Selbsthilfegruppen für verwaiste Eltern

Heute möchte ich ein bisschen was über Selbsthilfegruppen für verwaiste Eltern erzählen. Am Anfang stellt sich oft die Frage: Selbsthilfegruppe ja oder nein? Selbsthilfegruppen haben Vorteile und Nachteile. Viele Menschen haben nach dem Tod ihrer Kinder das Bedürfnis, sich auszutauschen und andere Eltern mit einem ähnlichen Schicksal kennenzulernen. Dafür sind die Selbsthilfegruppen da und sie können einem dadurch sehr gut helfen, das Erlebte zu verarbeiten. Auch wenn es an manchen Tagen nicht um das geht, was geschehen ist, sondern vielleicht einfach zusammen Kaffee getrunken wird oder gebastelt, dann ist es doch oft schön, dass man weiß, dass man nicht allein ist mit seiner Geschichte. Aber es ist wichtig zu bedenken, dass man in einer Selbsthilfegruppe viele schlimme Schicksale hören wird. Manches davon wird einen sehr sehr traurig machen. Unsere Geschichte beispielsweise schockiert immer wieder und es hat schon Gelegenheiten gegeben, wo jemand danach erstmal einen Moment frische Luft schnappen musste, um sich wieder zu sammeln. Das ist ganz normal, aber man muss in sich hineinfühlen, ob man das gut ertragen kann. Wenn nicht, ist es vielleicht noch nicht der richtige Zeitpunkt und man sollte es ein paar Monate später wieder versuchen. Online-Gruppen sind eine gute Alternative, denn dort kann man selbst entscheiden, welche Beiträge man lesen möchte und wie tief man in die Geshichten eindringen möchte.Diese findet man über google, aber auch bei Facebook und in anderen sozialen Netzwerken kann man entsprechende Gruppen finden.

Es gibt nach meiner Erfahrung zwei große Kategorien von Selbsthilfegruppen für verwaiste Eltern, die manchmal aber auch ein bisschen verschwimmen. Es gibt nämlich Selbsthilfegruppen für Eltern von Sternenkindern, die schon vor oder bei der Geburt gestorben sind, und Gruppen für Eltern, deren Kinder schon älter waren. Welcher Typ für einen selbst geeignet ist hängt natürlich vom Schicksal des Kindes ab, aber auch davon, womit man sich wohl fühlt. Mikas Schicksal fällt in eine Grauzone, denn er war noch so klein. Ähnliche Geschichten findet man selten. Am ehesten wären wir von der Altersgruppe vielleicht in einer Selbsthilfegruppe zum plötzlichen Kindstod aufgehoben, da passen wir aber natürlich auch nicht hinein. Mit jedem Schicksal gehen ganz spezifische Traumata einher. Bei uns ist im Krankenhaus sehr sehr viel Schlimmes passiert, dass es so in der Form selten in Gruppen für Sternenkindereltern gibt. Außerdem ist Krebs Krankheit, die mit einem ganz typischen Verfall einhergeht, den man so oft nicht findet. Man muss also immer sehen, wo man am besten aufgehoben ist, und vielleicht ein paar Gruppen ausprobieren.

Habe ich mich entschieden, dass ich eine Gruppe besuchen möchte, muss ich eine finden, die zu mir passt. Hilfreich dabei ist vor allem das Internet. Sucht man hier nach Selbsthilfegruppen für verwaiste Eltern findet man sehr viele Informationen. Es gibt auch einige bundesweite Vereine, die Selbsthilfegruppen in unterschiedlichen Regionen anbieten. Dort kann man anrufen, man kann aber auch eine Mail schreiben, wenn das einfacher ist. Außerdem kann man nach Hospizkreisen in der Umgebung suchen. Dort gibt es auch oft Informationen über Gruppen in der Umgebung. Andere Ansprechpartner sind beispielsweise das Personal im Krankenhaus, falls man sich dort aufgehalten hat, eine krankenhauseigene Elterninitiative, Ärzte und auch Hebammen. Besonders im Falle von Sternenkindern können Frauenärzte und Hebammen die wichtigsten Ansprechpartner sein. Es gibt zum Teil auch besondere Selbsthilfegruppen für Eltern, die ihre erwachsenen Kinder verloren haben. Wie oben schon erwähnt können, besonders am Anfang, wenn die Berührungsängste vielleicht noch hoch sind, Foren oder Gruppen im Netz eine wertvolle Hilfe sein.

Habe ich eine Gruppe ins Auge gefasst muss ich mir ein paar Fragen stellen. Die Gruppen finden oft unter der Woche statt. Man muss entsprechend sehen, dass man den Besuch zeitlich einrichten kann. Auch die Anfahrt spielt eine große Rolle. Möchte man eine Gruppe besuchen, die etwas weiter weg ist oder zeitlich ungünstig liegt, hat man besonders wenn man einen schlechten Tag hat oft das Problem, dass man sich nicht aufraffen kann. Das muss man einfach ausprobieren. Das allerwichtigste bei einer Selbsthilfegruppe ist aber die Sympathie. Kann ich mir vorstellen, den Mitgliedern meine Gefühle anzuvertrauen? Macht es mir etwas aus, vor ihnen zu weinen? Ist mir vielleicht sogar jemand unsympathisch? Das sollte man ein paar Sitzungen lang sacken lassen und dann entscheiden. Fühlt man sich in einer Gruppe nicht wohl, dann ist es nicht die richtige Gruppe und sie wird nicht helfen. Denn wo man sich nicht wohl fühlt, da öffnet man sich auch nicht. Wenn man sich noch nicht ganz darüber im Klaren ist, muss man auch in der Gruppe nichts erzählen. Es macht nichts aus, in den ersten Sitzungen zu sagen, dass man erstmal nur zuhören möchte.

Ich persönlich finde Selbsthilfegruppen sehr gut und habe davon schon sehr profitiert. Aber so individuell wie die Trauer selbst ist auch der Weg aus der Trauer. Wer feststellt, nichts positives aus einer solchen Gruppe ziehen zu können, für den ist vielleicht eine andere Bewältigungsmethode eher geeignet. Wichtig ist nur, dass man das tut, was für einen selbst gut ist. Wenn unsere Kinder sterben ist unser Leben schon schwer genug geworden.

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2 Gedanken zu “Selbsthilfegruppen für verwaiste Eltern

  1. Ich habe das problem, dass mein mann am freitag vortbildung hat und alle gruppen, die ich mir vorstellen kann freitags sind, so habe ich keine betreuung für meine kleine tochter, zu einer gruppe kann ich sie mitnehmen, aber renne dann die meiste zeit mir ihr umher. Nun fängt sie langsam an, die kinderbetreuung dort anzunehmen, sie ist heufig krank gewesen und der weg soo weit. Aber die wenigen gespräche, die ich dort führen konnte, sind etwas sehr wertvolles!
    Jetzt im sommer ist es leichter es zu schaffen..
    Lovis

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    1. Dann drücke ich die Daumen, dass es leichter für dich sein wird, dort hinzukommen. Die Fortbildung deines Mannes hat ja hoffentlich auch irgendwann ein Ende. Ich wünsche dir, dass dir die Gespräche weiter gut tun werden. ❤

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