Letzte Ruhe für ein Kind

Wie und wo kann ich ein Kind bestatten lassen? Die Frage, die bei jedem Todesfall eine Rolle spielt, bekommt bei einem Kind noch mehr Gewicht. Verstirbt ein älterer Verwandter, ist das „Schema“ oft klar oder die Verstorbenen haben Wünsche geäußert. Solche Wünsche gibt es bei einem Kind oft nicht und die Gefühle der Angehörigen sind oft auch ganz anders. Der Gedanke, Mika auf dem Friedhof zu sehen, war für uns unerträglich. Wir sind einen anderen Weg gegangen. Hier möchte ich einen Überblick geben über das, was in Deutschland geht und was man im Ausland realisieren kann.

Zunächst gibt es eine ganz wichtige Unterscheidung. Feuer- oder Erdbestattung. Soll das Kind auf dem Friedhof beigesetzt werden, kann man eine Erdbestattung wählen. Dabei bleibt der Körper intakt. Auch hier sind die Befindlichkeiten ganz unterschiedlich. Ich konnte durch Mikas Krankheit den Gedanken eines langsamen Verfalls nicht ertragen. Andere Menschen finden Feuerbestattungen schlimm und wünschen das nicht. Auf dem Friedhof gibt beide Möglichkeiten, je nach gewählter Grabart. Über die angebotenen Grabarten sollte man sich bei dem Friedhof der Wahl informieren, denn nicht jeder Friedhof bietet alles an. Oft gibt es auch Bäume unter denen man liegen kann oder freie Wiesen, Sternenkinderfelder etc. Nicht alles ist mit einer Erdbestattung vereinbar, vieles erfordert auch hier eine Feuerbestattung. Zusammenfassend kann man sagen:

Wünscht man eine Erdbestattung, geht das nur auf dem Friedhof.

Wählt man eine Feuerbestattung (die übrigens mit ca. 90 Minuten sehr viel schneller geht, als die meisten Menschen glauben), sind die Möglichkeiten vielfältiger. In Deutschland kann man Urnen an den folgenden Plätzen beisetzen lassen bzw. die Asche verstreuen:

1. Regulär auf dem Friedhof.

Bei einer Urnenbeisetzung sind oft auch andere Grabarten möglich als das „Standardgrab“, also beispielsweise unter einem Baum. Auch anonyme Beisetzungen sind so möglich, allerdings wird das von den wenigsten Eltern gewünscht, da sie in den meisten Fällen einen Platz zum Trauern wünschen. Je nach Grabart gibt es unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten, man darf manche Gräber dekorieren, andere nicht. Bei manchen Formen sind nur bestimmte Dekorationen erlaubt. Dies ist beim jeweiligen Friedhof zu erfragen. Auch die Nutzungsdauer kann variieren.

2. Wald-/Baumbestattung

In Deutschland gibt es inzwischen die Möglichkeit, im Wald bzw. an einem Baum bestattet zu werden. Die Anbieter, die mir momentan bekannt sind, sind RuheForst und FriedWald, dort sind vom Anbieter abhängige, kompostierbare Urnen zugelassen. Mika liegt in einem Friedwald. Man hat dort meist die Möglichkeit, einzelne Bäume, aber auch Familien-, Freundschafts- und Gemeinschaftsbäume mit mehreren Plätzen zu erwerben. Mikas Baum ist ein Familienbaum mit 10 Plätzen. Die Nutzungsdauer beträgt in der Regel 99 Jahre. Die Preise der Bäume sind in Abhängigkeit von Typ und Größe ganz unterschiedlich. Zudem gibt es in den meisten Wäldern die Möglichkeit, sein Kind (bis 3 Jahre im FriedWald) an einem Sternenkinderbaum beisetzen zu lassen, dieser hat 10 Plätze und dort liegen nur kleine Kinder. An den Bäumen sind jeweis kleine Tafeln angebracht, auf denen die Namen der Verstorbenen stehen, nach Wunsch mit den Daten, einem Spruch oder einem Bild. Dekorationen der Grabstellen sind nicht möglich, der Wald pflegt sich selbst. Man kann aber oft einen kleinen Stein auf die genaue Stelle der Urne legen lassen, sodass man sicher weiß, wo der Verstorbene liegt. Auch bei Waldblumen etc. wird üblicherweise nichts gesagt.

3. Seebestattung

In Deutschland sind Seebestattungen in der Nord- und Ostsee möglich, aber auch eine Bestattung im Atlantik oder im Mittelmeer ist erlaubt. Hierbei fährt man auf die See hinaus zu einer Stelle, die nicht befischt oder befahren wird, und die wasserlösliche und beschwerte Urne wird dem Meer übergeben. Natürliche Materialien wie Steine und Blütenblätter dürfen auch ins Wasser gegeben werden. Wichtig ist zu bedenken, dass es auch hier keine feste Grabstätte gibt, an der man trauern kann.

4. Streubestattung

In einigen Bundesländern und auf einigen Friedhöfen, kann man die Asche auf eigens dafür vorgesehenen Wiesen verstreuen. Ein freies Verstreuen der Asche ist in Deutschland nicht legal. Es gibt die Möglichkeit, eine Grabstelle bei einer Firma im Ausland, z.B. in der Schweiz zu kaufen und die Asche so freizugeben, allerdings verstößt das freie verstreuen oder zu Hause behalten gegen geltendes Recht. In der Schweit sind außerdem Almwiesenbestattungen möglich, bei der die Asche entsprechend des Namens auf einer Almwiese verstreut wird. Es kann bei dieser Bestattungsart jedoch kein Kreuz oder Stein aufgestellt werden. Auch Dekorationen der Grabstelle sind nicht möglich. Streubestattungen werden unter anderem auch Windbestattungen genannt.

Zusätzlich gibt es noch Bestattungsarten, die in Deutschland meines Wissens nicht möglich bzw. erlaubt sind, aber die man über Umwege z.B. über das Ausland trotzdem realisieren kann. Hier eine Übersicht.

1. Felsbestattung

Hier wird die Asche an der Grasnarbe eines Felsens verstreut, unter der Grasnarbe beigesetzt oder auf einem Felsengebiet verstreut. Hier gibt es, wie im FriedWald, unterschiedliche Felsenarten, Gemeinschaftsfelsen und Familienfelsen, aber auch eine anonyme Beisetzung. Die meisten dieser Angebote laufen über die Schweiz. Wie im Wald sind auch hier keine weiteren Dekorationen der Grabstätte möglich.

2. Luftbestattung

In Frankreich, Österreich, Tschechien und in der Schweiz ist es möglich, die Asche aus der Luft verstreuen zu lassen oder im Ballon steigen zu lassen. Organisieren kann dies auch ein deutsches Bestattungsunternehmen. Beim Verstreuen lassen gibt es die Möglichkeit, dies aus dem Helikopter, einem Heißluftballon oder einem Flugzeug geschehen zu lassen. Je nach Fluggerät können unterschiedlich viele Menschen mitfliegen und die Durchführbarkeit hängt vom Wetter ab. Auch bei dieser Bestattungsart gibt es keine feste Stätte zum Trauern.

3. Flussbestattung

Ähnlich wie eine Seebestattung wird bei einer Flussbestattung die Asche auch im Wasser beigesetzt, allerdings ist dies in Deutschland nicht gestattet. In der Schweiz ist dies jedoch unter anderem auch in Bergbächen möglich. Hier wird die Asche im Rahmen einer Zeremonie dem fließenden Wasser übergeben. Auch hier gibt es keine feste Grabstätte.

4. Wasserfallbestattung

Wasserfallbestattungen sind wie Flussbestattungen nur im Ausland möglich, der Ablauf ist jedoch ganz ähnlich. Die Asche kann entweder direkt in den Wasserfall übergeben werden oder am Beginn des Wasserfalls in den Fluss gestreut werden. Eine Grabstätte gibt es bei dieser Beisetzungsart nicht.

5. Weltallbestattung

Einige ausländische Dienstleister bieten es an, einen Teil der Asche Verstorbener in das Weltall zu schießen. Wichtig ist hier, dass lange Wartezeiten in Kauf genommen werden müssen. Es werden nur wenige Gramm Asche ins Weltall geschossen, der Rest kann beigesetzt werden.

6. Gletscherbestattung

Gletscherbestattungen werden meines Wissens auch in der Schweiz angeboten. Hierbei fliegt ein Team zusammen mit einigen weniger Trauergästen mittels eines Hubschraubers ins Gebirge, wo die Asche des Verstorbenen entweder auf dem Gletscher verstreut oder im Gletscher beigesetzt wird. Auch diese Bestattungsart ist durch die Notwendigkeit eines Fluges vom Wetter abhängig. Ob hier ein Kreuz oder Ähnliches aufgestellt werden kann, ist mir leider nicht bekannt.

7. Edelstein- / Diamantbestattung

Einige Firmen, unter anderem auch in der Schweiz, bieten es an, die Asche eines Verstorbenen zu einem Diamanten zu pressen bzw. zu einem Edelstein wie einem Saphir oder einem Rubin verarbeiten zu lassen. Bei sehr kleinen Kindern kann dies problematisch sein, da eine bestimmte Menge Asche notwendig ist (bei einem Diamanten beispielsweise rund 500g), um die Verarbeitung zu ermöglichen. Dies sollte jedoch beim jeweiligen Anbieter angefragt werden. Bleibt Asche übrig kann diese regulär beigesetzt werden, es kann jedoch bei einigen Anbietern auch die gesamte Asche verarbeitet werden. Der gewonnene Diamant oder Edelstein kann zu einem Schmuckstück weiterverarbeitet werden. Wichtig ist zu beachten, dass die Gewinnung des Diamants oder Edelsteins einige Zeit in Anspruch nehmen kann.

Wenn einem von euch noch weitere Bestattungsarten bekannt sind, schreibt mir gern einen Kommentar. Ich übernehme dann die entsprechenden Informationen. Danke ❤

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