Neues Jahr – neues Glück

Wieder ist ein neues Jahr angebrochen. Der zweite Jahreswechsel ohne dich, mein Schmetterling. Leider durften wir nie einen Jahreswechsel mit dir erleben. Das neue Jahr bringt hoffentlich neues Glück mit sich. Ich habe gestern Abend im Bett gelegen und es ist etwas wundervolles passiert. Ich habe dort gelegen, neben deiner kleinen Schwester, ihr beim Atmen zugehört und ich habe eine unbändige Freude gespürt, dass sie da ist. Dass ich bei ihr liegen darf. Ich habe ihre kleinen Hände umfasst und in meinem Herz war Frieden. Und das war wundervoll. Ich habe an dich gedacht, in diesem Moment, und trotzdem war dort Frieden. Ich weiß nicht, warum du gehen musstest. Manche Fragen sind zu schwer zu beantworten. Aber ich weiß, dass du deine Aufgabe hattest und dass sie erfüllt gewesen ist. Während ich dies schreibe spüre ich wieder einen Stich der Trauer. Aber das Erlebnis hat mir gezeigt, dass es weiter bergauf gehen wird. Dass es immer wieder Momente geben wird, in denen Freude und Frieden vorherrschen, dass ich irgendwann an dich denken kann und mehr positive als negative Gefühle da sind. Und das nicht nur manchmal, sondern die meiste Zeit. Ich bin zerbrochen, ja. Ich bin gefallen. Und ich werde nie wieder ganz heil sein. Aber ich kann mit meinen Narben, mit meinem gekitteten Herzen, mit der Trauer auf meinen Schultern weiterleben. Deine Schwester ist der Grund, warum es mir viel besser geht als noch vor einigen Monaten. Sie hebt meinen Kopf. Sie beschleunigt meinen Schritt. Sie ist ein Wunder. Ich wünsche mir, dass auch andere Menschen in diesem neuen Jahr ein neues Glück erfahren dürfen. Ich wünsche mir, dass auch andere Menschen Frieden in ihren Herzen spüren dürfen, wenn sie schon lange keinen Frieder mehr gespürt haben. Ich wünsche mir, dass sie ihre eigenen Wunder erfahren dürfen, egal in welcher Form. Genau die Wunder, die sie brauchen, um weiterzumachen, um glücklicher zu werden, um die Last auf ihren Schultern etwas weniger schwer zu spüren. Vielleicht kannst du mithelfen, dass ein paar dieser kleinen Wunder wahr werden, weil du über einige dieser Menschen wachst. Der Frieden in diesem kleinen Moment, im Bett bei deiner Schwester, soll immer größer werden, er soll ein Meer werden. Er soll sich ausbreiten und Sorgen wegspülen, meine und die anderer Menschen. Er soll leuchten und die Dunkelheit aus manchen Herzen vertreiben. Neues Jahr – neues Glück. Und so wünsche ich mir, dass das neue Jahr vielen Menschen Glück bringt.

Werbeanzeigen

Kleine Geschenke

Manchmal macht mir mein Kopf kleine Geschenke von dir, mein Schmetterling. Sie sind wundervoll. In der letzten Nacht lag ich wieder lange wach, wie so oft in der letzten Zeit. Die Schwangerschaft mit deiner Schwester lässt mich nicht schlafen, mein Körper bereitet sich auf durchwachte Nächte vor. Das kenne ich schon, von der Schwangerschaft mit dir, und es ist nicht schlimm. Es bedeutet aber, dass ich viel, sehr viel Zeit zum Nachdenken habe. Oft denke ich an dich, mein Lieblingsschmetterling, und oft bin ich traurig dabei, weil du nicht mehr bei mir sein kannst. Die nächtlichen Gedanken bringen oft das Vermissen und die Sehnsucht mit sich, und oft kommt auch der Schmerz. Als ich in dieser Nacht in einer Welle der Traurigkeit meine Fühler nach dir ausgestreckt habe, habe ich eine Antwort bekommen und mein Kopf hat mir ein kleines Geschenk von dir gemacht. Es ist eine kleine Erinnerung gewesen, an die ich schon so lange nicht mehr gedacht habe. Du warst ein kleiner Quatschkopf und das ist mir wieder eingefallen. Du hast morgens gern bei deinem Papa auf der Brust gelegen, Bauch an Bauch, und hochgeschaut. Und dann hast du dich zur Seite rollen lassen, von der Brust deines Papas herunter, um in seinen Arm zu fallen. Dabei hast du dich immer kaputtgelacht. Am Anfang dachte ich noch, du machst das aus Versehen, weil du dich so nicht gut halten kannst, aber nach kurzer Zeit wurde mir klar, was dein Papa schon verstanden hatte: es machte dir einfach Spaß. Und so lagen wir im Bett und ich beobachtete dich dabei, wie du dich immer wieder lachend von der Brust deines Schmetterlingspapas gerollt hast und wie ich mit dir lachen musste, weil du so viel Spaß dabei hattest. Ich vermisse dein Lachen. Aber das Geschenk dieser Erinnerung hat mir wieder vor Augen geführt, was ich tief in meinem Herzen weiß: du hattest eine gute Zeit hier auf der Welt. Du hast die Zeit in vollen Zügen genossen, hast mitgenommen was möglich war und du warst einfach fröhlich und zufrieden, selbst in Anbetracht deiner schweren, grausamen Krankheit. Und mein Schmerz und mein Vermissen wurden sanfter und wurden durch Liebe und Freude über dein leichtes Wesen ersetzt. Ich bin jedes Mal dankbar über diese kleinen Geschenke, mein Schmetterling. Sie zeigen mir wieder, dass wir nichts vergessen. Wir denken an manche Dinge nicht, für eine kurze, oder manchmal sogar für eine längere Zeit. Aber sie sind immer da. Ich werde diese Erinnerung festhalten und sie deinem Schmetterlingspapa erzählen, wenn er heute Abend heimkommt. Und vielleicht wird sie ihm auch Freude schenken können, so wie sie mir in der letzten Nacht Freude geschenkt hat.