Achtsamkeit: die MIKA-Challenge

Der Tod eines Kindes ist grausam und hinterlässt uns Eltern oft in einer schmerzhaften und einsamen Welt, die an manchen Tagen einfach unerträglich erscheint. Wenn wir traurig und verzweifelt sind können wir manchmal kaum etwas anderes sehen und vor allem fühlen, als unsere Trauer und unseren Schmerz. Das Gefühl ist allumfassend und setzt uns manchmal eine Binde auf die Augen. Um wieder ins Leben zu finden ist es essentiell, dass wir uns von dieser Binde nicht blind machen lassen. Dabei hilft Achtsamkeit. Ich möchte hier einen möglichen Weg aufzeigen, der mir sehr geholfen hat: die MIKA-Challenge.

Die MIKA-Challenge ist eine Achtsamkeitsaufgabe. Wir fühlen so viele negative Dinge, dass oft kein Platz mehr bleibt, um die Schönen Dinge des Lebens wahrzunehmen. Und auch wenn das unglaublich klingt: das Leben hält immer auch etwas Schönes für uns bereit. Es gibt schlechtere Tage und es gibt bessere Tage, aber es gibt nie auch nur einen einzigen Tag, an dem wir nichts finden können, was schön ist, sofern wir nur genau hinschauen. Eine gute Freundin, die Mika sehr fest in ihr Herz geschlossen hat, hat dazu die MIKA-Challenge ins Leben gerufen. Die Aufgabe dabei war, jeden Tag etwas zu finden, was uns dankbar macht. Ich habe kurz nach Mikas Tod damit begonnen und die Challenge hat mich 365 Tage lang jeden Tag begleitet. An manchen Tagen war es schwieriger, etwas zu finden. An anderen Tagen war es sehr einfach. Aber eines war allen Tagen gemeinsam: Ich habe immer etwas gefunden. An jedem noch so schwarz aussehenden Tag. Manchmal ist es nur die Tatsache, dass man den Tag gut überstanden hat, dass man noch steht, dass man es trotz Allem geschafft hat etwas zu essen, etwas zu kochen, die Wäsche zu machen, sich zu duschen, manchmal können ganz alltägliche Aufgaben in Anbetracht der Schwere der Trauer sehr anstrengend sein. An anderen Tagen sind es wundervolle kleine Dinge: ein schönes Lied im Radio, eine liebe Geste durch einen Mitmenschen, ein schöner Traum, die Sonne auf unseren Schultern oder der Wind in unseren Haaren. 365 Tage lang habe ich die Challenge öffentlich niedergeschrieben und auch jetzt mache ich weiter, wenn auch für mich selbst. Ich habe mir ein schönes Notizbuch gekauft und schreibe jeden Abend nieder, was an dem Tag schön war. Manche Einträge sind sehr lang, andere sind eher kurz. Aber auch seitdem die ersten 365 Tage um sind habe ich jeden Tag etwas gefunden, was schön war. Das kann alles sein. Eine schöne Blume, ein Schmetterling, ein leckeres Essen, ein nettes Gespräch. Ein kleines Geschenk, ein gutes Gefühl, vielleicht auch einfach weinen zu können, wenn man es braucht.

Das Leben bringt wundervolle Dinge für uns mit. Wir müssen nur wieder lernen, sie zu sehen. Ihr lieben trauernden Eltern, ich wünsche euch, dass es schaffen könnt, eure Augen wieder zu öffnen und das Glück in eure Herzen zu lassen, und sei es nur für ein paar Sekunden an jedem Tag. Nur so schaffen wir es, mit unseren Kindern im Herzen wieder glückliche Zeiten zu haben. Wenn wir es schaffen, an jedem Tag etwas Schönes zu sehen, dann finden wir Schritt für Schritt wieder ins Leben und bewältigen den steinigen Weg, der vor uns liegt.

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