Teddybär

Meine Chronologie geht verloren, aber ich muss von deinem Lieblingsteddy erzählen. Und davon, wie wichtig er dir und uns war und ist. Ich habe irgendwann gemerkt, dass du dich beim Schlafen immer umarmt hast. Deine eigenen Ärmchen angefasst hast und dich so geborgen gefühlt hast beim Schlafen tagsüber. Dann habe ich ihn dir einfach mal in den Arm gelegt, als ich dich in deine Federwiege legte und du aufgewacht bist. Und du hast ihn fest gedrückt und an ihn gekuschelt und ihn auf dein Gesichtchen gelegt, wenn es dir zu hell war. Wie die Schmetterlingsmama konntest du nämlich nicht gut schlafen, wenn es hell war. Auch im Krankenhaus war dir der Teddy eine Quelle von Trost und Liebe. Und das hast du gebraucht, so dringend, unendlich dringend. Wenn man so sehr krank ist, kann man das nur ertragen, wenn man um sich herum alle Liebe hat, die es gibt, und sich so geborgen fühlen kann wie möglich. Als du dann deinen Weg gegangen warst haben wir dir den Teddy gegeben, damit du dich nicht so allein fühlen musstest. Damit dein kleiner Körper nicht allein sein musste. Aber wir vermissten ihn, gerade weil er dir so wichtig gewesen war. Dein Schmetterlingspapa und ich wussten nicht, was wir tun sollten. Er wollte ihn gern haben und ich auch, aber wir wollten ihn dir auch nicht wegnehmen. Beides fühlte sich falsch an. Beides machte uns schrecklich traurig. Wir überlegten hin und her und irgendwann kam die rettende Idee. Kleine Kinder merken nicht, wenn man Kuscheltiere gegen ein identisches austauscht. Viele Kinder haben ihr Lieblingstier zwei Mal, falls eines verloren geht oder falls es mal schmutzig wird und gewaschen werden muss. Dein Opa rettete die Situation: er fuhr in die Stadt und kaufte einen neuen Bär. Ausgerüstet damit fuhren wir zum Bestatter und baten ihn, den Bär auszutauschen. Mit bangen Gedanken, denn er hatte ja schon eine Weile bei dir gelegen und man kann biologische Prozesse einfach nicht aufhalten. Sie sind normal, aber unangenehm. Er brachte dir den neuen Teddy und uns den alten. Kalt war er, als wir ihn bekamen, kalt wie du. Ich drückte ihn an mich und roch an ihm. Und er roch wie du. Nicht wie Normal-Mika, aber wie Krankenhaus-Mika. Nicht schlimm. Nicht eklig. Nur kalt. Aber vom Kuscheln wärmte er sich schnell auf. Er schläft jetzt am Kopf deines Schmetterlingspapas und hat an deiner Stelle jetzt einen Ausflug in die Wüste gemacht. Wo du hättest mit uns sein sollen. Aber jetzt ist dein Teddy da und erlebt diese Dinge an deiner Stelle. Und irgendwann nehmen wir ihn mit, wenn wir zu dir kommen. Und dann bringen wir dir alle Erlebnisse mit, die er an deiner Stelle erlebt hat.

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2 Gedanken zu “Teddybär

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