Schmetterlingsbeisetzung

Der Tag deiner Beerdigung war zu Beginn bedeckt, aber trotzdem war er schön. Wir trafen uns einige Zeit vor Beginn mit dem Bestatter, um deinen Baum zu schmücken. Deine Omi hat Sonnenblumen gekauft für dich und wir bedeckten die Wiese um deinen Baum herum mit Sonnenblumenköpfen. In den Baum hängten wir Windspiele, bunte für Kinder mit flatternden Bändern, ein klingendes aus Glas und ein glitzerndes, aus Metall mit einem glitzernden Juwel in der Mitte. Das Podest, auf dem deine Urne stehen sollte, bedeckten wir mit deinem Tragetuch. Darauf kam noch der Kranz. Wir hatten auch Rosenblätter gekauft, denn niemand sollte Erde zu dir ins Grab werfen müssen. Rosenblätter sind wunderschön und fallen sanft. Bunte Farben wählten wir aus, gelb und rosa.

Mikas Grabplatz

Als wir ankamen hing schon das Schild an deinem Baum. Die Zeit, die darauf steht, ist viel zu kurz. Du hättest mehr verdient gehabt. Ein ganzes Leben. Aber der Krebs hat dich geholt und dir dieses Leben gestohlen. IMG_3900

Die Zeremonie begann schon am Parkplatz. Wir begrüßten alle Gäste, niemand war in Trauerkleidung gekommen. Nicht einmal der Bestatter. Wir waren eine bunte Gruppe Menschen. Ich trug dir Urne mit dir darin, und dein Schmetterlingspapa stütze mich dabei, Arm in Arm gingen wir den sonnigen Weg durch den Wald bis zu deinem Baum. Er wurde von der Sonne angestrahlt, hell und freundlich sah es aus. Wir begannen deine Feier mit einem Lied von den Söhnen Mannheims. „Wenn du schläfst“ heißt es. Es gibt wieder, was wir so sehr empfinden, immernoch. Wir wollen in deiner Nähe sein. Dich beschützen. Das war unsere Aufgabe und es ist so schwer, dass wir nun nutzlos geworden sind in dieser Hinsicht. Der Pfarrer sprach wunderbare Worte über dich, erzählte von dir, davon, dass es zu früh war – so viel zu früh. Er sprach über deinen Baum und dass er jetzt an deiner Stelle wachsen muss. Dann fing es langsam an leicht zu regnen. Wir sangen „Hallelujah“ von Leonard Cohen für dich. Ich sang laut und verzweifelt, in der Hoffnung, dass du mich hörst. Der Regen wurde immer stärker. Wie man es sonst nur aus Filmen kennt. Wir ließen deine Urne herab, dein Schmetterlingspapa und ich, und alle machten Seifenblasen für dich. Dann warf jeder Rosenblätter zu dir herab, als letzten Gruß. Dann machten wir alle einen großen Kreis, fassten uns an den Händen und beteten für dich. Und wir spielten ein letztes Lied für dich. „We’ll meet again“ von Johnny Cash. Ich bin sicher, wir sehen uns wieder, mein Schmetterling. Es regnete so stark am Ende, alle standen unter ihren Schirmen. Dein Onkel und ich grinsten uns an. Wir wussten, dass du den Regen geschickt hattest. Es war einfach ein zu seltsamer Zufall. Am Schluss gab ich die Milch zu dir ins Grab. Und als wir dann gingen, deine Familie, deine und unsere Freunde und wir, kam die Sonne wieder heraus. Der Himmel war mit uns traurig gewesen und jetzt zeigte er sich von seiner schönsten Seite. Auf dem Parkplatz ließen deine Großeltern Luftballons steigen, mit Nachrichten für dich. Einen für jeden Lebensmonat. Ich hoffe, sie sind bei dir angekommen. Nach der Beerdigung gab es eine Grillparty. Und am Schluss zündeten wir den Kamin an. Dein Schmetterlingspapa und ich konnten mit Hilfe des Bestatters unsere Abschiedsbriefe an dich und ein Foto von uns in die Urne schmuggeln. Die anderen Briefe an dich, von all deinen Lieben, kamen ins Feuer. Wir schickten sie dir so hinterher. Deine Uromi hat dir sogar ein Foto geschickt. Ich hoffe du hast unsere Nachrichten bekommen, mein Schmetterling. Ich wünsche es mir so sehr.

We’ll meet again,
don’t know where- don’t know when.
But I know we’ll meet again some sunny day.
Keep smiling through just like you always do.
Til‘ the blue skies drive the grey clouds far away.

And will you please say hello to the folks that I know,
tell them that I won’t be long.
And they’ll be happy to know, that as you watched me go,
I was singing this song.

We’ll meet again.
Don’t know where- Don’t know when.
But I know we’ll meet again some sunny day.

(Johnny Cash)

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2 Gedanken zu “Schmetterlingsbeisetzung

  1. Ich habe meinen Sohn auch am 13.8. still geboren in der 19.ssw.
    Die Sammelbestattung war wunderschön und so unendlich traurig. Es tut mir so unendlich Leid!!!
    Es schmerzt so sehr und ist einfach nur Schrecklich!

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    1. Es tut mir so leid, dass du diesen Weg gehen musst. Wir fühlen das selbe. Es ist nicht fair und es sollte anders sein. Unsere Kinder sind gemeinsam hoch geflogen in den Himmel. Mika war ja schon ein bisschen älter, ich bin sicher er hat deinen Sohn an die Hand genommen und sie sind mit allen Sternenkindern dieses Tages hoch geflogen. Es war eine Sternenschnuppennacht, die Nacht zum 13., und ich glaube, der Himmel selbst hat ihnen so den Weg gezeigt. Fühl dich still umarmt.

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