Wer ich bin

Seit Mikas Tod wurde mir ein paar Mal gesagt, dass man gern wüsste, wer ich bin. Was für ein Mensch. Ich habe darüber nachgedacht. Ich habe mir meine Gedanken gemacht. Wer bin ich? Für andere? Und für mich selbst? Ich bin Studentin. Doktorandin. Ich bin Psychologin und Forscherin. Ich bin eine Schwester, eine Tochter, eine Schwiegertochter. Eine Enkelin. Bin eine Freundin. Eine Feindin. Ich bin eine Ehefrau. Ich bin eine Mutter. Ich bin introvertiert und extrovertiert zugleich. Chaotisch und desorientiert. Aber gewissenhaft. Loyal. Ich bin stark und ich bin schwach, alles zu seiner Zeit. Ich rede zu laut. Ich bin empfindlich. Ängstlich manchmal. Grüblerisch. Ich bin die Frau, die ihr Kind verloren hat. Ich bin die, die manchmal in Gesprächen auf einmal still wird. Ich bin die, die manchmal in Tränen ausbricht, ohne dass man einen Grund sehen kann. Die, die manchmal Feiern nicht erträgt. Die manchmal weggehen muss. Die, die offen ist und ihr Herz auf der Zunge trägt. Wenn ein Herz zerbrochen ist, kann man es nicht mehr verletzen. Deshalb werfe ich es in die Welt hinaus. Die, die oft lacht auch wenn ihr Herz weint. Die, die sich manchmal nicht freuen kann, wenn sie ein Baby sieht, und sich dann schrecklich fühlt. Die manchmal Dinge einfach nicht schafft und sagen muss: „Ich kann das heute nicht.“ Ich bin die, die vieles vergibt, aber manches nie. Die, die nur noch wasserfeste Schminke trägt. Aber auch die, die ihre Maske abgesetzt hat und der Welt ihr Gesicht zeigt. Die, die von ihrem Kind erzählt, egal ob es jemand hören will. Ich bin die, die sich nicht mehr auf ihren Geburtstag freut. Die, die manche Tage einfach nicht erträgt, für die manche Daten zu viel Gewicht haben. Die einen Baum besuchen geht statt zu feiern. Ich bin die, die keine Angst mehr vor dem Tod hat, weil sie ihn kennt. Die, für die der Tod das Ziel am Ende eines langen Weges ist. Ich bin die, die jeden Tag kämpfen muss. Für die jedes fröhliche Ereignis immer ein bisschen weh tut. Die, die nie vergessen wird, und auch nicht will. Der kleine Dinge manchmal viel zu viel bedeuten. Aber ich bin auch die, die Ja sagt zum Leben. Die, der manche Dinge jetzt einfach egal sind. Ich bin die, die innerhalb sehr kurzer Zeit mehr Liebe erfahren hat, als andere in ihrem ganzen Leben. Die, die das Bedürfnis hat, diese Liebe tausendfach an die Welt weiterzugeben. Ich lache. Ich weine. Ich liebe von ganzem Herzen. Ich vermisse. Ich sehne mich. Ich kämpfe. Ich singe und ich schweige. Ich bin die, die die Schmetterlinge liebt, weil sie einen besonderen Schmetterling hat. Ich kenne euch andere Mütter da draußen, die so sind wie ich. Ich sehe den Schmerz hinter eurem Lächeln. Ich sehe euren Kampf und eure Masken. Ich bin ihr und ihr seid ich. Ich bin Schmetterlingsmama. Mutter von Schmetterlingsmika. Und ich will nichts anderes sein auf der Welt als das.

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