Sonntagskind

Du warst ein Sonntagskind. Sonntag morgen, am 15.02.15 um 10:48 Uhr hast du das Licht der Welt erblickt. Zur besten Frühstückszeit. Am Nachmittag waren wir schon wieder zu Haus. Kuschelzeit. Kennenlernzeit. Wieder-auftanken-Zeit. Du warst so neu und so bewundernswert. Und wie wir dich bewundert haben. Stundenlang haben wir dich angesehen, vorsichtig und am Anfang ängstlich betastet. Deine kleinen Hände, dein zartes Gesicht, dein dünner Körper. Deine feinen, flaumigen Haare. Wir haben dich berührt, gestreichelt, deinen Geruch in uns aufgenommen. Wie wunderbar du gerochen hast. So weich und warm. Ich wünschte man könnte den Geruch neugeborener Babys einfangen, er ist das tollste auf der Welt. Du hast uns angesehen und wir haben dich angesehen. Haben weitere Stränge zu dem Band hinzugefügt, was uns verbunden hat. Du warst sehr aufmerksam für ein so kleines, neues Wesen. Hast alle Reize in dich aufgesogen. Deine Großeltern sind dich besuchen gekommen und haben dich ebenso bewundert wie wir. Und du hast auch sie so intensiv betrachtet, wolltest sie ganz in dich aufnehmen. Als es Abend wurde und du den ersten Tag auf der neuen Welt erlebt hattest, konnten wir schon sehen, was für ein Kind du werden solltest. Dein Charakter war schon sehr deutlich. Du warst ein ruhiges, ausgeglichenes und zufriedenes Kind. Aufmerksam und klug, aber auch sehr empfindlich und sensibel. Laute Geräusche mochtest du nicht und du brauchtest viel, viel Körperkontakt. Du solltest zwischen uns im Bett schlafen, geborgen zwischen unserer beider Körper, aber in der ersten Nacht war dir das noch zu schwer. Dein Schmetterlingspapa hat dich auf seine Brust gelegt und hat die Nacht halb sitzend im Bett verbracht, damit du schlafen konntest. Sein Rücken und seine eigene Erholung waren ihm ganz egal, damit du dich sicher fühlst. So hast du am Anfang die allermeiste Zeit verbracht: auf und an uns. Du mochtest es nicht, wenn man dich ablegen wollte. Und ich weiß heute warum. Du wusstest, dass deine Zeit kurz war und wolltest sie so intensiv nutzen wie möglich. Ich bin froh, dass wir dir das gegeben haben. Auch wenn wir manchmal verzweifelt waren, zu Beginn, weil du nicht so ‚funktioniert‘ hast, wie wir es erwartet hatten, wie man es uns erzählt hatte und wie man es manchmal liest. Wir haben nicht versucht, dich in eine Form zu bringen, dich an unser Leben anzupassen, sondern wir haben uns und unser Leben an dich angepasst. Dafür bin ich heute sehr, sehr dankbar.

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Ein Gedanke zu “Sonntagskind

  1. Kinder suchen sich ihre Eltern aus, nicht wahr? Mika hat das sehr sehr gut gemacht.
    Diese ersten Momente vergisst man nie im Leben und ich glaube, jedes Elternpaar wünscht sich diese winzig kurze Zeit nach der Geburt manchmal zurück. Einfach nur zum Genießen und Träumen.

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