Die Macht der Sonne

Ich  habe mir in den letzten Tagen und Wochen viele Gedanken um die Macht der Sonne gemacht, mein Schmetterling. Der Winter ist die dunkle Jahreszeit, vielen Menschen geht es nicht gut, man ist traurig und alles geht ein wenig langsamer als sonst. Selbst wenn man keinen Verlust erlitten hat, ist der Winter oft eine Jahreszeit, in der man mehr nachdenkt, stärker in sich gekehrt ist. Fehlt jemand so schmerzhaft wie du, ist der Winter umso schwieriger. Ich frage mich, woran das liegt, dass wir so sehr abhängig sind vom Licht der Sonne. Ihr Strahlen zaubert uns oft ein Lächeln in das Gesicht. Sind wir traurig, so fühlt es sich im Sommer oft falsch an, wenn alles um einen herum blüht und strahlt. Manchmal habe ich in der Sonne eine Freude empfunden, die aus mir herausgesprudelt ist, und der Schmerz war ein bittersüßer Nachgeschmack, nur im Hintergrund. Ganz zart. Nie vergessen, aber klein und überlagert, überstrahlt von der Helligkeit der Sonne. Auch im Winter gibt es helle Tage, die meisten Menschen lieben diese hellen, klaren Wintertage. Der Himmel ist blau, wenige weiße Schäfchenwolken treiben auf ihm dahin. Auch diese Tage sind leicht, denn die Sonne schickt ihre hellen, heilenden Strahlen – wenn auch nicht so warm wie im Sommer. Aber viele Tage des Winters sind grau. Es wird nicht richtig hell, der Himmel ist verhangen und auch über unseren Köpfen hängen graue Wolken. Es ist keine Sonne da, um sie zu vertreiben. An diesen Tagen fällt es manchmal schwer zu lächeln. An diesen Tagen ist der Schmerz stark, und rau, und brennend. Er ist größer, er nimmt mehr Platz ein. Ich brauche einen Ersatz für die Sonne, eine eigene Sonne, die mich im Winter wärmt und die die grauen Wolken vertreiben kann. Ich brauche eine Sonne in meinem Kopf. Besser noch, mehr als eine. Ich möchte ein Sternenbild aus Sonnen, das in mir strahlt, das aus mir heraus strahlt. Eine dieser Sonnen ist deine kleine Schwester, mein Schmetterling. Wenn sie sich in meine Arme wirft und ihren kleinen Kopf an meine Brust legt, dann scheint sie glühend hell. Ihre kleine Stimme sagt Mama zu mir, und ich bin so glücklich, so unendlich glücklich dass es mir geschenkt ist dieses Wort aus ihrem Mund hören zu dürfen. Auf eine seltsame Art und Weise bist auch du eine meiner Sonnen, auch wenn dein Verlust es im Winter so schwer macht. Aber so hell wie deine Sonne strahlt, so dunkel sind auch die Wolken, die durch die Trauer um dich entstehen. Hell und dunkel, mein geliebter kleiner Schmetterling, mein Mika. Schwarz und weiß.

Wenn ich es genau überlege, wenn ich tief in mich reinhorche, dann fühle ich: ich brauche mehr als nur Sonnen. Ich brauche etwas, das nicht so hell ist, aber das kontinuierlich und immer brennt. Ich brauche ein ewiges Feuer für den Winter. Eines, das nicht durch Tag und Nacht beeinflusst wird. Eines, das nicht von außen kommt. Eines, das in mir selbst ist. Ich brauche ein Feuer in mir aus Zufriedenheit, aus Güte, aus Liebe. Ein Feuer, das nie ausgeht. Ein Feuer, das auch wenn es dunkel ist, wenn alle meine Sonnen einmal nicht scheinen können, für mich brennt. Nicht hell und lodernd, vielleicht nur wie eine Glut. Sodass ich sehen kann, sodass ich nicht erfrieren muss. Ein solches Feuer kann von dunklen Wolken nicht verdeckt werden, es muss sie nicht verjagen. Es kämpft nicht, es ist einfach da, und wärmt mich mit seiner Glut.

Wir sind abhängig von der Sonne, aber vielleicht nicht ganz. Vielleicht kann uns allen ein solches Feuer helfen, wenn die Tage dunkel sind. Wenn unsere Sonnen mal nicht scheinen. Eines, das uns durch die Nacht hilft, bis am Morgen die Sonne wieder scheint.

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Ein Gedanke zu “Die Macht der Sonne

  1. Liebe Ricarda,

    Ja nun ist er da, der Tag, der eigentlich wunderschön sein soll, aber irgendwie auch nicht. Es fehlt etwas, weil wir sie nicht sehen können. Aber sie werden alle da sein.
    Ganz bestimmt.
    Ich wünsche Dir und all Deinen Lieben frohe Weihnachten.

    Liebe Grüße

    Kerstin

    Gefällt 1 Person

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