Kämpfer

Du warst so stark, mein Schmetterling.  Du hast immer gekämpft wie ein Löwe, warst unendlich tapfer bis zuletzt und hast alles so gut weggesteckt. So duldsam ertragen. Du bist mit dem Tumor gewachsen, hast ihm all die Zeit die Stirn geboten, bis es nicht mehr ging. Und selbst dann noch hast du dich nicht unterkriegen lassen. Hast nach dem Erbrechen einfach weitergespielt, alle OPs über dich ergehen lassen, all die Schmerzen, ohne viel zu weinen. Hast dich immer erholt. Bist immer wieder hochgekommen, bis zuletzt. Du warst so ein unendlich starkes Kind. Wir sind an deiner Seite gewesen, aber der Kampf war der Deine. Wir konnten nur neben dir laufen und dich anfeuern. Dir den Schweiß von der Stirn tupfen. Deine Wunden küssen und dich in den Schlaf wiegen, wenn du Erholung brauchtest. Wir konnten den Kampf nicht für dich kämpfen. Und du hast den Kampf nicht aus Mangel an Kraft und Tapferkeit verloren. Du warst stark, unendlich stark. Nur die Medizin war schwach. Die Forschung war schwach. Der Fortschritt war zu schwach. Es war dein Kampf. Jetzt ist es unser Kampf geworden. Jeden Tag kämpfen wir. Gegen die Trauer. Gegen das Vermissen. Gegen das Gefühl, alles hinschmeißen zu wollen manchmal. Gegen das Vergessen. Wir kämpfen für dich. Wir sind nicht so stark wie du, längst nicht so stark. Aber immer wenn ich denke ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr und ich bin müde, dann denke ich an dich. Denke an deine Tapferkeit und deinen Kampf. An dein Lächeln im Angesicht des Todes und daran, wie du durchgehalten hast. Und so halte ich auch durch. Jeden Tag. Im Gedenken an dich. Was hilft es dir, wenn ich aufgeben? Was hilft es mir? Du würdest es nicht wollen. Du hast mir vorgemacht, wie es geht. Es ist okay, traurig zu sein. Man darf müde sein und man darf weinen. Aber dann muss man weitermachen. Wieder aufstehen. Einen Fuß vor den anderen setzen. Nicht zu weit nach vorn schaun, nicht den ganzen Berg ansehen, der vor einem liegt, sondern immer nur den nächsten Schritt. Einen kleinen, und dann noch einen. So kommt man langsam voran. Und irgendwann, nachdem es lange bergauf ging, steil und schwer war, wird auch mal wieder ein leichter Tag kommen, einer mit Rückenwind. Einer mit Lachen und Schmetterlingen. Einer, an dem man durchatmen kann. Dein Kampf ist jetzt unser Kampf. Und wir werden ihn kämpfen, bis es so weit ist und wir dich wieder in die Arme schließen dürfen.

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