Nie genug

Ich habe viel, viel nachgedacht in der letzten Zeit, mein Schmetterling. Du bist nun schon so viele Tage fort, aber ich vermisse dich wie am ersten Tag. Um dich zu weinen ist ein normaler Teil meines Tages geworden, so wie es früher normal war dich zu wickeln, dich zu stillen, dich zu halten. Ich versuche so viele Dinge zu tun, um dir gerecht zu werden. Ich gehe in Trauergruppen. Ich denke immer an dich und jeden Tag rede ich von dir. Jeden Abend brennt eine Kerze für dich, egal wo ich gerade bin. Ich erzähle davon wie du warst, egal ob man es hören möchte. Ich habe so viele Worte für dich geschrieben, dass sie bald ein Buch füllen werden, damit die Worte noch weiter in die Welt hinaus gehen. Ich habe einen Stern getauft für dich. Ich habe mit anderen Menschen einen Verein gegründet und wir arbeiten an der Anerkennung, um Eltern die das gleiche erleben mussten wie wir zu helfen. Es passiert viel in deinem Namen, unglaublich viel. Und trotzdem bleibt ein schlechtes Gefühl. Es ist nie genug. Ich werde dir nicht gerecht. Wie könnte ich auch? Egal was ich tue, es ist nie genug. Es wird nie genug sein. Ich habe mit deinem Schmetterlingspapa darüber gesprochen und er hat etwas ganz wichtiges verstanden, das ich nicht sehen konnte. Ich versuche, es wieder gut zu machen. Ich versuche etwas zu reparieren, was nicht zu reparieren ist. Ich versuche ein Gleichgewicht herzustellen, wo keines sein kann. Ich KANN dir nicht gerecht werden und das, was ich für dich empfinde, kann ich nicht aufwiegen in anderen Dingen. Ich kann es nicht wieder in Ordnung bringen, egal was ich tue. Es wird niemals genug sein, denn meine Liebe zu dir ist größer als alles andere. Und meine Trauer um dich ist zu groß, um sie aufzuwiegen. Egal wie viel ich versuche, es kann und wird nie genug sein, denn das Ziel, dass mir insgeheim mein Herz einflüstert, ist nie zu erreichen. Denn wie der Verdurstende in der Wüste jage ich einer Fata Morgana nach. Einem Bild von Erlösung, dass sich in der gleichen Geschwindigkeit von mir entfernt wie ich ihm näher komme.

Diese Erkenntnis ist wichtig. Das heißt nicht, dass ich aufhören werde, all diese Dinge zu tun. Im Gegenteil, sie sind richtig und gut und wichtig. Aber ich muss akzeptieren, dass etwas geschehen ist, was man nicht wieder gutmachen kann. Mein Kopf hat es längst verstanden, aber mein Herz nicht. Ich kann dich nicht zurückholen, mein Schmetterling, so gern ich es würde. Du weißt das längst. Und so sehr ich mich in Aktionismus stürze, ich kann es nicht reparieren. Dein Schmetterlingspapa hat gesagt ich muss akzeptieren, dass du nicht wiederkommst. Mein Kopf kann das, aber mein dummes, dummes Herz versteht es nicht. Es sehnt sich so sehr nach dir. Hilf meinem Herz zu lernen. Hilf meinem Herz zu heilen. Und dann, irgendwann, wird es auch wissen, was mein Kopf schon weiß, und ich werde in mir ruhen bis wir uns am Ende meiner Zeit wiedersehen.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s