Der Anfang vom Ende

Heut muss ich anfangen zu erzählen, was passiert ist. Wie und warum. Irgendwann muss ich mir ja ein Herz fassen. Ich würd gern eine andere Geschichte erzählen, eine mit Happy End. Und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage. Leider endet unsere Geschichte nicht so.

Eigentlich war alles ganz in Ordnung. Du hattest ab und zu morgens mal gespuckt, kleiner Schmetterling. Ziemlich viel auf einmal sogar. Aber ich hatte ja gelernt: Kinder spucken halt mal, nach dem Stillen. Morgens hatte ich immer viel Milch und ich dachte: hast dich halt überfressen. Speikinder sind Gedeihkinder. Und weil der restliche Tag immer gut war, dachte ich das ist schon okay so. Bei den U-Untersuchungen sagten sie uns: ab und zu spucken ist normal. Nicht im Strahl nein? Dann ist alles okay. Das hab ich geglaubt und das Thema in meinem Kopf abgehakt. Im Nachhinein gibt es ein paar Zeichen, dass es dir nicht so gut ging. Du warst nicht so agil wie vorher, mochtest nicht mehr so gern auf dem Bauch liegen, dein Kopf war dir dabei zu schwer. Ich habe mich gewundert und nachgelesen. Bei dem Wachstumsschub, der anstand, ganz normal. Alles in Ordnung, alles in der Norm. Im Kopf abgehakt. Du warst ein bisschen unleidlich. Im Schub alles normal, alles in der Norm. Du hast ab Mittwoch viel gejammert. Nicht geweint, nur so vor dich hingejammert. Aber du warst auch geimpft worden, also alles normal. Alles in der Norm. Im Kopf abgehakt. Ich habe dich einfach extra viel gekuschelt, du hast im Tragetuch gewohnt und dort warst du zufrieden. Stillen wolltest du nicht mehr viel, aber auch das ist im Schub ja manchmal normal. Du hattest ein gutes Gewicht, 7kg, alles bestens. Dachten wir. Ich hab sogar einmal gestöhnt und mich beschwert: Wenn das nicht bald aufhört werd ich bekloppt, hab ich gesagt. Wie leid mir das jetzt tut, kleiner Schmetterling. Wenn ich nur gewusst hätte, was du mitmachst und wie tapfer du eigentlich warst. Du musst schreckliche Kopfschmerzen gehabt haben. Aber du hast nie geschrien, du warst so hart im Nehmen. Ich hab dein Gejammer auch auf die Temperatur geschoben. Es war extrem heiß, nicht dein Lieblingswetter. Am Samstag waren wir noch bei deinen Großeltern eingeladen. Du hast zum ersten Mal Mineralwasser probiert, weil es dich so interessiert hat, hast selbst das Glas zum Mund geführt, und deine Reaktion war nicht gerade begeistert. Mikas Reaktion auf MineralwasserAm Sonntag dann hatten wir Besuch, wollten Grillen. Nachmittags hast du dann auf einmal begonnen zu erbrechen. Und hast einfach nicht mehr aufgehört. Als du dann das erste Mal im Tragetuch erbrochen hast, wusste ich, irgendwas ist nicht in Ordnung. Ich habe versucht dich anzulegen, immer wieder. Habe versucht dir etwas mit dem Löffel einzuflößen. Absolut nichts hast du bei dir behalten. Du hast richtig gekrampft mein armer Junge. Ganz laut gewürgt. Es war so schwer dich so leiden zu sehen. Wir haben dann alles stehen und liegen gelassen und haben uns auf den Weg ins Krankenhaus gemacht. Mit nichts als ein paar Handtüchern fürs Erbrechen und der Angst im Gepäck. Das war der erste Tag, die erste Stufe auf deinem Weg in den Himmel, mein kleiner Schmetterling. Ich wünschte, ich hätte es verhindern können, aber dein Schicksal war schon besiegelt und keine Macht der Welt hätte es noch ändern können.

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