Beerdigungsvorbereitungen

Wie gestaltet man eine Beerdigung für ein Kind? Was ist Richtig, für das, was so falsch ist? Man hat tausend Ideen für die Geburtstage der eigenen Kinder, für Feste, mit denen man ihnen eine Freude machen kann. Aber man will und sollte nicht darüber nachdenken müssen, wie man die Beerdigung des eigenen Kindes gestalten soll. Für uns stand eine Frage bei allen Entscheidungen im Mittelpunkt. Hätte es dir gefallen? Angefangen bei der Auswahl der Kleidung. Hätte dir schwarze Kleidung gefallen? Ich glaube nicht. Du warst ein so fröhlicher Junge. So lebensfroh. Schwarze Kleidung passte einfach nicht zu dir. Deshalb baten wir alle Gäste, etwas anzuziehen, was dir gefallen hätte und auf Trauerkleidung zu verzichten. An deinem Papa hat dir zum Beispiel ein blauer Kapuzenpulli mit weißen Kordeln gut gefallen. Du hast sie gern angefasst und mit ihnen gespielt. Ich habe ganz bunte Kleidung getragen, die weich war und Struktur hatte. Du hast beim Stillen so gern über die Dinge gestreichelt, die ich anhatte. Ich erinnere mich so gut an die Berührung deiner kleinen Hände. Sie fehlen in meinem Gesicht und an meiner Kleidung. Sie fehlen in meinem Herz. Es ist einsam ohne dich.

Was hätte dir noch gefallen? Du mochtest Milch. Und ich hatte so viel, viel zu viel abgepumpt und aufgehoben für später. Für ein später, was nie mehr kommt. Deshalb habe ich Milch eingepackt, um sie dir mitzugeben.

Was für ein Kranz ist richtig für ein Kind? Welche Blumen? Nichts massives. Nichts schweres. Leicht und bunt muss es sein. Sonnenblumen. Gelb und fröhlich. Kleine weiße Blumen, fein wie du und ebenso unschuldig. Du mochtest Blumen und Pflanzen, du hast sie gern angefasst. Mochtest ihre Struktur in deiner Hand, das Streicheln ihrer Blätter auf deiner zarten Haut.

Seifenblasen haben dir gefallen. Im Krankenhaus hast du sie kennengelernt und du hast sie sehr gemocht. Hast ihnen zugeschaut, wie sie schillenrnd durch die Luft flogen. Vergängliche, zerbrechliche Dinger sind sie. Wenn sie zerplatzten hast du erstaunt eingeatmet. Also solltest du Seifenblasen haben.

Du mochtest Musik. Du liebtest Gesang. Also war klar, dass es Musik geben musste. Ich wollte für dich singen, mein Schmetterling, aber wir wussten nicht ob ich es allein schaffe und so war klar, wir singen alle gemeinsam für dich. Und wir wollten Musik spielen, nur für dich allein.

Du mochtest dein Tragetuch. Du mochtest bunte Dinge. Du mochtest den Wind, du hast ihn nicht verstanden aber du mochtest ihn.

So setzte sich das Bild nach und nach zusammen. Und wir bereiteten alles vor. Wir kauften ein. Wir organisierten Dinge. Wir planten. Wir weinten viel. Und jeder Tag stand unter dem selben Motto: deinen Abschied so schön wie möglich zu machen. So, wie er dir gefallen hätte. Wenigstens das konnten wir noch für dich tun.

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