Intensivstation

Auch bei dieser OP gab es wieder das schlimme, unendlich lange Warten. Stundenlang. Wir sind spazieren gegangen, draußen in der Sonne, wären sonst sicher verrückt geworden vor Sorge. Wir wussten, dass du eine Blutkonserve bekommen solltest, weil deine Blutwerte schlecht waren, Babykonserve nennen sie die. 120ml bestrahltes Blut. Blutgruppe A hattest du, dabei war ich mir so sicher, dass du 0 haben müsstest, wie ich. Babykonserven mussten erst geliefert werden, aber sie hatten auch Notkonserven bereit liegen, so heikel war der Eingriff. Und du hast sie gebraucht, haben wir hinterher gelernt. 2 Blutkonserven mussten sie dir geben. Der Tumor wollte dich so dringend umbringen, wollte sich nicht besiegen lassen. Geblutet hat er wie verrückt. Die OP wurde viel größer als geplant, sie mussten mehr Tumor entfernen, um die Blutung zu stoppen, kamen näher an deine Hirnnerven als sie wollten. Aber du hast einen Schutzengel gehabt, der dir noch etwas Zeit mit uns schenken wollte. Dir ist nichts passiert. Du bist zurückgeschickt worden. Aber du hattest dich verändert. Du hattest die andere Seite schon gesehen. Deine Augen waren alt geworden, mit dem Eingriff. Es waren nicht mehr die unbeschwerten Kinderaugen, die unschuldigen und unbedarften. Ich denke du bist schon kurz drüben gewesen, wusstest schon wo du hingehen würdest. Wenn man es mit den Bildern von vorher vergleicht, ist der Unterschied erschreckend. Du hast mit einem Mal alt und irgendwie weise ausgesehen. Ich konnte es noch nicht sehen aber deine Omi wusste schon da, dass du gehen würdest.

Mika nach der Not-OP
Mika nach der Not-OP
Mika nach der Not-OP2
Mika nach der Not-OP 2

Als wir endlich den erlösenden Anruf bekamen und endlich wieder zu dir durften, war das Gesamtbild einfach erschreckend. Du lagst allein in diesem riesigen Krankenhausbett, mit all diesen Kabeln, Schläuchen, Monitoren, der Drainage in deinem Kopf, überall hingen Beutel und Gefäße um deine Körperflüssigkeiten entweder zuzuführen oder abzulassen, dich zu vermessen, auszugleichen was dein Körper nicht mehr leisten konnte. Und du hattest mehr Probleme nach dieser OP. Dein armes Gehirn schaffte es nicht mehr, deine Körpertemperatur zu regulieren. Normal nach so einem Eingriff, trotzdem erschreckend. Du lagst auf der eiskalten Intensivstation, hattest nichts an außer deiner Windel, und trotzdem hattest du oft trotz aller Medikamente 39 Grad.Mika auf der Intensivstation Dein Herz schlug viel zu schnell. Dein Atem ging zu schnell und durch die Intubation hattest du Sekret in der Lunge. Dein Natriumhaushalt funktionierte nicht mehr richtig. Alles vom Hirn gesteuert. Ständig piepte irgendwas, irgendein Tropf war leer, es musste irgendwas gespült werden, dein Herz war zu schnell, deine Sauerstoffsättigung zu gering, deine Temperatur zu hoch… aber du hast so tapfer durchgehalten. Musstest auch hier immer wieder brechen. Konntest nichts mehr trinken. Aber du hast weiter gekämpft, hast die Nachwirkungen der OP so niedergerungen. Hast wieder angefangen zu spielen, nach ein paar Tagen. Du warst so unglaublich tapfer und hart im Nehmen. Wir sind so stolz auf dich, kleiner Kämpfer. Wenn es nur die geringste Chance gegeben hätte, dann hättest du überlebt. Die Zeit auf der Intensivstation war die anstrengendste des gesamten Krankenhausaufenthaltes. 3 Stunden bei dir sitzen, dann 3 Stunden schlafen. Tag und Nacht. Zwischendurch mal schnell essen, duschen, auf die Toilette, auf Kosten der Schlafenszeit. Nie auf Kosten deiner Zeit. Und die Diagnose ließ weiter auf sich warten.

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2 Gedanken zu “Intensivstation

  1. Hallo , unsere Tochter (12 Jahre) kämpft auch gegen eine Hirntumor , die letzten 3 Wochen auch auf der Intensivstation , jedes Wort ,jedes Gefühl kenne ich so gut , ich wünsche euch alles alles Liebe und Gute Lg Margit

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    1. Liebe Margit,

      das tut mir so leid 😦 Ich wünsche eurer Tochter, dass es ihr bald besser geht und sie gesund werden kann! Ich hab mir eure Seite angeschaut und es schnürt einem die Kehle zu, weil ich so viel davon kenne. Ich wünsch mir so sehr, dass es bei euch ein besseres Ende nimmt. Ich werde eure Geschichte weiter verfolgen und fest an euch denken und eurer Tochter alle Daumen drücken.
      Liebe Grüße,
      Ricarda

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