Eins

Gestern hat jemand etwas schönes geschrieben, mein Schmetterling. Ich habe darüber erzählt, wie wir versuchen werden, dich bei der Geburt deiner Schwester dabei zu haben, so als wärst du auch körperlich dagewesen. Und als ich so darüber erzählt habe, was unsere Pläne sind, schrieb mir jemand: „Ihr seid alle eins.“ Ich habe darüber nachgedacht und überlegt, dass es stimmt. Auf der körperlichen Seite allein schon. Deine kleine Schwester ist noch in meinem Bauch, deshalb sind wir eins. Und du, mein Schmetterling, mein wunderbarer kleiner Junge, du bist fest in meinem Herzen. Aber sie meinte noch etwas anderes. Sie schrieb mir: „Mika ist Energie. Mika ist immer da. Immer.“ Diese wenigen Worte haben mich tief berührt und mich wieder zum Nachdenken gebracht. Als rational denkender und recht wissenschaftlich verwurzelter Mensch habe ich früher so meine Probleme mit dem Leben nach dem Tod gehabt. Warum sollte es weitergehen, wenn der Körper, der doch die Basis unseres Seins darstellt und notwendig ist, damit wir funktionieren, vergeht? Aber ich habe gelernt, dass Energie nicht verschwinden kann. Sie kann sich nur umwandeln. Und ein Mensch explodiert geradezu vor Energie, sowohl körperlich als auch geistig. Viele Aktivitäten können wir gar nicht sehen. Wenn zum Beispiel jemand wie Stephen Hawking an ALS leidet, so mag man von außen denken, dass da keine Energie ist, denn er bewegt sich nicht wirklich, er spricht nicht. Aber sein Geist ist unglaublich wach und aktiv. Immer wieder hat die Wissenschaft Dinge entdeckt, von denen die Menschheit vorher dachte es gäbe sie nicht, schlicht weil wir sie nicht sehen, nicht darstellen konnten. Das Higgs-Boson beispielsweise können wir nach wie vor nicht sehen. Trotzdem wissen wir inzwischen, dass es da ist, weil Nachweise gefunden wurden, die sich nur durch seine Existenz erklären lassen. Ebenso dachten die Menschen früher, dass es Radioaktivität nicht gäbe, einfach weil wir sie noch nicht kannten, sie nicht darstellen konnten. Es wurde viel zum Tod geforscht, mein Schmetterling, und es gibt Hinweise darauf, dass der Tod nicht das Ende ist. Spannenderweise gibt es selbst in unserem Körper Gene, die erst aktiv werden, wenn wir gestorben sind. Nahtoderfahrungen geben Anhaltspunkte, auch wenn für vieles davon auch Alternativerklärungen in Betracht kommen. Es gibt die Zeichen unserer Liebsten, die sich oft nicht gut wegerklären lassen. Natürlich wird man einen eingefleischten Skeptiker niemals überzeugen können. Aber ich habe meine Skepsis abgelegt, als ich dem Tod Auge in Auge begegnet bin. Das passiert oft, habe ich gehört. Du bist Energie, mein Schmetterling. Die Energie, die du mitgebracht hast, kann nicht verschwunden sein. Es ist physikalisch nicht möglich. Sie kann sich nur umgewandelt haben. Und in welcher Form auch immer du existierst – du bist da. Energie ist überall. Sie durchdringt alles. Und so finde ich Trost in den Worten, die mir geschrieben wurden. Wir haben viele materielle Erinnerungen geschaffen, die mir unendlich viel bedeuten. Aber auch wenn ich sie nicht hätte – du bist immer da. Immer. Wir sind alle eins.

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