Zeichen

Heute möchte ich eine neue Art von Geschichte einschieben und diese Kategorie wird hier auch noch länger eine Rolle spielen. Heute möchte ich beginnen, von Zeichen zu erzählen. Kleinen und großen. Deutlichen und unklaren. Zeichen, die mir zeigen, dass du, kleiner Schmetterling, auch nach deinem Tod noch bei uns bist. Das erste Zeichen was wir bekamen, hat mit unserer Katze zu tun – genauer gesagt einem Kater. Kimba. Er hasst Kinder – eigentlich. Sie sind ihm zu laut, zu wild, er findet sie einfach anstrengend und nervig und möchte sich, wenn möglich, nicht im gleichen Raum mit ihnen aufhalten. Er tut ihnen nichts, aber üblicherweise verlässt er mit beleidigtem Blick die Wohnung, wenn er sich durch ein Kind belästigt fühlt. Mit Mika war das anders. Kimba und ich haben eine zwiegespaltene Beziehung. Er mag den Schmetterlingspapa lieber. Aber in der Schwangerschaft hat er begonnen, sich auf meinen Schoß zu legen und in der Kimba und MikaNacht als ich Wehen bekam, stand er maunzend vor der Schlafzimmertür, bis wir ihn (ausnahmsweise) rein ließen und er sich zu mir legen konnte. Er wollte immer so gern dort liegen, wo es nach dir roch, mein Schmetterling, nach deiner Geburt. Und er kuschelte gern mit dir, wo er sonst um Kinder immer einen großen Bogen macht. Nachdem du starbst hatten wir Besuch, nur wenige Tage später. Meine Herzensfreundin und deine Patentante ehrenhalber war bei uns. Man sagt, Katzen können Seelen wahrnehmen und es gibt viele Geschichten über Katzen, die schon wissen, wann jemand stirbt. In Altersheimen kommt es manchmal vor, dass Katzen sich schon Tage vor dem Tod vermehrt zu den Bewohnern legen, die bald gehen werden. Man sagt die Seele löst sich schon Tage vorher langsam vom Körper. Vielleicht können Katzen dies spüren. Ich weiß es nicht. Aber eines weiß ich. Kimba hat dich an diesem Abend gesehen. Er saß neben deinem Schmetterlingspapa auf dem Stuhl und schlief. Wir unterhielten uns, weinten ein bisschen und lachten ein bisschen. Dann wurde Kimba wach. Ganz plötzlich, als hätte man ihn aufgeschreckt setzte er sich auf den Stuhl und schaute irritiert umher. Ganz offensichtlich fühlte er sich gestört. War sich gar nicht ganz sicher, wovon. Er tippte vorsichtig mit der Pfote mal das eine und mal das andere Objekt an, auf dem Tisch, auf der Heizung neben dem Tisch, aber offenbar fand er den Grund seiner Irritation nicht. Dann setze er sich aufmerksam schauend auf den Stuhl. Und dann geschah es. Er zuckte immer wieder mit dem Kopf zurück. So wie Katzen es tun, wenn jemand an ihre Schnurrhaare fasst. Wir mussten erst alle schrecklich lachen, so albern sah es aus. Doch dann wurde ich ganz ruhig und sah es mir an. Und mir fiel es wie Schuppen von den Augen: „Ich glaube, das ist Mika.“ Und dann hörte es auf, so plötzlich wie es kam. Ich bin sicher du warst es, kleiner Schmetterling. Du wolltest bei uns sein, und du hast dir große Mühe gegeben, dich zu zeigen. Ich bin eigentlich kein esoterischer Mensch, war ich nie. Aber viele Dinge, die uns passiert sind, lassen mich umdenken. Ich weiß du bist weitergegangen. Aber uns trennt nur ein dünner Vorhang. Und manchmal, da lüftet er sich, ein klein wenig, und du gibst etwas preis. Danke, mein Schmetterlingsjunge, mein Schmetterling Mika.

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2 Gedanken zu “Zeichen

  1. Hallo meine Liebe,
    erst einmal möchte ich dir auch über diesen Weg schreiben, wie berührend ich deine Zeilen finde und dir dafür danken, dass du die schönen und auch tief traurigen Momente mit uns teilst.

    Selber habe ich ebenfalls schon ähnliches mit Verstorbenen und Tieren erleben dürfen – vielleicht erzähle ich dir davon ein anderes mal ein wenig mehr.
    Seither bin ich fest davon überzeugt, dass sie mehr wahrnehmen als wir und manchmal haben wir das Glück, dass wir es durch sie auch erkennen dürfen …

    Ich bin froh, dass Mika euch mit Kimbas Hilfe zeigen konnte, dass er euch niemals ganz verlassen wird. Nicht nur in euren Herzen und Erinnerungen wird er immer einen Platz haben, auch in dieser Welt – er hat lediglich die Seite gewechselt. *umarm*

    Danke auch für das wunderschöne Foto von Kimba und Mika. Es ist voller Zärtlichkeit und Liebe, dass es einem sofort das Herz öffnet und wärmt.

    Ganz liebe Grüße an dich und deinen Mann und eine feste Umarmung

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    1. Liebe Jacky,
      ich freue mich schon darauf, deine Geschichten zu hören, vielleicht wenn wir uns wiedersehen. Es ist nicht die einzige Gegebenheit, zu der Mika sich gezeigt hat, aber sie war sehr eindrucksvoll und deutlich und hat mir noch einmal die Augen geöffnet. Darüber bin ich sehr froh. Und ich bin froh, dass Kimba bei uns ist und uns gezeigt hat, dass er Mika lieb hatte – auf seine eigene Art und Weise. Sowohl im Leben als auch irgendwie danach.

      Liebe Grüße und eine Umarmung zurück, und bis bald

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