Keine Worte

Es gibt Tage, da findet man keine Worte, mein Schmetterling. Unsere Sprache ist nicht dafür gemacht, alle Dinge auszudrücken, die wir empfinden können. Ich habe heute morgen das Schlimmste gelesen, was ich seit langer Zeit erfahren musste. Es lässt alle Sorgen und Ängste, die ich um dich hatte, wahr werden, und es bereitet mir körperliche Schmerzen, das Grauen zu erfassen, das damit einhergeht.

Der Artikel von dem ich spreche ist dieser hier: http://fox13now.com/2016/10/31/11-year-old-ohio-girl-who-survived-brain-cancer-kills-herself-over-relentless-bullying/

Nicht jeder von uns kann besonders gut Englisch, daher fasse ich es kurz zusammen. Es geht um ein tapferes kleines Mädchen von 11 Jahren, die wie du an einem Hirnturmor erkrankt ist. Der Tumor hat, wie auch bei dir, dafür gesorgt, dass sie einfach anders aussah als vorher. Nicht mehr ’normal‘ – was auch immer normal sagen möchte. Sie hatte ein wundervolles, schiefes Lächeln, genau wie du. Im Gegensatz zu dir hatte sie den Krebs besiegt. Sie hat gekämpft, gelitten und gewonnen. Der Krebs hat sie verändert. Auch du hattest Narben und du konntest dein Gesicht nicht mehr richtig bewegen ganz am Ende. Der Tumor hat deine Nerven gelähmt. Du warst trotzdem wunderschön, dein Lächeln war wunderschön und herzzerreißend. Ich habe es so sehr geliebt. Und ich hatte solche Angst davor, wie andere Menschen auf dich reagieren würden. Ob sie dich noch schön finden würden. Ob du unglücklich sein würdest, der Krebs dir die Möglichkeit nehmen würde, eine Frau oder einen Mann zu finden, eine Familie zu haben, ob er dir Freunde nehmen würde. Ich habe so viel geweint in dieser Zeit. Denn manchmal gewinnt man den Kampf, um danach im Leben unglücklich zu sein. Für das kleine Mädchen ist mein Alptraum wahr geworden. Und es ist noch schlimmer gekommen. Die anderen Kinder in der Schule haben sie so sehr gehänselt, weil sie anders aussah, weil ihr Lächeln ein wenig schief war, dass sie sich mit 11 Jahren entschieden hat, dass sie es nicht länger ertragen kann. Sie hat sich entschieden, ihr Leben zu beenden. Und hier sitze ich und finde keine Worte. Hier sitze ich und weine um dieses Mädchen, und um dich, und wegen der Grausamkeit der Welt.

Ich möchte keine Vorwürfe aussprechen, Schuldzuweisungen weil sie die Möglichkeit hatte, zu tun was sie tun wollte, oder Verurteilungen. Ich möchte das aussprechen, was am Wichtigsten ist: was wir unseren Kindern vorleben, beibringen, wie wir ihnen die Welt zeigen. Jeder Mensch ist schön, auf seine Art und Weise. Anders zu sein ist nicht schlimm. Man muss auf keine besondere Art aussehen, um liebenswert zu sein. Wir müssen unseren Kindern Liebe vorleben, Verständnis, Toleranz, Akzeptanz. Offenheit, Empathie, Mitgefühl. Nur so können wir verhindern, dass solche unaussprechlichen Dinge passieren. Nur so können wir verhindern, dass ein so tapferes kleines Mädchen, eine wundervolle Kämpferin, an der Welt zerbricht und verzweifelt.

Mein Herz ist bei ihren Eltern, mein Schmetterling, denn meine schlimmsten Ängste sind in ihrem Leben Realität geworden. Du warst schön. Du warst mit geradem Lächeln schön und mit schiefem Lächeln. Du warst so wunderschön. Mit all deinen Narben und Wunden und auch in deiner Müdigkeit. Ich wünschte die Welt hätte das auch in diesem Mädchen gesehen. Flieg hoch, kleine Bethany. Flieg zu Mika.

Mika müde lächelnd

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