Yolo?

Du hast mich verändert, mein kleiner Schmetterling. Du und deine Geschichte. Unsere Geschichte. Wenn so etwas im Leben passiert, dann verändert es einen. Es sortiert Prioritäten neu. Es verändert unsere Sichtweise. Es verändert unsere Persönlichkeit. Es macht uns härter und weicher zugleich. Es lässt Dinge in den Hintergrund rücken und rückt andere Dinge in den Vordergrund. Es macht uns verletzlich, aber auch unverwundbar. Deine Schmetterlingsmama ist jemand, die sich Dinge oft versagt. Ich kann das nicht machen, es ist zu teuer. Ich kann das nicht machen, es passt zeitlich gerade nicht. Tausend Beispiele in meinem Kopf von Dingen, die ich nicht getan habe. Kleinigkeiten, die ich mir nicht gegönnt habe. Nein ich kann jetzt nichts unternehmen, nichts Schönes für mich machen. Es muss doch geputzt werden. Ich kann jetzt nicht mit dir rausgehen, kleiner Schmetterling, denn ich muss noch staubsaugen. Ich habe schon vor dem Krankenhaus begonnen, daran zu arbeiten. Und jetzt ist es mir sonnenklar. Nein. Ich muss nicht staubsaugen. Es bringt mich nicht um, wenn meine Wohnung schmutzig ist, oder wenn mal etwas liegenbleibt. Es bringt  mich nicht um, wenn ich mir für 2 € und ein paar zerquetschte eine Süßigkeit kaufe, die ich haben will. Andere Dinge bringen mich irgendwann um. Und was nützt es mir, wenn ich immer verzichtet habe? Wenn ich auf den richtigen Zeitpunkt gewartet habe – der dann nie kam? So lange ich durch Dinge, die ich tue, nicht am Hungertuch nage oder die Persönlichkeitsrechte anderer Menschen verletze, werde ich das tun. Ich weiß nicht, wie viel Zeit mir geschenkt ist. Ich will auf mein Leben zurückblicken können und sagen: ich habe es genossen. Ich habe es ausgekostet, in vollen Zügen. Ich will nicht sagen müssen: hätte ich mal. Wäre ich doch. Zu spät. Vertan, vertan. Manchmal hat man einfach keine Zeit mehr, um Dinge nachzuholen. Tu sie jetzt. Heute. Fang an. Nimm deine liebsten in den Arm, wenn du willst. Wenn du mit deinen Kindern spielen willst, dann spiel mit ihnen. Scheiß auf das dreckige Geschirr. Das kann warten. Deine Kinder nicht. Wenn du etwas haben willst, und es nicht verhindert, dass du am Ende des Monats noch genug zu Essen hast, dann kauf es dir. Unternimm etwas, wenn es sonnig und schön draußen ist. Morgen schon kann es ganz anders sein. Wenn du jemanden magst, sag es ihm. Umgib dich mit den Menschen, die dich glücklich machen. Wenn dich jemand unglücklich macht, dann lass ihn aus deinem Leben heraus. Niemand verleiht dir eine Medaille, weil du Dinge aushältst. Wir wissen nicht, wie viel Zeit wir haben. Scher dich nicht darum, was man von dir denkt, weil du eine Mickey-Maus-Hose trägst, wenn sie dir gefällt. Mach dich selber glücklich. Vielleicht gibt es kein Später. Das hast du mir gezeigt, mein wunderbarer Schmetterlingsjunge. Carpe diem, vielleicht. Yolo – ein bisschen. Ich weiß, es gibt Dinge, die gehen wirklich nicht. Aber viel zu oft schaffen wir uns unsere Mauern selbst, und wenn wir genauer hinsehen, dann sind sie nur aus Papier. Lass uns unsere Papiermauern gemeinsam niederreißen. Und erst dann aufhören, wenn wir bei denen angekommen sind, die wirklich aus Stein sind. Auf einmal sind unsere Räume so viel größer.

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2 Gedanken zu “Yolo?

  1. Ich habe deine (eure) Geschichte schon in der Gruppe verfolgt und sehr gehofft, dass sich alles zum Guten wendet – leider war das nicht der Fall. Das hat mich sehr traurig gemacht. Ich wünsche euch ganz viel Kraft. Aber ich denke, dass du das schaffst, denn du bist anscheinend eine starke Frau. Deine Seite gefällt mir sehr – trotz der traurigen Geschichte. Du bist eine tolle Mama – Mika hatte viel Glück mit euch. Man spürt aus jeder Zeile und jedem Wort, wie sehr er geliebt wurde. Deinen neuesten Bericht finde ich toll, so toll dass ich einfach schreiben musste. Denn es ist richtig, man opfert oft wertvolle Zeit zugunsten von unwichtigen, banalen Dingen. Man schimpft über Schulnoten, die so schlecht gar nicht sind 😉 Und regt sich über Kleinigkeiten auf. Viel wichtiger ist es, sein Kind zu drücken und ihm zu sagen, wie lieb man es hat. Denn nichts ist selbstverständlich. Danke dass du mir mal wieder die Augen geöffnet hast !!! Dir und deinem Mann wünsche ich weiterhin viel Kraft !

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    1. Liebe Conny,
      vielen Dank. Ja ich hätte mir auch gewünscht, dass unsere Geschichte anders ausgeht. Jetzt müssen wir versuchen, irgendwie damit umzugehen. Ja du hast Recht, wenn man sich mal überlegt, wieviel Zeit man aufwendet für Dinge, die eigentlich gar nicht wichtig sind… Ganz doofes Beispiel: wir haben einen Glastisch. Der ist etwa alle 3 Tage dreckig. Wenn ich ihn nen Tag eher abwische, ist er nach 3 Tagen wieder dreckig, aber auch wenn ich es einfach nen Tag liegen lasse. Wir machen uns selber Arbeit um irgendwelchen Ansprüchen zu genügen, und darüber verlieren wir Zeit für schöne Sachen. Ich danke dir. Ja, drück deine Kinder, so viel du kannst. Es muss ja nicht immer was Schlimmes sein, was passiert, aber die Pubertät kommt auch früh genug und dann haben sie erstmal keine Lust mehr drauf 😉 Man muss die Zeiten nutzen, wenn man sie hat. Danke, dass du da bist und mitliest.

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