Druck

„Setzt euch nicht so unter Druck.“

Ich glaube das ist der Satz, den ich in der letzten Zeit am häufigsten gehört habe, wenn es um das Thema Folgewunder ging. Der Satz ist leicht dahergesagt. Er ist ein schnell genannter Ratschlag und ich bin sicher, er ist gut gemeint. Und ich bin sicher eigentlich ist er auch wahr. Nur eines kann mir niemand sagen. Wie soll das gehen?

Mein Kind, mein Mika, das Wichtigste was ich in meinem Leben jemals hatte, ist gestorben. Aber meine Mamaliebe ist nicht mit gestorben. Sie ist mit  dir geboren worden, mein Schmetterling, und sie wird immer da sein. Du hast sie nicht mitgenommen. Sie ist noch da, und sie sucht verzweifelt nach einem Ziel. Also wie soll das gehen? Ich habe keinen Lebensmittelpunkt mehr, denn er ist mit dir gegangen. Wie soll das also gehen? Ich habe keine Aufgabe mehr, niemanden der mich braucht, und ich fühle mich nutzlos und allein ohne dich. Wie zum Teufel soll das also gehen? Ein kleines Geschwisterkind für dich war schon unterwegs, aber es ist wieder umgekehrt. Vielleicht war es noch nicht so weit, einen Grund wird es schon haben. Aber der Druck steigt, auch dadurch. Es sind so viele Fragen da. Was ist, wenn es nie wieder klappt? Was ist, wenn wir für immer allein bleiben müssen? Was ist, wenn es jetzt noch ewig dauert und ich zu alt bin? Vielleicht möchte ich ja auch nicht nur ein Kind, sondern mehrere. Was ist, wenn?

„Setzt euch nicht so unter Druck.“ Danke. Ich weiß es ist lieb gemeint und ich bin froh, dass man sich Gedanken macht um uns. Aber ich kann es nicht mehr hören. Doch, ich setze mich unter Druck. Sehr. Ich habe tausend gute Gründe dafür. Ich kann meine Erfahrungen nicht ‚weg machen‘. Ich kann meine Trauer und mein Sehnen nicht verschwinden lassen. Ich bin keine Maschine. Ich habe keinen Knopf für sowas. Ich setze mich unter Druck, mit all meinen Sorgen und Wünschen und meinem Vermissen. Und ich kann nichts dagegen tun. Und wenn man mir sagt, dass ich mich nicht unter Druck setzen darf, weil es dann sowieso nicht gut geht, dann setze ich mich NOCH MEHR unter Druck. Ich setze mich unter Druck, weil ich mich nicht unter Druck setzen darf, und das ist ein Teufelskreis. Mein Druck gehört zu mir und er wohnt jetzt hier. Und er ist mir ganz egal. So lange mir niemand sagt, dass er mir nicht egal sein darf, kann ich ihn ignorieren.

Und jetzt denkt mal bitte für die nächsten paar Sekunden alle nicht an kleine Katzen. Und? Hat geklappt? Nein? Komisch.

Ich hoffe du verzeihst mir meinen Ausbruch mein Schmetterling. Aber ich weiß du verstehst mich. Du kennst mich und meinen ganzen Druck. Du hast mich trotzdem als deine Mama ausgesucht. Und wenn du mich so akzeptiert hast, dann akzeptiere ich mich auch so. Und werde aufhören, mich unter Druck zu setzen, weil ich mich nicht unter Druck setzen darf.

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