Mika – Challenge: Teil 34

MIKA – Challenge: Tag 183

Heute bin ich dankbar, dass ich gelernt hab ziemlich lecker zu kochen 🙂 wenn ich auf irgendwas Lust hab muss ich nicht in ein Restaurant gehen, ich kann es selber machen. Die Optik ist oft ausbaufähig, aber immerhin schmeckt es (meistens 😉 ). Das hat früher oft nicht so geklappt und das hat mich auch oft genervt, deshalb bin ich dankbar, den Dreh inzwischen rauszuhaben.

MIKA – Challenge: Tag 184

Heute bin ich dankbar, dass ich nicht mehr jeden Tag weinen muss und es zwischendurch Augenblicke gibt, in denen es mir gut geht. Ich bin immer wieder sehr viel traurig und es gibt immernoch sehr viele schlechte Momente, aber es gibt inzwischen auch immer mal die andere Seite und dafür bin ich dankbar. Ich werde Mika für immer vermissen, aber ich kann nebenbei auch noch andere Dinge fühlen.

MIKA – Challenge: Tag 185

Heute bin ich dankbar für etwas, was gestern passiert ist. Ich habe gestern jemanden gefunden, der einen bestimmten Aspekt meines Lebens, der stets Probleme brachte, perfekt verstehen kann, weil diese Person ihn teilt und den gleichen Weg gehen muss wie ich. Ich lebe und kämpfe mit diesem Aspekt meiner Persönlichkeit schon mein halbes Leben und habe nie vorher jemanden gefunden, der genau den gleichen Kampf kämpft wie ich. Und wusste gar nicht, wie gut es tut, so jemanden zu finden. Ohne Mika und ohne das, was passiert wäre hätten wir dieses wichtige Gespräch wohl nie geführt. Und so bin ich dankbar, dass dieser Verlust nun wenigstens dazu geführt hat, dass wir miteinander gesprochen haben.

MIKA – Challenge: Tag 186

Heute bin ich dankbar, dass mir ein ganz wichtiges Thema klar geworden ist, was noch viel Arbeit bedarf. Nämlich dass man es sich selbst erlaubt, auch mal wieder glücklich zu sein. Und sei es auch nur kurz. Dass man aufhört, sich insgeheim dafür zu verurteilen. Ich habe dazu heute einen längeren Artikel geschrieben und das hat mir viel geholfen, mir selbst über die Problematik so richtig klar zu werden. Dafür bin ich dankbar. Auch wenn es sicher noch Zeit brauchen wird, das ganz zu verinnerlichen.

MIKA – Challenge: Tag 187

Heute bin ich dankbar, dass ich einen richtig produktiven Tag hatte. Meistens habe ich abends ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht so viel geschafft habe wie ich wollte oder am Tag Zeit mit unnötigen Dingen verschwendet habe. Heute war das aber nicht so. Und ich hatte neben der Arbeit sogar noch Zeit etwas Schönes zu machen. Jetzt kann ich zufrieden ins Bett gehen.

MIKA – Challenge: Tag 188

Heute bin ich dankbar, dass Mikas Buch fertig ist. Es sind alle Texte zusammen, ich habe alles zusammengefügt und nun muss nur noch korrigiert und ein Cover entworfen werden. Dann geht es raus. Ich bin unglaublich aufgeregt und ich bin so froh, dass das geschafft ist. Es ist ein echtes Herzensanliegen und es steckt viel Schweiß und Tränen darin. Mika, ich hoffe dass du stolz bist.

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Mika – Challenge: Teil 33

MIKA – Challenge: Tag 178

Heute bin ich dankbar, dass wir Mikas Geburtstag schön verbracht haben. Ich fühle mich total seltsam und alles fühlt sich irreal an, aber wir haben den Tag geschafft. Und wir haben den Verein ins Leben gerufen. Ich würde mit Freude alles wieder wegwerfen, um Mika zurück zu haben. Aber ich weiß, dass das nicht geht. Deshalb ist das die zweitbeste Sache. Und ich bin sehr dankbar, dass all das entstanden ist. Es hilft viel besser mit dem Verlust leben zu können.

MIKA – Challenge: Tag 179

Heute bin ich dankbar für alle die lieben Nachrichten, die ich gestern und heute von anderen Müttern bekommen habe, die Mikas Geschichte gelesen haben. Die Anteilnahme hilft viel weiter. Außerdem bin ich dankbar für die tolle Unterstützung, die wir auch jetzt schon für den Verein bekommen. Ich freue mich total, dass auch jetzt schon Leute etwas Gutes in diesem Rahmen tun wollen.

MIKA – Challenge: Tag 180

Heute bin ich dankbar, dass die allgemeine Stimmung auf der Arbeit momentan recht gut zu sein scheint. Es gab immer mal Querelen, aber momentan kann ich viel schalten und walten wie ich will und das ist echt klasse. Dadurch fallen auch unliebsame Aufgaben leichter und man steht nicht morgens schon unmotiviert auf.

MIKA – Challenge: Tag 181

Heute hab ich mich unglaublich viel geärgert. Über unterschiedlichste Sachen. Zuletzt sogar noch auf dem Weg nach Hause im Auto, als eine doofe Frau mich angehupt und wild gestikuliert hat, weil ich jemand anderem nicht die Vorfahrt nehmen wollte. Warum bin ich da dankbar? Weil ich, als ich nach Hause kam, erst mal so richtig Dampf ablassen konnte. Ich habe mich darüber ausgelassen wie schrecklich die Welt ist, wie bescheuert manche Leute sind, wie ätzend heute alles war und wie ekelhaft ich den ganzen Tag finde. Und offenbar ging dabei auch viel emotionaler Ballast der letzten Zeit weg. Solcher, den ich gar nicht mehr gemerkt habe, weil er sowieso die ganze Zeit da ist. Und jetzt fühl ich mich leichter als vorher. Und darüber bin ich dankbar. Außerdem hat Mika sich bestimmt kaputt gelacht, als seine Mama wie Rumpelstilzchen durchgedreht ist.

MIKA – Challenge: Tag 182

Heute bin ich dankbar, dass ich es geschafft habe, respektvoll jemanden abzuwimmeln. Ich weiß es klingt komisch. Aber wir hatten heute wieder die Zeugen Jehovas vor der Tür. Und die beiden Damen sind tatsächlich sehr nett. Ich mag nur einfach nicht über meinen Glauben diskutieren. Ich mag aber auch nicht unhöflich sein. Deshalb sind mir diese Gespräche normalerweise sehr unangenehm. Aber heute habe ich einen sehr guten Spagat hinbekommen. Ich habe ihnen meine Ansichten dargelegt und habe ihnen wertschätzend vermitteln können, dass ich ihre Ansichten zwar respektiere, aber sie mit meinen einfach nicht über einstimmen. Und dann noch ein bisschen versucht, ob ich sie nicht von meinen Ansichten überzeugen kann.;) Ein bisschen Spaß muss ja auch sein. Und so hatten wir eigentlich ein nettes Gespräch und ich hatte nicht so ein unangenehmes Gefühl, wie sonst immer wenn ich sie wegschicke. Und mit ein bisschen Glück kommen sie jetzt auch erst mal nicht wieder, weil sie mich nicht überzeugen können.;)

Dilemma und Zwiespalt

Etwas Schwieriges geschieht, mein Schmetterling. Über 6 Monate bist du jetzt nicht mehr in meinen Armen. Du bist länger weg, als du bei uns warst. Es gibt keine Worte für das Gefühl, das der Gedanke daran in mir auslöst. Aber es geschieht etwas. Mit meiner Trauer. Mit mir. Mit meinen Emotionen. 6 Monate sind viel Zeit, wenn man jemanden vermisst. Unendlich viele Tränen sind für dich geflossen. Ich habe so viel geweint, dich so sehr vermisst, so sehr gelitten weil du weg bist. Ich leide noch immer und ich werde immer darunter leiden. Meine tiefe Liebe zu dir wird nie kleiner werden und ich werde dich immer schrecklich schmerzhaft vermissen. Aber etwas ist anders geworden. Die Trauer war zu beginn so rasend, so riesengroß und so schwarz, dass um sie herum kein Platz war. Es war kein anderes Gefühl da, nur der rohe und animalische Schmerz, weil ich dich verloren habe. Auch jetzt gibt es noch viele Tage, an dem es so ist. Aber es sind nicht mehr alle. Die Trauer schreit nicht mehr so laut. Sie ist etwas verblichen, ganz leicht. Sie ist nun grau und füllt nicht mehr 100% meines ganzen Seins aus. Sie hat Platz gemacht. Platz für andere Gefühle. Und seit einigen Tagen ist wieder genug Platz da für Glück. Nur selten und zaghaft, aber es gibt Tage, da geht es mir für einen Moment gut. Du bist immer in meinen Gedanken, aber manchmal tut es für einen kurzen Moment nicht so weh. Manchmal ist da nur Glück, wegen irgendetwas. Manchmal wegen Kleinigkeiten, vielleicht weil die Sonne scheint oder ich einen Schmetterling sehen darf. Aber das wirft mich in einen schlimmen Konflikt mit mir selbst. Ich freue mich nicht darüber. Ich fühle Schuld. Du bist ja immernoch weg. Wie kann ich glücklich sein, und sei es nur für einen Augenblick, wo du nicht in meinen Armen bist? Wie kann ich froh sein, weil die Sonne scheint, wenn du nicht da bist um sie zu sehen? Ich gestatte mir mein Glück nicht, fühle mich schrecklich deswegen, und das ist schlimm. Und wie ich es drehe und wende in meinem Kopf, ich finde keine Lösung dafür. Mein Herz tut weh, denn ich möchte gern wieder glücklich sein. Aber wie kann ich das, wenn du weg bist? Wie kann ich mir Glück gestatten, wenn das Wichtigste in meinem Leben einfach weg ist?

Ich weiß, dass du dir wünscht, dass ich glücklich bin, mein Schmetterling, mein Mika. Ich weiß, dass du froh bist, wenn ich lache. Ich muss versuchen, die glücklichen Momente zu nehmen, wenn sie kommen, und sie zu genießen ohne mich zu verurteilen. Denn ich weiß, dass es das ist, was du dir wünschen würdest. Aber es ist schwer, mein Schmetterling, es ist so schwer. Fast schwerer als alles, was bisher mit meiner Trauer geschah. Es ist schwer, ohne dich zu leben, aber es ist noch viel schwerer, glücklich zu sein ohne dich. Und am schwersten ist es, mir dieses Glück zu gestatten. Ich glaube ich brauche noch Zeit um zu lernen, dass beides sein kann. Dass ich um dich traurig sein und gleichzeitig über Dinge glücklich sein kann, dass ich dich vermissen und gleichzeitig Freude über Dinge empfinden darf. Dass das eine Gefühl das andere nicht ausschließt und dass es nicht heißt, dass ich dich vergesse oder mich nicht mehr nach dir Sehne. Dass es einfach heißt, dass mein Leben weitergeht, weitergehen muss und weitergehen darf ohne dich. Alles wehrt sich in mir beim Schreiben dieses Satzes. Eine Stimme schreit: „NEIN! Es geht NICHT weiter, es DARF nicht und es kann nicht und es ist unmöglich. Die Welt DARF sich nicht weiter drehen ohne dich. Es ist verboten. Es kann nicht sein. Es ist unnatürlich und es geht nicht.“ Und ich weine viele Tränen, denn der Gedanke zerreißt mich. Aber eine andere Stimme sagt: „Du weißt, dass es weitergeht. Es muss. Die Welt dreht sich weiter und du musst dich mit der Welt weiter drehen. Du musst dir gestatten, glücklich zu sein. Mika wünscht dir kein trauriges Leben. Mika wünscht sich eine lachende Mama, die froh ist. Die singt und lächelt und tanzt. Die an ihn denkt und glücklich ist. Trotz allem, was geschehen ist.“ Ich werde versuchen, dieser Stimme stärker zuzuhören. Für dich, mein Schmetterling. Das ist meine nächste Aufgabe, und es ist die schwierigste, die ich bisher schaffen musste. Vielleicht die schwierigste, die ich jemals schaffen muss. Denn sie fühlt sich so falsch an, auch wenn ich in meinem Herzen weiß, dass sie richtig ist. Aber ich bin sicher, du wirst mir dabei helfen. Und du wirst mir zeigen, dass Glück das ist, was du dir für uns wünschst.

Druck

„Setzt euch nicht so unter Druck.“

Ich glaube das ist der Satz, den ich in der letzten Zeit am häufigsten gehört habe, wenn es um das Thema Folgewunder ging. Der Satz ist leicht dahergesagt. Er ist ein schnell genannter Ratschlag und ich bin sicher, er ist gut gemeint. Und ich bin sicher eigentlich ist er auch wahr. Nur eines kann mir niemand sagen. Wie soll das gehen?

Mein Kind, mein Mika, das Wichtigste was ich in meinem Leben jemals hatte, ist gestorben. Aber meine Mamaliebe ist nicht mit gestorben. Sie ist mit  dir geboren worden, mein Schmetterling, und sie wird immer da sein. Du hast sie nicht mitgenommen. Sie ist noch da, und sie sucht verzweifelt nach einem Ziel. Also wie soll das gehen? Ich habe keinen Lebensmittelpunkt mehr, denn er ist mit dir gegangen. Wie soll das also gehen? Ich habe keine Aufgabe mehr, niemanden der mich braucht, und ich fühle mich nutzlos und allein ohne dich. Wie zum Teufel soll das also gehen? Ein kleines Geschwisterkind für dich war schon unterwegs, aber es ist wieder umgekehrt. Vielleicht war es noch nicht so weit, einen Grund wird es schon haben. Aber der Druck steigt, auch dadurch. Es sind so viele Fragen da. Was ist, wenn es nie wieder klappt? Was ist, wenn wir für immer allein bleiben müssen? Was ist, wenn es jetzt noch ewig dauert und ich zu alt bin? Vielleicht möchte ich ja auch nicht nur ein Kind, sondern mehrere. Was ist, wenn?

„Setzt euch nicht so unter Druck.“ Danke. Ich weiß es ist lieb gemeint und ich bin froh, dass man sich Gedanken macht um uns. Aber ich kann es nicht mehr hören. Doch, ich setze mich unter Druck. Sehr. Ich habe tausend gute Gründe dafür. Ich kann meine Erfahrungen nicht ‚weg machen‘. Ich kann meine Trauer und mein Sehnen nicht verschwinden lassen. Ich bin keine Maschine. Ich habe keinen Knopf für sowas. Ich setze mich unter Druck, mit all meinen Sorgen und Wünschen und meinem Vermissen. Und ich kann nichts dagegen tun. Und wenn man mir sagt, dass ich mich nicht unter Druck setzen darf, weil es dann sowieso nicht gut geht, dann setze ich mich NOCH MEHR unter Druck. Ich setze mich unter Druck, weil ich mich nicht unter Druck setzen darf, und das ist ein Teufelskreis. Mein Druck gehört zu mir und er wohnt jetzt hier. Und er ist mir ganz egal. So lange mir niemand sagt, dass er mir nicht egal sein darf, kann ich ihn ignorieren.

Und jetzt denkt mal bitte für die nächsten paar Sekunden alle nicht an kleine Katzen. Und? Hat geklappt? Nein? Komisch.

Ich hoffe du verzeihst mir meinen Ausbruch mein Schmetterling. Aber ich weiß du verstehst mich. Du kennst mich und meinen ganzen Druck. Du hast mich trotzdem als deine Mama ausgesucht. Und wenn du mich so akzeptiert hast, dann akzeptiere ich mich auch so. Und werde aufhören, mich unter Druck zu setzen, weil ich mich nicht unter Druck setzen darf.