Gemeinschaft

Heute möchte ich von etwas anderem erzählen und die Geschichte im Krankenhaus einen Tag ruhen lassen. Ich möchte von einer Gemeinschaft erzählen. Einer, die sich gebildet hat, als wir mit Mika im Krankenhaus waren, und die uns trägt und begleitet, bis heute. Ich war mit meinen ganz normalen Mamasorgen im Krankenhaus, den Gefühlen und Problemen die man hat, wenn das Kind leidet und man nicht sicher weiß, was ihm fehlt. Hatte mit den normalen Alltagsproblemen in einem Krankenhaus zu kämpfen, Essensmarken für die Cafeteria wenn man da gar nicht hinkann, keine Zeit zum duschen, und anderem. Zum Glück hatte ich eine nette Elterngruppe, in der ich mich austauschen konnte. Uns verband das Bestreben, unsere Kinder möglichst ‚artgerecht‘ und bedürfnisorientiert aufwachsen zu lassen. Viel tragen, lange stillen, nie schreien lassen, Bedürfnisse achten und befriedigen. Auf der Basis hatten wir uns zusammengefunden. Als ich nun meine Sorgen und Nöte, meine Ängste und Frustrationen, dort ablud, schlug mir eine Welle von Verständnis und liebevollem Zuspruch entgegen. Diese Mamas (und bestimmt auch ein paar Papas) haben uns begleitet. Die Ungewissheit, das Warten. Die grauenhafte Diagnose, die wie ein Schlag ins Gesicht war. Die Verzweiflung. Sie haben eine Gruppe gegründet, um uns Zuspruch zukommen zu lassen, an dich zu denken mein kleiner Schmetterling. Es ist dort etwas wunderbares passiert und gewachsen. Wir bekamen Karten geschickt, selbstgemalte Bilder, gehäkelte Schmetterlinge. Trostspender für uns und Buntes für dein Krankenzimmer. Sogar ein kleiner Babypostbote kam zu uns und brachte uns Umschläge. Hilfsangebote in jede mögliche Richtung: schöne Dinge für dich nähen, Essenspakete ins Krankenhaus schicken, allgemein Carepakete für dich und uns. Hilfe bei Recherchen, Kontakte zu Experten, Hilfe beim Verstehen von Befunden. Wir bekamen Urlaubsmöglichkeiten zur Erholung angeboten. Und immer wieder die Gewissheit: egal welche Uhrzeit, irgendjemand ist wach. Wir sind für euch da. Wir denken an euch. Diese Gemeinschaft war und ist unglaublich. Als du starbst, in einer Sternenschnuppennacht, haben so viele Menschen mit uns und um dich geweint. So viele Tränen nur für dich. Du hattest ein Meer, um darin zu schwimmen, und wie Diamanten haben sie dich hoffentlich auf deinem Weg nach oben begleitet. Die Anteilnahme hatte keine Grenzen. Wir haben Spenden bekommen, um dir einen wunderschönen Abschied zu ermöglichen, ohne Rücksicht auf Geld nehmen zu müssen. ‚Fremde‘ Menschen, auch wenn sie sich längst nicht mehr fremd anfühlten, schenkten uns damit eine so wundervolle Zeremonie. Wir bekamen Karten, kleine Geschenke und Erinnerungen, und auch jetzt noch reißen die Hilfsangebote nicht ab. Reißt das Mitgefühl nicht ab, der Zuspruch. Wir sind gemeinsam an dieser Erfahrung gewachsen. Es sind die kleinen Gesten und Worte, die alles erträglicher machen. Und oft bekomme ich Nachricht: „Euer Weg hat uns verändert. Wir nehmen alles anders wahr, erleben die Zeit mit unseren Kindern anders. Haben ein anderes Bewusstsein für den Wert dieser Zeit.“ Ich habe gelernt, dass jeder Mensch mit einer Aufgabe auf die Welt kommt. Ich glaube, dass das vielleicht ein Teil deiner Aufgabe war, kleiner Mann. So viele Herzen zu bewegen und Menschen zu verändern. Augen zu öffnen. Du hast etwas bewirkt. Du bist nicht umsonst gegangen. Wir fühlen uns behütet durch das, was du uns hinterlassen hast: Liebe. Denn Liebe ist es, die die Menschen in ihren Gesten und Worten zum Ausdruck bringen. Liebe zu ihren Kindern, zu ihrer Familie, zu ihren Freunden. Sie spüren wie sie sich fühlen würden, und die Liebe lenkt ihre Gedanken. Ich werde dafür sorgen, dass du auch über deinen Tod hinaus Herzen bewegen kannst, kleiner Schmetterling. Du hast deine Aufgabe gut gemacht, großartig sogar. Ich werde sie für dich weitermachen. Wir werden gemeinsam versuchen, zu zeigen, was das einzig Wichtige ist. Liebe.

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2 Gedanken zu “Gemeinschaft

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