Gutes tun in Namen des Kindes

Viele Eltern, die ihre Kinder verloren haben, kommen irgendwann zu dem Schluss, dass das Beste was sie tun können und das schönste Denkmal, dass sie ihrem Kind setzen können ist, Gutes im Namen des Kindes zu tun. Es lässt sich viel Trost daraus ziehen, wenn man weiß, dass man die Welt durch den eigenen Verlust ein bisschen besser machen kann. Und ich persönlich habe auch die Erfahrung gemacht, dass man sich sicher ist, dass das Kind damit froh wäre.

Aber was kann man tun? Was ist ‚etwas Gutes‘? Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt. Ich liste hier einfach mal ein paar Anregungen auf. Gerade wenn man noch frischer trauert, hat man oft das unbestimmte Gefühl ‚irgendwas‘ machen zu wollen, weiß aber nicht so recht was das sein kann.

1. Andere Eltern in ihrer Trauer begleiten
Das ist vielleicht etwas, was man nicht sofort machen kann. Manchmal braucht es Zeit, bis man andere schwere Schicksale ertragen kann. Aber dann ist es oft heilsam, anderen Menschen in ihrem Schmerz zu helfen. Dazu kann gehören, wenn man mag, zu telefonieren, zu schreiben, sich zu treffen. Die Emotionen der Eltern zu validieren und ihnen zu vermitteln, dass alles, was sie fühlen, okay ist. Dass man sie nicht verurteilt. Man kann sie stärken in ihrere Verzweiflung und ihnen helfen, gerade die schwere erste Zeit zu ertragen. Besonders, wenn die Freunde, die Verwandschaft und einfach das Umfeld langsam das Gefühl hat, es müsste jetzt mal ‚gut sein‘, ist es sehr hilfreich wenn man jemanden hat, der versteht, dass es nie gut sein wird und der einfach da ist. So etwas ist besonders gut für Familien, die niemanden großartig haben, mit dem sie darüber sprechen können – sei es, weil es sich in der Familie nicht schickt oder sei es auch, weil sie sich nicht verstanden fühlen, weil niemand aus ihrer Familie Erfahrung damit hat.

2. Sich „organisieren“
Darunter fasse ich alles, was in irgendeiner Form etwas mit einer Organisation zu tun hat. Man kann beispielsweise eine Selbsthilfegruppe gründen, wenn es in der Nähe keine gibt, einen Verein, eine Elterninitiative etc. So kann man in einem größeren Rahmen Gutes tun. Natürlich ist dies oft mit bürokratischen Hürden verbunden, so lange man nicht eine Selbsthilfegruppe im privaten Rahmen auf die Beine stellen möchte. Aber es lohnt sich oft, sich mit diesen Hürden auseinanderzusetzen und sie schließlich zu überwinden.

3. Kreativ werden
Viele verwaister Eltern fangen irgendwann an, irgendwelche Kleinigkeiten zu fertigen, beispielsweise Erinnerungsstücke, und diese zu verschenken oder zu veräußern. Dazu gehört unter Anderem auch das Häkeln von Sternenbärchen, wie sie oft in Selbsthilfegruppen für verwaiste Eltern verteilt werden. Was ich schon oft gesehen habe ist das anfertigen von Schmuck, von Schnullern oder Windeln mit Beschriftung, Bilderrahmen, Kerzen etc. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Manche Eltern gießen auch Engel, machen Sägearbeiten mit Namen, bemalen Steine – erlaubt ist, was gefällt.

4. Teil eines bestehenden Vereins/ einer Organisation werden
Es gibt schon viele Vereine und Organisationen, die verwaistern Eltern helfen. Wenn man sich von dem bürokratischen Aufwand abgeschreckt fühlt, selbst Intiator_in zu werden, kann man aber auch Mitglied werden. Oft ist der Jahresbeitrag der Vereine sehr gering und somit für fast jeden erschwinglich. Der Vorteil ist auch, dass man genau gesagt bekommen kann, was gerade an Hilfe benötigt wird.

5. „Aktionen“ auf die Beine stellen oder an ihnen teilnehmen
Eine weitere Möglichkeit, aktiv zu werden, ist die Organisation oder die Teilnahme an Aktionen, um dem guten Zweck zu dienen. Dazu gehören beispielsweise Typisierungsaktionen, Spendenläufe, Nähaktionen, Spendengalen und Vieles mehr. Oft wird auf den Seiten einschlägiger Organisationen zur Mithilfe aufgerufen und man kann helfen, ohne eine Verpflichtung für danach eingehen zu müssen. Das ist möglicherweise eine der einfachsten Möglichkeiten, sich zu engagieren, weil die Aktionen zeitlich begrenzt sind und man dann auch wieder Pause hat, bis man Lust auf die nächste Aktion bekommt.

6. Selbst spenden
Ist man finanziell gut gestellt ist eine beliebte Möglichkeit, sich zu engagieren, für den guten Zweck zu spenden. Das kann man auch mit dem kreativ werden verknüpfen, indem man beispielsweise Dinge fertigt, um aus dem Erlös eine Spende zu finanzieren.

Es gibt bestimmt noch hunderte weiterer Möglichkeiten, sich im Namen des Kindes zu engagieren. Wenn euch noch etwas ganz Wichtiges einfällt, was hier jetzt nicht auftaucht, schreibt mir gern. Ich ergänze den Artikel dann um eure eigenen Erfahrungen 🙂

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