Freie Plätze

Heute sehne ich mich wieder so sehr nach dir, mein Schmetterling. Ich spüre, wie es mein Herz hin zu deinem zieht, wie es aus meiner Brust will um zu dir zu fliegen. Das Band zwischen uns ist schön und tröstlich, aber manchmal spüre ich, wie es uns zusammenführen will, fast wie ein Gummiband, und weil es das nicht kann spüre ich das Ziehen ganz fest. In diesen Momenten ist die Leere in meinem Arm und auf meinem Schoß schwer zu ertragen, denn dort sind zwei Plätze. Ich habe zwei Arme und zwei Beine, aber nur ein Platz ist besetzt. Der andere sollte besetzt sein, und doch ist er leer. In meinem Kopf wächst du mit, zusammen mit deiner Schwester. Manchmal, wenn ich die Bilder von dir sehe, dann wundere ich mich, wie klein du bist. In meinem Kopf bist du älter, du bist größer, „erwachsener“. Das liegt wohl auch daran, dass du im Krankenhaus alles Kindliche abgelegt hast und dein Blick so alt wurde, und dein Gesicht so erwachsen wurde, obwohl du noch so klein warst. Würde ich dich heute in den Arm nehmen würde ich mich wundern wie leicht du bist, wie klein du warst. Deine Schwester fragt immer mal wieder nach dir, möchte deine Bilder sehen und deine Sachen berühren. Ihr Interesse an dir ebbt nicht ab, im Gegenteil. Es wird mehr. Ach ich wünschte ich dürfte es einmal sehen, wie ihr euch umarmt. Nur ein einziges Mal. Wie ihr gemeinsam spielt, oder euch um ein letztes Stück Schokolade streitet, bis ich es teilen muss. Ich male mir diese Bilder aus und sie fehlen mir, ihre Abwesenheit ist mir sehr schmerzlich bewusst. Wenn ich auf meinem Handy die Bilder ansehe, dann sehe ich nur ein Kind. Ein wundervolles, aufgewecktes, liebenswertes Kind, aber es ist nur eines, wo zwei sein sollten. Und egal wie viele Kinder ich bekommen werde, ich werde immer wissen, dass es eines zu wenig ist an meiner Hand. Ich werde immer wissen, dass es um eine Kinderstimme zu ruhig ist, dass das Stapfen von einem Paar Füßen auf unserem Boden fehlt. Dass ein Raum mehr besetzt sein sollte, ein Gedeck mehr auf dem Tisch stehen müsste. Eine Quelle der Freude mehr, eine Quelle der Sorgen mehr. Einer fehlt. Bei deinem Sternengeschwisterchen ist es mir nicht so sehr bewusst, ich denke häufig an sie (inzwischen glaube ich sie wäre ein Mädchen gewesen), aber ihre Präsenz ist nicht so stark wie deine, weil ich sie nie kennenlernen durfte. Aber egal wie stark oder schwach ich euch wahrnehmen kann, eure Plätze werden immer leer bleiben. Sichtbar leer. Traurig leer.

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Sarggestaltung bzw. Urnengestaltung

Heute möchte ich ein bisschen zum Thema Sarggestaltung schreiben. Es ist in ein paar Artikeln schon angeklungen, aber es ist wichtig genug um einen ganz eigenen Artikel daraus zu machen und alle Informationen nochmal zusammenzufassen.

Es gibt sehr viele Möglichkeiten, die letzte Ruhestätte seines Kindes zu individualisieren. Man kann damit beginnen, den Sarg selbst zu bauen, wenn man dies möchte und handwerklick begabt ist. Dazu gibt es einerseits hilfreiche Videos auf youtube, es gibt aber auch Bestatter die Workshops anbieten, in denen man einen Sarg bauen kann. Und ich kann mir auch gut vorstellen, dass der Tischler vor Ort einem sicher behilflich ist, wenn man die Situation schildert und um Hilfe bittet. Bei Urnen ist das nicht ganz so einfach, weil sie schlicht schwieriger zu bauen sind, aber auch da kann man sich bei dem Tischler seines Vertrauens informieren. Es ist hier zu beachten, dass beispielsweise für Friedwald und Ruheforst klare Richtlinien gelten, was in die Erde gebracht werden darf und was nicht, entsprechend muss man sich hier genau informieren und idealerweise anrufen und nachfragen, ob eine eigene Urne gestattet ist, oder ob man auf die angebotenen Urnen beschränkt bleiben muss.

Der nächste Schritt kann die äußere Gestaltung der letzten Ruhestätte sein. Wenn man einen Sarg bzw. eine Urne aus hellem Holz gewählt hat, lässt sich das sehr gut selbst bemalen. Bei anderen Oberflächen sind natürlich auch Lackfarben möglich. Auch hier muss man darauf achten, was jeweils in die Erde gebracht werden darf. Im Friedwald beispielsweise sind wasserlösliche und umweltunschädliche Farben notwendig. Fingerfarben für Kinder erfüllen die Kriterien in jedem Fall, halten aber natürlich nicht auf jeder Oberfläche.

Weiterhin kann man auch die innere Gestaltung des Sargs bzw. der Urne mit übernehmen. Bei einer Urne ist das mangels Platz gar nicht so einfach, aber auch hier kann man vielleicht Bilder einkleben oder etwas in den Deckel malen oder Zeichnen. Bei einem Sarg gibt es mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Man kann hier den Innenraum bemalen oder bekleben, und es gibt die Möglichkeit, ihn selbst mit Stoff auszukleiden. Vielleicht nutzt man Lieblingskleidung des Kindes, um daraus ein Set zu nähen. Wenn man nicht gut nähen kann, dann reicht es vielleicht auch einfach schon, dem Kind seine eigene Decke in den Sarg zu legen oder es darin einzukuscheln. Weiterhin gibt es viele Näher und Näherinnen, die auf Wunsch solche Dinge anfertigen. Hier ein kurzer Hinweis: sofern jemand Hilfe beim Nähen eines solchen Sets benötigt kann er sich an mich bzw. unseren Verein SchMIKAling wenden, denn wir haben eine sehr liebe Mama an Bord, die gern anderen Eltern helfen möchte und deshalb solche Sets mit viel Liebe und nur gegen den Ausgleich der Versandkosten aus der Kleidung oder anderem Stoff des Kindes näht.

Als letzten Punkt der Gestaltung des Sargs bzw. der Urne sind Beigaben zu nennen. In einer Urne lässt sich nicht so viel unterbringen, aber auch hier kann man Fotos und Briefe mit hineingeben. Für eine Bestattung im Friedwald ist es wichtig, dass alles was hineingegeben wird biologisch abbaubar ist, es darf also beispielsweise nichts aus Plastik dabei sein. Im Sarg sind da kaum Grenzen gesetzt. Ich habe erst gestern einen Artikel zur Bestattung eines stillgeborenen Kindes gelesen und möchte die Inspiration an euch weitergeben. Die Mutter hat ihre Hände aus Gips oder einem ähnlichen Material abgeformt und ihr Kind dort hinein gebettet, sodass es für immer von ihr geborgen gehalten wird. Ich finde das eine wundervolle Idee. Abformungssets findet man in vielen Bastelläden und es gibt auch im Internet Anleitungen, wie man so etwas selbst herstellen kann. Bei größeren Kindern könnte man darüber nachdenken, den gesamten Arm abzuformen und die Kinder geborgen hineinzubetten. Auch ansonsten gibt es viele Möglichkeiten, dem Kind etwas mit auf den Weg zu geben: lieb gewonnene Spielzeuge, Kuscheltiere, Schutzengel, eine Haarlocke der Eltern… erlaubt ist, was hilft und tröstet. Ich habe bei Mikas Bestattung Muttermilch mit ins Grab gegeben, weil es mir geholfen hat, mich so von ihm zu verabschieden. An den Beigaben kann sich natürlich die ganze Familie, Freunde und auch andere Personen beteiligen, wenn die Eltern es erlauben. Vielleicht möchten die Oma oder der Opa auch noch einen Brief mit in den Sarg oder die Urne geben.

Der Tod eines Kindes ist furchtbar. Nutzt deshalb alle Möglichkeiten, alles so „schön“ und für euch stimmig wie möglich zu gestalten. Ich fand es sehr tröstend das Gefühl zu haben, Mika sicher gebettet und kuschelig geborgen, umgeben von seinen liebsten Dingen zu verabschieden. Und selbst wenn es eine Urnenbestattung wird die eine Feuerbestattung notwendig macht, so wie bei uns, kann man den Sarg, der vorher benötigt wird, entsprechend gestalten und ausstatten. Ich wünsche euch allen, die ihr den Artikel lest, weil ihr gezwungen seid einen Abschied zu planen, alle Kraft der Welt. Ihr seid Krieger. Ihr werdet das schaffen, auch wenn es jetzt unschaffbar scheint. Und euer Kind oder eure Kinder werden euch zeigen, dass sie ganz nah bei euch sind.

Schmetterlings-Kinderbuch

Ich bin sooo stolz, mein Schmetterling, das glaubst du nicht. Oder vielleicht doch, denn du hast den Weg dahin ja mitbekommen. Ich habe lange überlegt, wie ich deiner Schwester am besten erklären kann, was mit dir geschehen ist, warum du nicht da bist und warum ihr nicht zusammen spielen und durch den Garten toben könnt. Und am besten geht das, so finde ich, immer mit einem Buch. Ich habe lange geschaut und keines gefunden, was mir so recht gefallen wollte. Vor allem keines, was auch für sehr kleine Kinder schon passend erklären kann, warum ihr Geschwisterchen im Himmel ist. Also musste ein neues her. So wurde eine Idee geboren. Aber der Weg zu so einem Buch ist nicht einfach. Welcher Verlag möchte so ein Thema schon in sein Repertoire aufnehmen? Vor allem ohne wirklich zu wissen, wie es ausschauen wird – und dann noch von einem Niemand der sich noch keinen Namen in der Branche gemacht hat? Also habe ich es anders versucht. Ich habe eine sehr nette Illustratorin gefunden, die mir gern helfen möchte, das Buch für deine Schwester zu machen. Deshalb hat sie mir ein sehr, sehr gutes Angebot gemacht für mich die Bilder zu zeichnen. Das war aber trotzdem für mich noch sehr viel Geld. Aber wie ein kluges Lied schon sagt: Gonna try with a little help from my friends. Und das habe ich dann gemacht. Ich habe viele, viele Menschen um Hilfe gebeten. Erst habe ich nach Infos gefragt. Wie macht man sowas eigentlich? Wie funktioniert das, für so ein Projekt Geld zu sammeln? Und als ich das wusste, hab ich von meiner Idee erzählt. Von dem Buch für dich, und für deine Schwester. Und weißt du was? Die Menschen fanden es toll! Ich habe so viele Leute gefunden, die dabei helfen wollten, dass das Buch Wirklichkeit wird, dass ich sogar mehr zusammenbekommen habe, als unbedingt notwendig gewesen wäre. Ich freu mich riesig und es bestärkt mich darin, dass die Idee eine gute war. Und nun wird es Wirklichkeit, dein Buch, das Buch deiner Schwester. Unser Buch. Ich bin schon so gespannt, wie es wird. Es ist ein echtes Abenteuer, der Weg dahin. Aber ich freue mich wie ein Kind über jeden neuen Schritt und ich glaube fest daran, dass du dich auch freust, da oben auf deiner Wolke. Und wenn es fertig ist werde ich mich mit deiner Schwester hinsetzen und ich werde ihr erzählen, was geschehen ist. Wo du bist. Warum du nicht mehr hier bei uns bist. Und warum sie trotzdem für immer und ewig ganz fest mit dir verbunden sein wird, wie auch wir ganz fest mit dir verbunden sind. Bis wir uns wiedersehen.