Dunkle Wolken

Mein kleiner Schmetterling, ich habe am Anfang viel, viel geweint. Ich wusste lange Zeit nicht warum. Schon in der Schwangerschaft habe ich das weltschlimmste Thema gefunden und mich ganz darin versenkt: Sternenkinder. Ich habe so viel getrauert, um Kinder die nicht leben durften. Man hat mich nach dem warum gefragt und mich ermahnt, mich nicht damit zu quälen. „Es kann auch alles gut gehen.“ hat jemand zu mir gesagt. Ja. Kann. Muss aber nicht. Ich wusste selbst nicht warum ich mich damit so quäle, wo du doch so gesund und ich mit dir so glücklich war. Aber es hat mich einfach nicht losgelassen und mich bis in die Nacht und in meinen Schlaf verfolgt. Als du dann da warst, habe ich dich manchmal angesehen, und musste so schrecklich weinen. Ich hatte solche Angst, dass dir etwas passiert, dass ich dir nicht helfen kann. Ich habe dich ganz fest umarmt, dich geküsst und gestreichelt und dir versprochen, dass ich immer für dich da sein werde. Und dass ich so lange ich lebe und so sehr es in meiner Macht steht versuchen werde, alles Übel von dir fernzuhalten. Aber warum nur war ich so traurig? Wochenbettdepression, hab ich gedacht. Hormone. Ganz normal, geht weg. Einfach aushalten, Zeit nehmen zum traurig sein und dann verschwindet der Spuk. Jetzt weiß ich es besser. Ich wusste, dass du gehen würdest, irgendwann. Dass ich dich nicht beschützen kann. Bauchgefühl, sagt man zu sowas. Instinkt vielleicht. Aber man erlaubt sich nicht, darauf zu hören, denn die Vorstellung ist so schrecklich. Man schiebt es weg. Und das war gut und richtig. Wir haben die wunderbarste Zeit gehabt, alle zusammen. Hätte ich die dunkle Wolke über unseren Köpfen nicht weggepustet, hätte sie die ganze Zeit auf uns geregnet. Ich wollte aber Sonne, für dich mein Schmetterling, für mich und deinen Papa. Und davon hatten wir eine Menge. Bis die dunklen Wolken irgendwann am Horizont wieder aufgetaucht sind und meine Puste nicht mehr ausgereicht hat. Aber bis dahin hatten wir die allersonnigste Zeit der Welt.

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3 Gedanken zu “Dunkle Wolken

  1. Eine Bekannte von mir hat ihre Tochter mit 17 Jahren an Krebs verloren. Sie erinnerte sich daran, dass sie mit dem Neugeborenen auf dem Arm damals im Krankenhaus lag und weinte, weil sie so Angst (Vorahnungen) hatte, dass ihr dieses Kind genommen werden würde.
    Ja, es gibt sie diese Vorahnungen, – dieses tiefe Wissen, dass etwas passieren wird.
    Ich kann Dir nur liebe Grüße schicken und drücke Dich ganz herzlich.
    Christine

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    1. Liebe Christine,

      ich bin inzwischen ganz fest davon überzeugt, dass es so etwas gibt. Meine Mama hat solche Vorahnungen auch. Ich glaube viele Leute hören nur einfach nicht genau auf ihr Bauchgefühl, vielleicht auch weil man es ja einfach gar nicht wahr haben will. Mein aufrichtiges Beileid an deine Bekannte. Ein Kind an Krebs zu verlieren ist furchtbar grausam 😦

      Herzliche Grüße und eine Umarmung,

      Ricarda

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      1. Hallo Ricarda,

        Ich habe deinen kompletten Blog gelesen, ich kann nicht aufhören zu weinen.
        Ich bin nach dem Lesen zu meinen Kindern gegangen und hab sie einfach nur geknuddelt.
        Mein Sohn ist gerade 6 Monate alt und es zerreißt mich deine Geschichte zu lesen.
        Wie oft war ich genervt wenn er nachts geweint hat und ich müde war. Ich schäme mich fast dafür.

        Ich habe so grossen Respekt davor wie ihr damit umgeht und umgegangen seid.
        Wie ihr das positive aus allen Situationen zieht und euch nicht unterkriegen lasst.
        Ich weiss nicht ob ich das könnte und hoffe das ich nie herausfinden muss, ob ich es könnte.

        Mika ist so ein hübsches Baby, die Fotos schmerzen mir im Herzen.
        Ihr habt einen wundervollen Sohn, der euch in der kurzen Zeit mehr gegeben hat als mancher Mensch in 80 Jahren.
        Er kann froh sein, euch als Eltern zu haben. So stark und voller Liebe.

        Mein herzlichsten Beileid zu eurem Verlust. Aber auch Glückwunsch zu eurem bezaubernden Kind.

        DANKE das du mir wieder zeigst wie belanglos alles andere ist.

        Ich kann meinen Respekt nicht in Worte fassen. Nicht ausdrücken wie grossartig ihr seid.

        Vg
        Romy

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