gefreut. Nachdem ich deine kleine Schwester weggebracht hatte und wieder nach Hause kam, um mit der Arbeit zu beginnen, flog ein Schmetterling sehr zielstrebig auf mich zu. Ein wunderschönes, leuchtend buntes und verhältnismäßig großes Tagpfauenauge war es. Sie sind rar bei uns und ich sehe nur sehr selten welche. Zitronenfalter und Kohlweißlinge gibt es in rauen Massen, aber Tagpfauenaugen, nach meinem Empfinden eine der schönsten Arten von Schmetterlingen, gibt es nur selten. Und dieser fröhlich bunte Falter flog direkt auf mich zu und setzte sich auf meine Brust. direkt über meinem Arm, den ich gehoben hatte als ich seine Absicht wahrgenommen hatte. Ich konnte seine Flügel direkt an meinem Arm spüren. Ich hab sofort gewusst, dass du es warst, der mir hier einen Gruß schenken wollte. Ich begrüßte den Schmetterling, wünschte ihm einen guten Morgen. „Wie geht es dir?“, fragte ich. Er blieb weiter sitzen und ich sah ihn an, in seiner ganzen Schönheit und ganz nah bei mir. „Ich hab dich lieb.“, sagte ich. Dann erhob er sich von meinem Arm und flog davon, in den wolkenlos klaren blauen Morgenhimmel. Ich habe mich gefreut, dass du mir so nah warst, mein Schmetterling. Wenn auch nur für einen kurzen Moment.

Hoffnungsschmetterling

Lange hast du dich nicht mehr wirklich deutlich gezeigt, mein Schmetterling. Und nun mehrmals kurz hintereinander. Angefangen hat alles damit, dass eine gute Freundin, die dich sehr ins Herz geschlossen hat, eine sehr schlechte Zeit hatte. Eine Sache nach der anderen ging schief. Ihre Arbeit lief nicht so, wie sie es sich gewünscht hatte. Ein Fressfeind drang auf unbekannte Art und Weise bei ihr ein und dezimierte ihre Haustieranzahl brutal und dramatisch. Sie steckte viel Geld und viel Zeit in den Schutz ihrer Tiere, und in das Schaffen einer schönen Umgebung für sich, nur um den nächsten Tiefschlag zu bekommen: Eine Kündigung ihrer Wohnung entgegen aller vorherigen Ideen und Abmachungen, aus nichtigsten Gründen. Und zum krönenden Abschluss dieser Strähne trauriger Ereignisse folgte das Traurigste von allen: ihr geliebter Hund, langjähriger Begleiter, Tröster in der Not und Seelenverwandter, musste eingeschläfert werden. Krebs hatte sich bei ihm eingenistet und eine Symptomatik, deiner so schrecklich ähnlich, zeigte an, dass das Ende nah war und der Kampf beendet. Kurz darauf stand ein wichtiges und schweres Gespräch bei ihr an. Sie wusste nicht, wie sie die Kraft für dieses Gespräch finden sollte, geschweige denn wie sie es zu einem positiven Abschluss hätte bringen sollen, zumal ihre Seele so schwer war von den Dingen, die aus den letzten Tagen und Wochen noch auf ihr lasteten. Und als sie da saß und sich fürchtete vor diesem Gespräch und traurig war, weil sie nicht wusste, wie sie das schaffen sollte, kamst du. Wie du es so gern tust, kamst du als Schmetterling. Als Admiral flogst du an ihrer Tür vorbei, verweiltest kurz und flogst dann weiter. Sie sah dich, erzählte mir davon und ich war sicher, dass du gekommen bist um nach ihr zu sehen. Sie war der gleichen Meinung. Du kamst auch, um ihr Hoffnung zu schenken, denn du wusstest schon, wie das Gespräch ausgehen sollte. Denn es lief viel besser, als sie es sich hätte vorstellen können. Sie konnte entgegen aller Zweifel ihre Ziele erreichen, was ihr zukünftige Türen öffnen wird, und hoffentlich markiert dieses gute Gespräch den Beginn einer neuen, besseren Zeit. Und als das Gespräch beendet war und alles gut, da kamst du noch einmal, In den zweiten Stock ins Fenster, zu hoch für einen Schmetterling eigentlich, und zeigtest dich ihr ein weiteres Mal. Wie um zu sagen: ich habe dir doch gesagt, dass alles gut wird. Danke, mein Schmetterling, dass du ihr Hoffnung geschenkt hast, als alles so schwer war für sie ❤ Ich bin stolz auf dich.

Alles neu – und doch vertraut

Hier war es ein paar Tage sehr ruhig, mein Schmetterling.  Das liegt daran, dass deine Schwester auf die Welt gekommen ist. Während ich dies schreibe schläft sie an meiner Brust.  Sie ist so wunderschön. Sie ist so schön wie du.  Und alles ist so neu, und doch so vertraut. Ihr seid euch so ähnlich. Ich habe Fotos gemacht, da weiß man nicht wer von euch wer ist.  Es ist so schön, sie hier zu haben. Sie ist ein Sonntagskind geworden, genau wie du. Die Geburt stand eine Weile still, wahrscheinlich weil sie am gleichen Tag auf die Welt kommen wollt wie du.  So viele Dinge waren so gleich. Ihre Daten sind fast gleich. Sie ist genauso groß und wiegt nur 10 g mehr.  Sie liegt auf meiner Brust und ich höre ihr zartes atmen, ihre leisen Geräusche. Ich sehe ihr kleines schönes Gesicht.  Ich fühle ihre Wärme. Ich kann ihren Duft riechen. Und alles ist so neu und doch so vertraut. Ich muss oft bewusst daran denken, dass sie nicht du ist,  so gleich kommt mir alles vor. Als wäre die Zeit zurückgedreht, als wären wir wieder da, wo wir Anfang 2015 waren.  Es ist wundervoll, so viele Parallelen zu sehen. Aber es ist auch schwer. Sehr schwer. Die Angst ist da, die Sorge.  Der Schmerz ist da, die Trauer ist da. Aber es ist auch ganz viel Freude da.  Es ist unendlich viel Liebe da.  Ich habe ihr schon viel von dir erzählt. Manchmal lächelt sie im Schlaf, wenn ich von dir spreche.  Ich glaube sie weiß von dir. Eigentlich bin ich sehr sicher. Denn du weißt auch von ihr, du wusstest das sie auf dem Weg ist. Du hast es mir gesagt. Aber davon möchte ich erst beim nächsten Mal erzählen.  Momentan kann nicht immer eine Kerze für dich brennen, denn manchmal ist einfach zu viel Trubel. Deine Schwester wirbelt uns durcheinander. Aber ich weiß, dass dir das nichts ausmacht. Dass du froh bist. Ich weiß, dass du sie liebst.  Nichts in dieser Welt kann wieder gutmachen was passiert ist. Aber wir können neu anfangen. Wir können glücklicher sein als wir es waren bevor sie kam. Wir sind wieder eine Familie. Wir sind wieder zu dritt auf dieser Welt.  In unseren Herzen sind wir zu viert.  Ich liebe dich mein Schmetterling. Und ich liebe deine Schwester.  Und auch wenn die Trauer wieder stärker ist, weil vieles so gleich ist und nicht so leicht, dann ist es jede Träne wert, es ist jede Sekunde wert.

Schmetterlinge

Ich kann mich gar nicht richtig erinner, wie wir darauf kamen, aber irgendwann wurdest du unser Schmetterling, kleiner Mika. Wir bekamen bunte gehäkelte Schmetterlinge ins Krankenhaus geschickt und auch auf den Bildern für dich waren Schmetterlinge. So wurdest irgendwann du der Schmetterling. Man sagt, dass Schmetterlinge die Seelen von Verstorbenen ins Jenseits geleiten und man sagt auch, dass Schmetterlinge ein Gruß unserer Lieben von der anderen Seite sind. Wir gaben dir zwei gehäkelte Schmetterlinge mit auf deine letzte Reise. Einer liegt vor deinem Bild. So sind wir durch die Schmetterlinge verbunden und wir haben noch genug, um deinen kleinen Geschwistern, so sie denn kommen, auch jeweils einen zu schenken. So werden auch sie mit dir verbunden sein. Noch viel wichtiger ist aber die Bedeutung von Schmetterlingen und ihrer Metamorphose vor dem Hintergrund deiner schwerer Krankheit. Denn, und das erfuhren wir erst eine Weile nachdem du gegangen warst und du unser Schmetterling wurdest, Schmetterlinge sind ein Symbol für die von der Materie befreiten Seele. Und welch besseren Vergleich gibt es? Du, dessen kleiner, wunderschöner und zerbrechlicher Körper defekt war und der sich verpuppt und aus seinem Kokon geschlüpft ist, um frei und leicht fliegen zu können? Wir haben einige Male Schmetterlingsbesuch gehabt, seitdem du so hoch und weit geflogen bist. Dein Onkel war auf Montage in Polen als du starbst. Und er musste danach auch wieder hin, wenn ich mich recht entsinne. Und obwohl es vorher nie so gewesen war: nach deinem Tod war ein Pfauenauge in der Halle und hat auf ihn gewartet. Er ließ den Schmetterling hinaus und erzählte uns davon und wir waren sicher, das war ein Gruß von dir. Wir bekamen auch von anderen Menschen viele Bilder von Schmetterlingen geschickt, manchmal auch umgetauft im Titel: SchMIKAling. Erst vor Kurzem, es war schon November und alle Schmetterlinge waren längst fort, hatten wir einen Schmetterling bei uns im Keller. Er ist dort hineingeflogen und hat gewartet. Der Schmetterlingspapa hat ihn gefunden und ihn wieder freigelassen. Vielleicht hast du ihn geschickt, zu uns in die Kälte. Zuletzt haben wir erst vor ein paar Tagen Schmetterlinge gesehen. Wir waren zu diesem Zeitpunkt mitten in der Wüste, auf dem Weg von Abu Dhabi nach Al Ain. Dort ist lange Zeit gar nichts. Wüste, so weit das Auge reicht. Sand und Dünen. Und dort, mitten im Nichts, besuchten uns zwei Schmetterlinge. Wie sie dort hingekommen sind? Ich weiß es nicht. Aber sie waren da, schwirrten um uns herum, um unser Auto, und flogen dann weiter. Jeder Schmetterling, den ich sehe, erinnert mich an dich und trägt deinen Namen für uns in die Welt. Und ich werde für immer an dich denken, wenn ich Schmetterlinge sehe. „Hallo Mika.“ sage ich dann. Manchmal kullert eine Träne. Aber ich weiß in dem Moment, dass du mir einen kleinen Gruß geschickt hast, von der anderen Seite.

Mika Schmetterling

Hallo.

Ich möchte mich vorstellen. Ich bin die Mama von Mika. Mika ist mein Schmetterlingskind. Er ist diesen Sommer in den Himmel geflogen. Wie ein kleiner Schmetterling hat er nur kurz bei uns verweilt und hat sich dann wieder auf den Weg gemacht. Wie ein Schmetterling hat er uns Freude gespendet und umso schwerer ist der Verlust. Ich habe mich entschieden diesen Blog zu schreiben, um zu verarbeiten. Vielleicht wird ihn jemand lesen, vielleicht wird er jemandem helfen. Vielleicht auch nicht. Vielleicht ist er nur für mich. Aber auch das ist gut, egal wie es hinterher aussehen mag, es wird gut und richtig sein. Aber ich will unsere Geschichte erzählen, von Schmetterlingspapa, Schmetterlingsmama und Schmetterlingsmika. Davon wie es begonnen hat und wie es endete. Ich will in kleinen Häppchen erzählen, was passiert ist, wie er war, wie er gekämpft hat. Wie tapfer und liebenswert er war. Wie er uns auch jetzt noch nicht alleine lässt, obwohl er wegflog. Ich will meine Liebe, meine Trauer, meine Wut, meine Verzweiflung, meinen Hass und meine Hoffnung hier aufschreiben, in der Hoffnung, dass das Rauslassen etwas hilft. Außerdem will ich meine spirituelle Erfahrung die mit seinem Tod erst begann, teilen. Seid willkommen, aus welchen Gründen auch immer ihr hergefunden habt. Ob aus eigenem Schmerz, aus Neugier, durch Zufall, aus Langeweile… willkommen in meiner Welt.