Für dich

Ich lebe für dich. Das Leben, dass du nicht mehr leben kannst.

Ich sehe für dich all das was du nicht mehr sehen kannst. Ich zeige es dir. Blumen und Sonnenaufgänge, und Schmetterlinge.

Ich rieche für dich an all den tausend Blumen. Weil du es nicht mehr kannst.

Ich schmecke für dich die Kirschen des Sommers und die Orangen des Winters, weil du sie nie schmecken wirst.

Ich fühle für dich, die Sonne auf meiner Haut, den Wind in meinem Haar, weil du sie nie mehr spüren wirst.

Ich höre für dich all die Geräusche um mich herum. Singende Vögel, rauschende Blätter, und die Stille. Denn auch sie hat ein Geräusch. Manchmal ist sie lauter als alles andere.

Ich laufe für dich und ich renne für dich, weil du es nie tun wirst. Ich werde für dich fallen und ich werde für dich wieder aufstehen.

Ich werde für dich sprechen und schweigen, singen und tanzen.

Ich lache und ich weine für dich, weil du es nie wieder tun wirst.

Ich werde für dich Freude und Trauer empfinden. Liebe und Hass. Wärme und Kälte. Weil du es nicht mehr kannst.

Ich werde Orte besuchen, an deiner Stelle. Ich werde schöne Dinge tun für dich.

Es tut mir so leid, denn manches kann ich nicht für dich tun. Ich kann deinen Seelenpartner nicht finden, er wird allein bleiben. Er wird dich vermissen, so wie ich.

Aber ich werde Menschen lieben an deiner Stelle, umso mehr. Ich werde deine Familie und deine Geschwister lieben, deinen Papa, und ich werde versuchen mich selbst zu lieben für dich.

Ich werde leben, für dich. Jeder Tag ist für dich. Du sollst durch meine Augen sehen, was du nicht mehr sehen kannst, mit meinen Ohren hören, mit meiner Haut fühlen. Du sollst fühlen, was ich fühle. So lange mein Herz schlägt, schlägt es auch für dich. Weil deines stumm ist. Ich weiß es, ich habe sein Verstummen gehört. Und die laute Stille danach.

Mein Leben ist deines. Bis wir uns wiedersehen.

 

 

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Mika – Challenge: Teil 47

MIKA – Challenge: Tag 257

Heute bin ich dankbar, dass ich immer weniger Probleme damit habe, auch unbekannte und weitere Strecken mit dem Auto zu fahren. Bis vor einiger Zeit war es undenkbar, eine Strecke allein in Angriff zu nehmen, die nicht bekannt war und im schlimmsten Fall auch noch über die Autobahn ging. Das hat sich ganz langsam, nach und nach, in kleinen Schritten geändert. Auch den Navis sei Dank. Wenn man keine Angst mehr haben muss, sich zu verfahren, ist das alles nicht mehr so das Thema. Richtig positiv verändert hat es sich auch noch einmal mit Mika, weil es einfach nicht denkbar war, mit so einem kleinen Kind in den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein, besonders nicht mit Kinderwagen. Dadurch bin ich viel flexibler geworden und dafür bin ich dankbar.

MIKA – Challenge: Tag 258

Heute bin ich dankbar, dass es draußen jetzt überall so schön aussieht. Die Bäume haben alle Knospen oder sogar schon Blätter, vieles blüht und es riecht einfach toll. Der Frühling ist die schönste Jahreszeit wie ich finde und ich habe heute auch den ersten Maikäfer des Jahres gesehen 🙂 die fand ich schon immer toll. Der hat sogar noch gelebt. Der Sommer ist auch schön, aber das Frühjahr finde ich echt am schönsten.

MIKA – Challenge: Tag 259

Heute bin ich dankbar, dass ich heute so viel an einem Projekt geschafft habe, dass ich mich nach Ende des Arbeitstags mal entspannt und nicht mehr gestresst gefühlt habe. Die letzten paar Wochen hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass ich das alles gar nicht schaffen kann, weil ich einfach nicht voran komme. Heute ist dann der Knoten geplatzt und ich hoffe ab jetzt fluppt es mit dem Projekt.

MIKA – Challenge: Tag 260

Heute bin ich dankbar für das erste Eis des Jahres. Ich gehe total gerne Eis essen und habe mich schon lange drauf gefreut, heute war dann endlich das Wetter gut genug dass es auch richtig schmeckt. Außerdem war heute das erste Mal Kleid ohne Strumpfhose möglich und da fühlt man sich irgendwie gleich viel besser. Es ist herrlich, wenn man endlich wieder ohne Jacke etc aus dem Haus gehen kann. 🙂

MIKA – Challenge: Tag 261

Heute bin ich dankbar, dass es bei Mikas Baum wieder richtig schön ist. Im Winter, wenn alle Blätter von den Bäumen gefallen sind, kann es im Wald trist sein. Aber jetzt ist es wieder herrlich. Alle Bäume sind hellgrün, das Gras ist wieder gewachsen, die Sonne scheint durch die Blätter und die Vögel singen. Der Wind rauscht, es ist einfach schön. Ich habe heute lange unter Mikas Baum gesessen und ein Buch gelesen. Ich bin dankbar, dass man wieder länger dort sitzen kann.

MIKA – Challenge: Tag 262

Heute bin ich dankbar dafür, wie schön es ist, wieder ohne Jacke und im Kleid rausgehen zu können. Der Wind auf den Schultern und Armen fühlt sich wunderbar an und die Temperaturen sind einfach herrlich. Da wird selbst der kurze Weg von zur Arbeit zum Wellness-Erlebnis. Wegen mir muss es echt nicht wärmer werden, so wie es ist, ist es perfekt. Das hätte dir auch gut gefallen kleiner Schmetterling.

 

Wie es gewesen wäre

Heute Nacht hast du mich wieder besucht, mein Schmetterling. Ich glaube es ging dir darum, mir zu zeigen, wie es gewesen wäre, hättest du den Kampf in der Nacht geschafft. Zum ersten Mal warst du nämlich älter, als ich dich kannte. Ich wusste trotzdem sofort, dass du es bist. Du warst mit uns unterwegs, ich glaube es war ein Zoo. Hast in einem Buggy gesessen, so ein klappriges Ding aus Gestänge mit nur ein bisschen Stoff dazwischen, was man aber schön klein zusammenfalten kann. Du hattest weiße Sandalen an, und sonst nur eine Windel. Es war warm, aber im Schatten hattest du eine leichte Gänsehaut. Und du konntest laufen. Noch nicht richtig gut, aber wackelig flitzen ging schon, mit deinen kleinen Sandalen auf deinen dicken Beinchen. Du warst gut drauf, hast mit Dingen gespielt, sie herumgewedelt um zu sehen, welche Geräusche sie machen, und sie uns begeistert hingehalten. Sprechen konntest du nicht, aber du hast deine typischen begeisterten Laute von dir gegeben, wenn dir etwas gefallen hat. Aber du warst krank. Immernoch. Gut gelaunt und aktiv, aber du hattest getrocknetes Blut an deiner Nase, nur ein bisschen. Und du hattest eine Magensonde in der Nase, der Schlauch klebte in deinem kleinen Gesicht. Und du hattest wenig Haare, die Narben auf deinem Kopf, zum Teil frisch, waren gut zu sehen. Und ich wusste, dass du gehen musst, dass ich dich nicht für immer behalten kann. Dass ich dich verlieren werde. Wieder. Du bist so froh herumgelaufen auf deinen Patschefüßen. Ich habe dich dann gerufen und habe gefragt: „Darf Mama dich in den Arm nehmen?“ Und du bist mit ausgebreiteten Ärmchen auf mich zugelaufen. Ich saß in der Hocke, und du bist mir in den Arm gefallen. Ich habe dich ganz fest umarmt, deinen kleinen Körper mit der dicken Windel, und habe geweint und geweint, weil ich wusste dass du nicht da bleiben kannst. Dann bin ich wach geworden.

Ich glaube du wolltest mir zeigen, dass es besser war, so wie es ist. Ich glaube du wolltest mir zeigen, dass der Kampf nicht aufgehört hätte. Ich habe es jetzt so oft gesehen, bei so vielen anderen kleinen Kämpfern mit deinem Monster im Kopf. Sie schaffen es, eine zeitlang. Aber meistens kommt es zurück. Hat sich nur versteckt und auf den rechten Moment gewartet. Es war so schön, dich im Traum zu halten. Es war so wunderschön, dich mit ausgebreiteten Armen auf mich zulaufen zu sehen und zu spüren, wie du deine kleinen Arme um meinen Hals schlingst. Auch wenn es nur ein kurzer Moment war, ich werde ihn in meinem Herzen festhalten, ganz fest, so lange ich kann. Aber das wäre es nicht wert gewesen. Dein längeres Leiden, die ständige Angst, deine Schmerzen und dein langer Kampf. Im Traum warst du sehr gut drauf, aber das wäre nicht immer so gewesen. Du hättest viel gelitten, noch mehr. Und das ist es nicht wert. Nichts in der Welt wäre es wert, dich noch mehr leiden zu lassen.

Falsch

Ich vermisse dich, mein Schmetterling. Ich habe ein Bild von dir gesehen, nur durch Zufall, und ich vermisse dich. Eine Sekunde reicht, um Wunden zu öffnen. Nur eine Sekunde. Und wie immer, wenn ich dich so sehr vermisse, dass ich nichts anderes kann als weinen, denke ich nach. Ich habe so viel nachgedacht, Lösungen gesucht für Gegebenheiten,für die ich keine finden kann. Und egal wie viel ich denke, wie viele Themen ich wälze, ein Gefühl bleibt immer zurück.

Es ist falsch. Was passiert ist. Wie es kam. Wie es sich entwickelte. Wie es endete. Alles falsch. Wie es jetzt ist. Furchtbar falsch. Irgendwo ist ein Fehler passiert. Es darf, es KANN nicht richtig sein. Ich möchte gern laden und es neu versuchen. Ich möchte gern nochmal von vorn anfangen, bevor das Schlimme kam. Es ist so falsch, dass mir davon übel wird.

All die schlechten Nachrichten, falsch. All die Angst, deine Schmerzen, dein Leid, unser Leid. Falsch. All das was passiert ist. Total falsch. Dein Sterben, unendlich und schrecklich falsch. Ich möchte mit dir kuscheln, und das einzige was mir bleibt ist ein Kuscheltier aus deinen Kleidern. Das ist falsch. Ich berühre dein kleines Gesicht, und fühle die glatte Oberfläche eines Bilderrahmens, eines Bildschirms, ein Stück Fotopapier. Furchtbar falsch. Kann nicht sein. Kann nicht richtig sein. Ich werde morgens wach und du bist nicht da, dein Lächeln ist nicht da. Falsch, falsch, falsch. Ich möchte schreien, so falsch ist es.

Es ist nicht in Ordnung. Es ist nicht gerecht. Verkehrt. Ein Fehler im System. Reklamieren und umtauschen möchte ich es. Ich möchte ein anderes System. Dieses ist defekt. Es funktioniert nicht so, wie es soll. Leider ist mein Leben das System. Ich kann es nicht umtauschen. Ich kann nicht laden und neu starten. Es ist keine Garantie drauf, keiner bürgt für irgendetwas.

Und wie man bei einem defekten Gerät jeden Tag merkt, dass es defekt ist, merke ich es auch jeden Tag. Ich lebe, aber ich fühle, wie falsch alles ist. Ich weiß so gut, wie es richtig wäre. Ich habe eine unendliche Sehnsucht nach dem Richtig. Nach der korrekten Version, in der du bei mir bist. Das ganze Falsche nie passiert ist. Ich mit dir kuscheln kann und es dein warmes, weiches Gesicht ist, dass ich unter meinen Fingern spüren darf. Und das Akzeptieren der Tatsache, dass ich im Falsch leben muss, ist so schwer. Kaum zu ertragen. Nicht zu verstehen. Einfach nur falsch.

Mika – Challenge: Teil 46

MIKA – Challenge: Tag 251

Heute bin ich dankbar für gleich mehrere gute Nachrichten. Sonst hört man so oft Hiobsbotschaften, Menschen werden krank, sterben an Krebs… aber heute war es anders. Zwei Kinder sind nach Eingriffen krebsfrei und eine andere Sternenmama kann wohl nach 5 Wochen endlich aus dem Krankenhaus entlassen werden, weil keine Gefahr mehr besteht, dass ihr Folgewunder zu früh kommt. Und das, obwohl eine Verbesserung in dem Ausmaß von den Ärzten ausgeschlossen worden war. Es passieren immer auch gute Dinge, man sieht sie nur manchmal nicht so deutlich wie die schlechten.

MIKA – Challenge: Tag 252

Heute bin ich mal wieder für etwas ganz eigennütziges dankbar, nämlich dass ich nach über einer Woche endlich meine Riesenerkältung wieder los werde. Ich habe wirklich so gut wie gar nichts geschafft und mir ging es hundeelend. Und wenn man so gar nichts machen kann, schlägt einem das ewige rumhängen irgendwann auch aufs Gemüt. Aber so langsam geht es bergauf und ich fühle mich viel besser, körperlich und damit auch seelisch. Und das fühlt sich sehr gut an.

MIKA – Challenge: Tag 253

Heute bin ich dankbar dass ich in meinem zu Hause einen echten Ruhepol habe. Erst nach unserem Umzug ist mir aufgefallen, dass ich den vorher nicht hatte. Das lag an gar nichts Bestimmtem, die Leute waren nett und die Wohnung war nicht schlecht, aber irgendwie konnte ich dort nie wirklich zur Ruhe kommen. Das ist inzwischen anders und ich habe gemerkt, wie wichtig das ist. Das ist mittlerweile schon eine ganze Weile her, aber an manchen Tagen kommt es mir immer wieder ins Bewusstsein. Und für diesen Ruhepol bin ich sehr dankbar.

MIKA – Challenge: Tag 254

Heute ist internationaler Tag der trauernden Mütter. Ich bin dankbar, dass es diesen Tag gibt. Denn für Menschen wie mich, Mütter, die ihr Kind nicht an der Hand halten können, sondern im Herzen tragen, ist der Muttertag oft eine Qual. Überall in den Medien glückliche Mütter umgeben von ihren Kindern. Für uns ist das oft ein Schlag. Muttertag ist nicht unser Tag. Wir gehören nicht dazu. Unsere Kinder kann man nicht sehen. Wir werden nie selbstgemalte Bilder von ihnen bekommen und sie werden uns nie sagen, dass sie uns lieb haben. Deshalb bin ich dankbar, für diesen Tag. Wir sind Mütter, aber eben anders. Deshalb ist es auch ein anderer Tag. Ich hab dich so lieb Mika. Ich werd immer deine Mama sein. Auch wenn du mir nie ein Bild schenken wirst um es an den Kühlschrank zu hängen, ich weiß du bist ganz nah bei mir.

MIKA- Challenge: Tag 256

Heute bin ich dankbar für einen herzhaften Lacher. Unterschiedliche Firmen und Leute sind immer wieder sehr kreativ, was unseren Nachnamen angeht. Wir hatten schon die abenteuerlichsten Variationen, der Brief heute hat aber den Vogel abgeschossen. Ich habe tatsächlich einen Moment gebraucht, bis ich das überhaupt verstanden hatte. Der Postbote muss sich auch seinen Teil gedacht haben, denn da waren sogar Vor- und Nachname noch durcheinander geworfen und so kann nun wirklich niemand heißen.