Heilung

Ich beobachte momentan einen Prozess bei mir selbst, und ich beobachte ihn mit gemischten Gefühlen. Mein Schmetterling, ich habe das Glück, Heilung erfahren zu dürfen. Die Heilung einiger Wunden, von denen ich dachte, dass sie sich niemals schließen werden und sie niemals vernarben. Von denen ich dachte, dass sie für immer so sehr schmerzen werden, dass man es kaum ertragen kann. Aber ich darf den Segen von Heilung dieser Wunden spüren.

Der erste große Heilungsprozess bezieht sich auf unsere Stillbeziehung. Ich habe so sehr darum gekämpft, als du klein warst und auch als du im Krankenhaus warst. Das abrupte Ende war ein Trauma extremen Ausmaßes. Ich habe lange, sehr lange darunter gelitten. Deine Schwester heilt diese Wunde. Es mag seltsam klingen, aber weil das Stillen so viel mehr ist als nur die Aufnahme von Nahrung, sowohl für dich als auch für mich, war es mir unerträglich, als es so plötzlich alles vom Krebs zerstört wurde. Ich darf wieder ein Kind stillen. Und ich spüre, dass mein Herz heilt. Ich bin immernoch sehr traurig, dass uns das passiert ist, aber ich kann spüren, dass es mehr eine Narbe wird und weniger eine offene Wunde, die pocht vor Schmerz.

Der zweite Heilungsprozess bezieht sich auf das körperliche Vermissen. Das Vermissen deiner kleinen Berührungen, davon dich zu hören, zu riechen, deine Hände zu halten. Die Berührungen deiner Schwester ermöglichen mir das. Wenn das Vermissen zu arg wird, ich zu traurig werde, dann kann ich sie in den Arm nehmen, ihre kleinen Geräusche hören, sehen wie sie lächelt und ihre Hände halten. Und dann tut es etwas weniger weh. Ich vermisse dich dann noch immer und weine um dich, aber die unerträgliche Körperlichkeit dieses Gefühls vergeht. Und das ist gut.

Zwiegespalten bin ich, weil ich mich immer frage, ob ich heilen DARF. Aber ich habe viel darüber nachgedacht und mein Kopf sagt mir, dass ich es darf. Dass du es willst, dass du deine kleine Schwester zu uns geschickt hast, weil du dir genau das wünschst. Mein Herz zweifelt manchmal. Aber ich rede ihm gut zu. Sage ihm, dass es nicht heißt, dass ich dich vergessen will. Dass es nicht heißt, dass ich nicht mehr um dich trauere. Dass es nicht heißt, dass ich nicht mehr an dich denke. Du bist ein selbstverständlicher Teil dieser Familie und dein Platz wird immer leer bleiben. Du wirst IMMER fehlen. Aber ich denke immer öfter mit mehr Liebe als Trauer an dich. Die Liebe zu dir wird stärker als die Trauer. Sie wächst weiter, obwohl du schon so lang fort bist, viel zu lange. Ich empfinde die Heilung, die ich spüren darf, als ein unendlich großes Geschenk. Als ein Geschenk von dir und deiner Schwester. Und ich bin dankbar dafür. Ich wünsche mir, dass alle Menschen, die dich so schmerzlich Vermissen, spüren dürfen, wie ihre Liebe wächst und stärker wird als die Trauer. Und ich glaube, das wünschst du dir auch.

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