Vergänglichkeit

Mir ist etwas aufgefallen, mein Schmetterling. An mir selbst. Eigentlich etwas albernes, aber seitdem du weg bist ist es sehr stark geworden. Ich habe verlernt, damit umzugehen, wenn Dinge enden. Wenn etwas vorbeigeht. Dazu gehört der Tod, natürlich, aber dazu gehört noch viel mehr. Ein ’nie wieder‘ in jeglicher Hinsicht. Lass es mich erklären. Ich war schon immer jemand, der traurig war, wenn ein liebgewonnenes Buch zu Ende ging, oder ein guter Film vorbei war. Ich mochte es nicht, aus dem Urlaub nach Haus zu fahren (wer mag das schon), aber dieses Nicht-Mögen hat eine neue Intensität erreicht, seitdem du weg bist. In der letzten Zeit sind viele Dinge zu Ende gegangen oder verloren worden, die mir lieb und teuer waren. Es wird nie wieder ein neues Buch von Terry Pratchett geben, denn er ist dem Alzheimer erlegen. Es wird nie wieder ein neues Lied von Chester Bennington geben, denn er hat sich entschieden, seinem Leben ein Ende zu setzen. Leonard Nimoy ist tot. Die Harry-Potter Serie ist vorbei. Die X-Men Ära ist vorbei, deren Filme mich lange, lange Zeit begleitet haben. Ich weiß es ist albern, einer Franchise-Linie hinterherzutrauern. Ich weiß es ist albern traurig zu sein, weil eine liebgewonnene Buchreihe vorbei ist. Aber ich kann es nicht ändern. Es beschäftigt mich tagelang, wochenlang. Ich glaube es ist eine Art verschobene Trauer um dich. Ich kann nicht mehr damit umgehen, wenn Dinge enden. Ich möchte, dass gute Dinge, Dinge die mir Freude machen, für immer sind. Ich möchte sie festhalten, ich möchte sie konservieren und ich möchte, dass es einfach immer so weitergeht. Jemand hat einmal gesungen: „Why do all good things come to an end?“. Und das frage ich mich momentan oft. Alles geht einmal zu Ende. Das ist der Lauf der Welt. Warum, warum nur fällt es mir so schwer das zu akzeptieren? Warum trauere ich Pop-Culture-Elementen hinterher? Warum trauere ich um Menschen, die ich gar nicht kenne? Ich glaube es hat etwas damit zu tun, dass mir mit jedem dieser Elemente, die verschwinden, ein Teil eines schönen Gefühls verloren geht. Etwas Schönes ist vorbei. Und womit ich nicht mehr umgehen kann ist ein ’nie wieder‘. Ich bin seltsam empfindlich geworden. Albern, wie gesagt, denn ein Buch ist ein Buch, ein Lied ist ein Lied und ein Film ist ein Film. Es ist alles Schall und Rauch. Aber ich kann nicht aus meiner Haut. Und so sitze ich da und  meine Seele ist traurig, weil wieder etwas vorbei ist, was ich liebgewonnen habe. Ich möchte keine Dinge mehr verlieren, und es scheint egal wie nichtig sie sind. Aber ich denke du verstehst mich, mein Schmetterling, denn du hast mich als deine Mama ausgesucht, mit all meinen seltsamen Macken und Empfindlichkeiten, mit all meinen Fehlern, Marotten und Spinnereien. Und deshalb wirst du die Frage verstehen, die sich mir immer und immer wieder stellt: warum müssen alle guten Dinge irgendwann enden? Ich wünschte, es wäre nicht so. Ich wünschte, ich könnte alle Dinge festhalten, die mir etwas bedeuten. Aber ich bin nur ein Mensch und ich kann es nicht. Alles ist vergänglich. Und ich muss wieder lernen, das zu akzeptieren.

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2 Gedanken zu “Vergänglichkeit

  1. Hallo Ricarda, ich verfolge Deinen/Euren Weg schon eine ganze Weile. Da ich selber nicht gesund bin, habe ich irgendwann angefangen zu lesen, zu lesen ….
    Auf der Suche nach nach der Wahrheit in jeglicher Hinsicht. All das was ich las war interessant und teilweise erschreckend; und plötzlich waren da noch viel mehr Fragen als vorher. Also wieder lesen. …
    Deine Zeilen „Vergangenheit“ und die Anderen, gehen tiefer. Nichts daran ist albern. Wir versuchen einfache nur zu funktionieren. Mittlerweile glaube ich wir laufen am wahren Leben vorbei. Wir müssen lernen, das wir nicht nur unseren Augen trauen dürfen. Lg Kerstin

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    1. Liebe Kerstin,
      es tut mir leid zu hören, dass du nicht gesund bist. Es ist schwer, wenn man das Leben dadurch nicht so genießen kann, wie man es gern würde und wie es eigentlich schön wäre. Wahrscheinlich hast du recht und einige Menschen leben irgendwie am leben vorbei, aber ich glaube wenn wir uns öffnen und unsere Gefühle, Sinneseindrücke und alles was auf uns einwirkt zulassen, dann haben wir eine gute Chance, so viel es geht mitzunehmen. Ich wünsche dir alles Gute. Liebe Grüße, Ricarda

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