Scherben

Ein paar Tage lang ging es immer auf und ab mit dir. Dein armer Schmetterlingspapa musste auf einen Lehrgang fahren und sorgte sich aus der Ferne, ich sorgte mich bei dir. Dir ging es gar nicht gut, aber gefunden haben sie nichts. Zwischendurch gab es mal einen Lichtblick, du hattest aufgehört zu erbrechen, hast fast einen ganzen Tag wieder normale Stillmahlzeiten zu dir genommen und sie haben dich von den Infusionen abgemacht. Mika an einem guten TagWir dachten, jetzt geht es endlich nach Haus. Spuk vorbei. Egal dass sie nicht herausfanden, was es ist. Hauptsache vorbei. Wir hatten uns aber zu früh gefreut. Abends ging es wieder los. Es ging dir wieder schlechter. Wenn ich mir das Bild anschaue, was wir von dir gemacht haben, kommen mir wieder die Tränen. Du siehst so hoffnungsvoll aus. Eigentlich so gesund, lebendig und zufrieden. Dabei warst du so schrecklich und grausam krank. 3 Wochen danach warst du schon tot.

Sie haben weiter untersucht. Dein Bäuchlein abgetastet, alles ganz normal. Schön weich, nichts zu erkennen. Ultraschall gemacht vom Bauch, sah alles super aus. Ein bisschen viel Luft vielleicht. Auch im Magen etwas viel Luft, aber sonst alles bestens. Keine Keime und Viren im Stuhl. Blutparameter alle super. Deine Pupillenreaktion war normal. Sie haben deinen Bauch geröntgt, falls doch irgendwas im Ultraschall nicht zu sehen war. Alles ganz normal. Dann haben sie begonnen, es mit der Angst zu kriegen. Und wir auch. „Kind ist kerngesund. Kotzt nur.“ hab ich sarkastisch gesagt. Und die Schwester hat mich mit großen Angstaugen angeschaut und gesagt: „Bitte sagen Sie sowas nicht.“ Ultraschall vom Kopf. Alles normal, Glück gehabt. Vielleicht etwas große Meningen, aber kein Hirndruck, kein nichts. Keine Kopfsteifigkeit, Entzündungswerte normal, also keine Meningitis. Wir waren erleichtert. Hätten wir nur gewusst, dass nur ein, zwei cm unter der Stelle, wo der Schallkopf nichts mehr darstellen konnte, das Monster in der Dunkelheit gelautert hat. Ein Augenarzt kam, um deinen Augenhintergrund zu prüfen: alles super, kein Hirndruck. Die Vorzugshaltung deines Kopfes kam allen etwas komisch vor. Du warst 2 Wochen vorher auch gestürzt, also gab es zwei Gründe um noch ein Röntgenbild von der Halswirbelsäule zu machen. Aber wieder: alles ganz normal. Kind gesund. Kotzt nur. Das Monster lag auch hier nur ein paar cm über der Stelle, die geröngt wurde. Es hat sich so verdammt gut versteckt. Die ständige Angst, die Erleichterung wenn nichts gefunden wurde und dann wieder das Entsetzen, weil du aber einfach nicht gesund werden wolltest. Wir einfach nicht wussten, was dir fehlt. Ich habe so oft so verzweifelt geweint, kleiner Schmetterling. Die Schwestern kamen und hielten mich im Arm. Dein Schmetterlingspapa ist nach Haus gekommen von seinem Lehrgang, konnte es nicht aushalten ohne dich zu sein wo du so krank warst. Und es war gut, so gut, dass er kam. Denn die Ärzte entschieden, ein CT zu machen. Kam ihnen alles zu komisch vor, war zu seltsam. Die Bilder waren gemacht worden und wir mussten warten, bis sie ausgewertet waren. Deine Großeltern waren bei dir, bei uns, zum Glück. Denn dann kamen die Ärzte wieder. Mit ernsten Augen. Mit Angst im Gesicht. Mit Mitleid. Und dann kam der Satz, den ich mein ganzes Leben nie wieder vergessen werde und mit dem unsere heile Welt endgültig in Scherben fiel: „Es tut uns Leid. Wir haben etwas gefunden.“

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