Dèja vue

Als wir vom Spaziergang zurück kamen durftest du noch ein kleines bisschen ohne deine Infusionen bleiben, damit wir dich mal wieder so richtig schick machen können. Wegen all der Schläche, Elektroden und Kabel war es kaum möglich, dich richtig zu waschen und deine Probleme mit Lagerungswechseln taten ihr Übriges dazu, dass du schon länger nur Katzenwäschen bekommen hattest. Also bekamen wir vom Krankenhaus eine große Schüssel und lecker riechenden Badezusatz und Creme und wir machten ein Wellnessprogramm für dich. Es war sehr warm, sodass es auch nackig schön gemütlich war, haben warmes Wasser geholt und dich ein bisschen gepflegt. Ich habe dir immer schon erzählt, was ich mache, wenn wir dich gewaschen haben, sodass ein kleines bisschen Normalität wieder in den Alltag eingekehrt ist. Gesicht waschen waschen, Schildkrötenhals waschen waschen (wegen der ganzen Falten), Händchen waschen waschen, Fussis waschen waschen. Bäuchlein waschen waschen… so habe ich es dir immer erzählt, während wir dich wuschen. Ich bin ein bisschen traurig, dass wir dich nicht baden durften, aber mit dem Katheter, der noch so frisch war, war das einfach nicht möglich, weil du so gern geplanscht und gespritzt hast und man dich am Ende so viel stützen musste, weil dein Köpfchen so schwer war. Nach dem Waschen habe ich dich eigecremt, ein bisschen massiert. Das mochtest du gern. Leider konnte ich dich nicht auf den Bauch legen, weil du deinen Kopf nicht mehr gut halten konntest, aber trotzdem hast du dich wohl gefühlt. Ich wünschte nur es wäre nicht das letzte Mal gewesen. Du konntest den ganzen Tag schon nicht Trinken und wir besprachen mit den Ärzten, ein letztes, stärkstes Mittel gegen Erbrechen einzusetzen. Du hattest schon Vomex bekommen, Zofran und als letzten Versuch wollten wir Dexamethason probieren, weil alles nichts half und du immer so schlimm erbrechen musstest. Leider half auch das nicht. Es war als hättest du Wasser bekommen. Irgendwann am frühen Abend wurdest du komisch. Warst müde und ein bisschen abwesend. Ich hatte das Gefühl irgendwas war mit deinen Augen nicht in Ordnung. Es wurde immer schlimmer und irgendwann riefen wir die Ärzte. Du zeigstes wieder Symptome wie vor deiner Not-OP. Deine Augen wollten nicht mehr fixieren. Rollten immer zur Seite weg. Ich bekam panische Angst. Die Ultraschalluntersuchung hatte doch keinen Hirndruck gezeigt?? Die Ärzte sahen sehr ernst aus. Du musstest runter zum CT. Wir eilten mit dir durch die Gänge, wieder piepten alle Monitore und es war ein grauenhaftes Dèja vue. Ich wollte mit rein, aber man riet mir ab wegen der Strahlenbelastung. Auch dein Schmetterlingspapa wurde diesmal rausgeschickt, er war schon zu oft dabei gewesen. Ich musste mich setzen, mir wurde schrecklich schwindelig. Ich hatte das Gefühl der Boden unter meinen Füßen raste wie ein Fahrstuhl nach unten. Das Bild dauerte nur ein paar Sekunden, aber mir kam es wie eine Ewigkeit vor. Dann gingen endlich die Türen wieder auf und wir durften wieder zu dir. Als wir dich rausschoben konnte ich einen schnellen Blick auf das CT-Bild erhaschen und da wusste ich es eigentlich schon, auch wenn ich es natürlich nicht wahrhaben wollte. Der Tumor hatte begonnen, deinen Hirnstamm zu zerdrücken.

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