Wiederholungen

Mein Schmetterling, heute hat ein anderer kleiner Engel Geburtstag, 6 Jahre alt wäre er nun schon geworden, wäre alles anders gewesen. Ich hoffe ihr seid da oben zusammen und feiert gemeinsam, ich wette er ist ein guter Kumpel.

An Tagen wie heute habe ich das Gefühl, die Tatsache dass ich dich verloren habe, dass wir dich verloren haben, verurteilt mich zu unendlichen Wiederholungen. Ich möchte so vieles sagen, möchte so viele Gefühle ausdrücken, und doch ist es immer wieder gleich. Ich liebe dich. Ich vermisse dich. Ich kann nicht glauben, dass du weg bist. Es tut weh. Ich wünscht, es wäre nicht passiert, ich wünschte, ich könnte einfach wach werden und alles wäre wie vorher. Wir antworten auf Fragen immer wieder gleich, sind immer wieder an den gleichen Tagen traurig. Wir sind verurteilt, immer wieder die gleichen Sätze zu sagen. Ich habe heute einen schlechten Tag. Ich vermisse mein Baby. Ich fühle mich allein. Ich fühle mich verloren. Wir sagen sie, immer und immer wieder, bis sie niemand mehr hören will. Bis alle hoffen und sich wünschen, dass es irgendwann „vorbei“ ist, dass wir weitermachen können. Weil man irgendwann einfach nicht mehr weiß, was zu sagen ist, wenn es jemandem immer und immer wieder schlecht geht, vor allem wenn es keine Lösung gibt. Und so werden die Antworten irgendwann weniger. Vielleicht verstummen sie ganz. Denn es gibt keinen Trost zu spenden. Und so fühlt man sich immer mehr allein, mit seiner Trauer, seinem Vermissen, seinem gebrochenen Herz.

Aber wir wollen gar keine Lösungen haben. Wir wissen selbst, dass es keine gibt. Wir wollen auch keine tröstenden Worte. Wir wissen, dass man keine finden kann in Anbetracht des Schlimmsten. Wir verwaisten Eltern wollen oft nur ein Ohr. Und eine Stimme die sagt: Tut mir leid, dass du einen schlechten Tag hast. Die sagt: Ich drücke dich mal. Die sagt: Ich verstehe dich. Wir wünschen uns Menschen die sagen: Ich denke an euch. Ich denke an euer Kind. Ich habe euch nicht vergessen.

Wir verstehen, dass die Wiederholungen müde machen und hilflos. Denn wenn sie jemand anderen schon müde und hilflos machen, dann ist das Gefühl bei uns umso stärker. Ich würde gern sagen: Es geht mir gut. Ich bin heute froh. Ich vermisse mein Kind heute nicht so schlimm wie sonst. Aber oft wäre das gelogen. Meistens sogar. Schenkt uns euer Ohr und haltet einfach unsere Hand. Wir sind auch müde. Findet alles gemeinsam mit uns scheiße, flucht mit uns darüber wie unfair das Leben ist. Ertragt unsere Tränen und unsere Hilflosigkeit. Ihr müsst nichts sagen, keinen Ausweg aufzeigen. Meistens reicht es uns schon wenn jemand unsere Hand nimmt und sagt: Ich höre dir zu.

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