Atmen

„An manchen Tagen ist es genug, wenn man es einfach nur schafft weiterzuatmen.“

Das hat eine Sternenkindmama einer anderen zum Trost geschrieben, mein Schmetterling. Und es ist richtig und wahr. Wenn die Tage schwierig werden, wenn Geburts- und Todestage nahen, wenn es uns nicht gut geht und wir schwach sind und krank, dann verlangen wir von uns oft viel zu viel. Du kennst mich, ich will immer zu viel von mir selbst. Und der große Frust kommt, wenn es nicht geht. Macht die Trauer noch schlimmer, macht alles noch schlimmer. Deine Schmetterlingsmama muss noch so viel lernen… Deshalb ist das hier für andere Sternenkindmamas, und auch für mich selbst.

Es ist okay. Es ist okay, nicht zu funktionieren. Es ist okay, an den schweren Tagen nichts hinzubekommen. Wir müssen nicht immer stark sein, können es auch nicht. Selbst eine Löwenmama kann nicht immer nur kämpfen, hat mir jemand gesagt. Wir müssen unseren verwundeten Seelen Zeit geben um zu heilen. Wir müssen den Schmerz akzeptieren, und die Schwäche, die damit einhergeht, umarmen und willkommen heißen lernen. Es ist okay, wenn wir an manchen Tagen nicht arbeiten können, oder nicht lächeln, oder nichtmal aufstehen. Es ist okay, wenn wir uns über manche Dinge nicht freuen und es auch nicht schaffen, zumindest so zu tun. Es ist okay. Es ist gut. Wir sind verwundet. Niemand verlangt von jemandem, der sein Bein verloren hat, nach ein paar Wochen wieder zu laufen oder sich zu freuen, wenn er sieht, wie andere auf der Wiese Fußball spielen. Wir haben unsere Herzen verloren. Wir haben unsere Kinder verloren. Wir haben auch uns selbst ein bisschen verloren, vielleicht kennen wir uns an manchen Tagen gar nicht. Finden uns selbst doof und eklig und verbittert. Aber es ist okay. Wir sind neu geboren worden in eine Welt, die wir nicht wollen. Wir müssen uns neu zurecht finden. Das ist schwierig und anstrengend, und unsere Wunden machen es noch schwieriger. Unser Schmerz macht es hart und an manchen Tagen einfach unmöglich. Aber das ist okay. Es ist okay, zu weinen und zu schreien. Es ist okay, wütend zu sein. Und es ist okay, wenn atmen das Einzige ist, was wir an manchen Tagen schaffen. An manchen Tagen ist das genug. An manchen Tagen, ist es genug, wenn wir es schaffen, einfach nur weiterzuleben. Denn das ist an manchen Tagen das Schwerste. Weiterzuleben, wo unsere Kinder nicht weiterleben. Weiterzuleben trotz der Leere. Und deshalb ist es okay, wenn wir für alles andere keine Kraft haben an diesen Tagen. Es ist okay.

Wir müssen unser neues Ich, unser neues Normal, unser Danach kennenlernen. Akzeptieren lernen. Lieben lernen, irgendwie. Und das braucht Zeit. Nehmt euch die Zeit. Lernt euch kennen. Lernt das neue Normal kennen. Lernt euch neu zu lieben. Lernt zu erst zu Überleben, und dann, hoffentlich, irgendwann wieder zu Leben. Wir können unseren Sternenkindern keine größere Freude machen als das.

Das werde ich für dich versuchen, mein Schmetterling. Ich finde mein neues Ich schwierig, es ist so anders als vorher. Ich finde das neue Normal unerträglich manchmal. Aber ich lerne es kennen und ich lerne hoffentlich es zu akzeptieren. Denn ich werde weiteratmen für dich, und wenn das an manchen Tagen das Einzige ist was ich schaffe, dann ist das okay.

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