Materielle Erinnerungen schaffen

In diesem Artikel soll es um ganz besondere, individuelle Erinnerungen gehen. Es gibt selbstverständlich hunderte Möglichkeiten, bestimmte Gegenstände mit dem Namen zu versehen, aber das hier Beschriebene soll ein Stück darüber hinaus gehen. Bei vielen dieser Ideen ist es wichtig, dass man früh darüber Bescheid weiß, da sie oft mit der Beerdigung nicht mehr möglich sind, andere haben aber glücklicherweise mehr Zeit.

1. Schmuck mit Finger-, Hand- oder Fußabdrücken

Fast jeder Bestattter bietet es heutzutage an, Abdrücke von Verstorbenen abzunehmen. Zu den am häufigsten gewählten Formen zählen dabei die Fingerabdrücke, aber besonders bei sehr kleinen Kindern sind Hand- und Fußabdrücke oft sinnvoller, da die Linien im Finger noch nicht sehr ausgeprägt und der gesamte Finger deutlich kleiner ist, als bei einem ausgewachsenen Menschen. Aus diesen Abdrücken können dann Schmuckstücke gefertigt werden. Beispielsweise gibt es Ringe, Ketten- und Armbandanhänger, Ohrringe, Manschettenknöpfe, Broschen und vieles mehr. Diese Arten des Schmucks sind oft sehr teuer. Wir haben uns trotzdem dafür entschieden und wir sind sehr froh darüber. Eine günstigere Alternative, auch zum Hinstellen, können Abdrücke mit Finger- oder ähnlichen Farben sein. Diese kann man auch selbst abnehmen und es gibt die Möglichkeit, die Motive zu scannen, zu verkleinern und in Cabochon-Schmuck einarbeiten zu lassen. Hier muss man selbst abschätzen, ob man es schafft, dem verstorbenen Kind selbst Abdrücke abzunehmen, oder sich vielleicht auch dabei Hilfe vom Bestatter, der Familie oder eventuell je nach Sterbeort dem Krankenhauspersonal holen möchte.

2. Abgüsse

Neben „kleineren“ Abdrücken kann man auch Abgüsse von Abdrücken oder Körperteilen machen lassen. So kann man sich beispielsweise einen Fußabdruck des Kindes in Metall gießen lassen oder die Hand. Auch sogenannte „Totenmasken“ sind möglich, aber das ist eine sehr extreme Erinnerung an das Aussehen nach dem Tod und ob man das möchte ist fraglich. Eine andere, wunderschöne Sache die ich schon gesehen habe, die aber leider mit Kindern je nach Alter oft noch nicht geht, ist der Abdruck zweier sich haltender Hände. Dazu muss das Kind aber lange genug stillhalten, oder man muss den Abdruck nach dem Tod machen, was aber die Eltern selbstverständlich vor eine hohe emotionale Herausforderung stellt. Das Stück worauf ich mich hier beziehe war von einer kurz darauf an Krebs verstorbenen Mutter und ihrer Tochter und das Ergebnis war wunderschön.

3. Ascheschmuck und sonstiges mit Asche

Auch wenn es in Deutschland die Pflicht gibt, die Asche beisetzen zu lassen, gibt es oft Möglichkeiten, kleine Mengen Asche zu erhalten, um sie verarbeiten zu lassen, sofern man eine Feuerbestattung gewählt hat. Es gibt dabei unterschiedliche Möglichkeiten. Man kann die Asche in Anhängern versiegeln und an Ketten oder anderen Schmuckstücken bei sich tragen. Diese Anhänger sind oft nicht so teuer wie der Schmuck aus Fingerabdrücken etc. und daher eher erschwinglich. Außerdem kann man die Asche zu Aschekristallen verarbeiten lassen. Dazu sollte man mit dem Bestatter sprechen, da dort oft der Kontakt mit den entsprechenden Firmen hergestellt werden kann. Auch hier wird nur ein kleiner Teil der Asche benötigt. Ich habe gehört, dass es in den USA die Möglichkeit geben soll, sich mit der Asche tätowieren zu lassen. Ob das in Deutschland möglich ist, ist mir nicht bekannt, zieht man das in Erwägung sollte man sich mit dem Tätowierer seines Vertrauens beraten. Im Ausland gibt es von Tinte über Feuerwerkskörper und Portraits bis hin zu Fenstern und Sanduhren noch einige andere Möglichkeiten, Asche zu verarbeiten. Da ich dazu allerdings keine Anbieter gefunden habe und nicht weiß, wie viel Asche benötigt wird und wie man dies auf legalem Wege erledigen kann, habe ich leider keine weiteren Details.

4. Schmuck aus Muttermilch

Ist das Kind noch klein und hat man noch gestillt, gibt es die Möglichkeit, Schmuck aus Muttermilch fertigen zu lassen. Ich habe das gemacht und bin sehr glücklich darüber. Es gibt dabei zwei Möglichkeiten: man kann die Milch in flüssiger Form aufbewahren, beispielsweise in einem Fläschchen, was dann eingegossen wird, man kann sie aber auch in eine feste Form verarbeiten lassen. Hier sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Ich habe einen kleinen Stern, der in einen größeren Kettenanhänger eingearbeitet wurde. Man kann aber auch ganze Formen nur aus Muttermilch herstellen, beispielsweise Herzen, die dann als Anhänger getragen werden können, oder kleine Engel, die man sich hinstellen kann. Alles, was als Gussform möglich ist, kann auch als Form für Muttermilchschmuck dienen. Ich habe meinen Schmuck in Österreich bestellt, es gibt aber inzwischen auch immer mehr Anbieter in Deutschland und es gibt auch Anleitungen für Selbermacher. Meist wird nur wenig Milch benötigt.

5. Schmuck mit Haaren und Zähnen

War das Kind schon älter und hat schon Milchzähne verloren oder möchte man eine Haarlocke verewigen lassen, ist auch dies möglich. Auch hier kann man die Haare beispielsweise entweder in einem kleinen Fläschchen lose eingießen lassen, oder fest in ein Schmuckstück verarbeiten lassen. Der österreichische Anbieter, bei dem ich meinen Muttermilchschmuck bestellt habe, verarbeitet auch Haare und Zähne zu sehr schönen Schmuckstücken.

6. Kuscheltiere aus Kleidung

Ich habe von einer lieben Freundin ein Kuscheltier nach der Art eines Sorgenfressers aus Mikas Kleidung genäht bekommen, das kleine Monster heißt Rüdiger und er schläft jeden Abend in meinem Bett. Kann man sich von einem Kleidungsstück trennen bzw. bringt man es übers Herz, es zu zerschneiden oder zerschneiden zu lassen, können daraus wunderbare Erinnerungen zum Kuscheln geschaffen werden. Bei sehr kleinen Kindern gibt es sogar die Möglichkeit, ein Kissen mit dem exakten Gewicht des Kindes zu fertigen. Auch hier gilt: alles, was man nähen kann, ist möglich. Kuscheltiere, Decken, Kissen und vieles mehr, wichtig ist nur, dass genug Stoff vorhanden ist. Gerade bei sehr kleinen Kindern, die früh starben, gibt es oft nicht so viel Kleidung. Aber ein Kuscheltier ist eigentlich immer möglich. So hat man etwas, dass man umarmen kann, wenn man sehr traurig ist.

5. Foto – Erinnerungen und Zeichnungen

Aus Fotos kann man sehr schöne Erinnerungen fertigen lassen, die über das bloße Hinstellen der Bilder weit hinaus gehen. Es gibt die Möglichkeit, Fotos auf Leinwand malen oder zeichnen zu lassen (ist man talentiert genug und fühlt sich emotional dazu in der Lage, kann man das natürlich auch selber versuchen). So hat man ganz individuelle Bilder der Kinder, die oft ein Trost sind. Aus Fotos kann man außerdem sehr viele weitere Dinge machen lassen, man kann sie beispielsweise auf Metall oder Glas gravieren lassen und so etwas zum hinstellen fertigen lassen. Mein persönlicher Favorit dabei ist die 3-D Gravur. Dabei lässt man das Foto als dreidimensionales Bild in einen großen Glaswürfel gravieren und kann es auch von der Seite betrachten. Diese Würfel können von unten angestrahlt werden, um einen wunderschönen und lebendigen Hologramm-Effekt zu erzeugen. Aber auch alles andere ist möglich. Wir haben beispielsweise auch Mikas Fußabdruck auf einem Kerzenglas graviert. Wie bei einigen anderen Punkten auf der Liste hat man hier zum Glück viel Zeit, man muss nicht schnell entscheiden und hat die Möglichkeit, so etwas auch nach langer Zeit noch anfertigen zu lassen.

6. Tätowierungen

Auch wenn das heutzutage fast schon Standard ist, gibt es wunderbare individuelle Möglichkeiten für Tätowierungen, die einem die Verarbeitung erleichtern können. Mikas Papa beispielsweise hat eine wunderschöne Tätowierung mit Blättern, die wir von Mikas Baum gesammelt haben und die eingescannt und auf der Haut nachgezeichnet wurden. In den Blattadern ist Mikas Name versteckt. Wenn man sich von einem guten Tätowierer beraten lässt, kann man gemeinsam ein ganz einzigartiges Motiv finden, das sonst niemand hat und das allein für das Kind geschaffen wurde. Und auch wenn ein Tattoo natürlich schmerzt ist dieser Schmerz nichts im Vergleich zu dem Schmerz, wenn man sein Kind verliert. Ich persönlich bin das totale Weichei und fand das Tattoo auf dem Unterarm sehr gut auszuhalten.

 

Habt ihr weitere Ideen für individuelle Erinnerungen oder habe ich etwas vergessen? Lasst mir gern einen Kommentar da, dann ergänze ich den Artikel.

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